Selzach
11.10.2017

Ein Land voller Kürbisse

In zwei wettergeschützten Anlagen werden die Kürbisse auf dem Hof der Ramseyers verkauft (von links): Urs Ramseyer, Jasmin und Olivier Besançon-Ramseyer mit Spross Gilles.

In zwei wettergeschützten Anlagen werden die Kürbisse auf dem Hof der Ramseyers verkauft (von links): Urs Ramseyer, Jasmin und Olivier Besançon-Ramseyer mit Spross Gilles.

Sie haben viele Namen, stammen aus Übersee, Neuseeland oder auch Asien: Etampes, Pink Banana, Butternut oder Hokkaido sind einige von unzähligen Kürbissorten. Eine schöne Auswahl davon findet man auf dem Hof der Familie Ramseyer im Selzacher Haag. Diese betreibt dort seit Anfang 2000 einen Kürbispark.

JOSEPH WEIBEL (Text und Foto)

Urs Ramseyer zeigt auf einen runden, orangefarbenen Kürbis. Er wiegt 14 Kilogramm. Am 20. Mai wurde der Samen dieses Kürbisses ausgesetzt und Anfang September geerntet. «Die Wachstumsdauer spielt eine untergeordnete Rolle», sagt Ramseyer. Wenn die Boden- und Wetterbedingungen günstig seien, so könne dieser Kürbis im gleichen Zeitraum auch 100 Kilogramm schwer werden. Wachstumsrekorde streben Ramseyers aber keine an. «Riesenkürbisse sind ein anderes Business», so der Landwirt.

Neue Einnahmequellen erschliessen

Ein kreatives Schild mit unverkennbarem Kürbissujet weist auf der T5 Richtung Haag den Kürbispark der Selzacher Landwirtsfamilie an. Lange Zeit stand hier auch eine Hinweistafel mit der Aufschrift: «Cross-Golf». Das sei 2005 bis 2011 gewesen, präzisiert Urs Ramseyer. «Wir hatten ein raumplanerisches Problem. Und das verhinderte in einer solchen Nische Fuss zu fassen.» Also konzentrierten sich die Anstrengungen weiterhin auf den Anbau von verschiedenen Kürbissorten. Begonnen haben Ramseyers damit um die Jahrtausendwende und sind damit einem allgemeinen Trend gefolgt, die Landwirtschaftstätigkeit zu diversifizieren und neue Einnahmequellen zu erschliessen.

Bauer Ramseyer setzt das Wort «Nachhaltigkeit» mehrmals ein und betont die Geschäftsphilosophie. «Das Geschäft mit dem Kürbis ist ein Auf und Ab. Es braucht viel Ausdauer, aber auch die Nase auf Produkte zu setzen, die man über mehrere Jahre erfolgreich kultiviert und die auch beim Endverbraucher Verwendung finden.» Er meint damit eine gute Auswahl von Kürbissorten, die Sinn machen und nicht nur von der Farbigkeit oder Form her überzeugen. In den 17 Jahren habe er einiges gelernt und sich immer wieder neu mit diesem Herbstgemüse auseinandergesetzt.

E wie Etampes – S wie Speckled Hound

Auf einem Hektar Land wird Speise- und Zierkürbis angesetzt. Das Saatgut, also die Kürbissamen, züchten die Ramseyers nicht selber. «Der finanzielle Aufwand mit dem Einkauf von Saatgut ist grösser, aber er lohnt sich, weil die Kürbisse so sortenrein bleiben.» Die Auswahl von Kürbissorten im Selzacher Kürbismarkt ist gross, und die Namen sind vielfältig und fantasievoll: Etampes, Grüner Hokkaido, Pink Banana, Jarradahle, Butternut, Pottimarrron, Halloween, Speckled Hound, Muscade de Provence oder Jack be little. Die Gewächse stammen aus Übersee, Australien oder Japan. Kürbisgemüse ist vielseitig verwendbar. Ende der Saison haben Ramseyers einige Tonnen Kürbisgemüse an die Frau und den Mann gebracht. Auf die Website stellt die Familie Ramseyer immer wieder neue Rezepte (www.funrange.ch). Der Kürbis ist eher wenig geschmacksintensiv. «Ich sage immer: Der Kürbis ist Trägermaterial und ideal zum Veredeln mit Gewürzen und Kräutern.» Unterschieden wird hingegen bei der Beschaffenheit. Weiche Kürbisse sind eher fasrig und schwieriger für die Endverarbeitung. «Je härter die Schale des Kürbisses ist, desto besser ist die Qualität», erklärt Urs Ramseyer. Dann spricht man von feinkörnigem Gemüse. Wer sich beim Schälen nicht gleich selbst verletzen will, legt den ganzen Kürbis kurz in den heissen Ofen (180°) oder kocht ihn kurz an. «So lässt sich die Schale besser entfernen.»

Ganz auf den Ackerbau setzen

Mit dem Jahresmotto – heuer werden die Olympischen Winterspiele 2018 thematisiert – will sich der Kürbisbauer «im Gespräch halten». Es sei eine unkonventionelle Marketingmassnahme, die sich als nachhaltig erweise. Die «sportliche Idee» habe Tochter Jasmin gehabt. Sie wird nächstes Jahr vermehrt im Betrieb ihres Vaters anzutreffen sein. Unterstützung erhält sie von ihrem Mann, der aber einer anderen hauptberuflichen Tätigkeit nachgeht. Jasmin Besançon-Ramseyer hat ebenfalls eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Bis Ende Jahr haben Ramseyers noch ein Standbein mit Muttertierhaltung. Ab nächstem Jahr setzen sie ganz auf den Ackerbau. Und natürlich weiterhin auf den Anbau von Kürbissen sowie ein wachsendes Freilandblumen-Angebot.