GRENCHEN
05.12.2017

Gewappnet für den Ernstfall

Laut Per Just, Geschäftsleiter der SWG, hat die Schweiz ein sehr stabiles Stromnetz.Drei Lektionen lang war es dunkel im Oberstufenzentrum in Grenchen. Die Lehrer sorgten mit Kerzen für ein wenig Licht.

Laut Per Just, Geschäftsleiter der SWG, hat die Schweiz ein sehr stabiles Stromnetz.

Drei Lektionen lang war es dunkel im Oberstufenzentrum in Grenchen. Die Lehrer sorgten mit Kerzen für ein wenig Licht.

Einen Tag ohne Strom. Für die meisten ist das in der heutigen Zeit unvorstellbar. Denn kein Strom bedeutet nicht nur kein Licht, sondern auch kein Fernseher, irgendwann kein Handy und kein Benzin mehr. Was aber, wenn dieses Szenario plötzlich doch eintritt?

Sinja Gräppi (Text und fotos)

Ein kalter Montagmorgen. Dunkelheit nicht nur vor, sondern auch im Oberstufenzentrum in Grenchen. Einzig das Notlicht im Flur brennt. In den Zimmern flackern einige Kerzen. Ist der Strom ausgefallen? Nein. Zum Glück nicht. Die Sicherungen wurden mit Absicht ausgeschaltet, um ein mögliches Szenario – eine bestimmte Zeit ohne Stromversorgung auszukommen – möglichst real zu dokumentieren. Das Ziel war, den Jugendlichen das Thema Energie näher zu bringen. Der Thementag fand innerhalb des Projekts «Jede Zelle zählt – Solarenergie macht Schule!» statt. Der Black Out Day im Sek I Zentrum war ein voller Erfolg. Die Schülerinnen und Schüler hatten nicht nur Spass, sie wurden auch für das Thema sensibilisiert. «Ich werde in Zukunft versuchen, vermehrt Strom zu sparen», sagt die von den Geschehnissen beeindruckte 14-jährige Josephine Rickli.

Kurzschluss durch Vogel

Was aber, wenn ganz Grenchen im Dunkeln steht, Gewerbe, Industrie, öffentliche Institutionen und Privathaushalte über längere Zeit von der Stromversorgung getrennt sind? «In Grenchen ist ein solches Szenario nach heutigem Stand nicht denkbar. Die Schweiz verfügt über ein sehr stabiles Stromnetz», erklärt Per Just, Geschäftsleiter der SWG. In Zukunft könne allerdings der Stromverbrauch zum Problem werden. «Mit dem Abschalten der AKW würde uns eine Stromquelle fehlen, somit könnte es zu einer Überbelastung der Stromnetze kommen. Wiederkehrende Stromausfälle wären die Folgen.»

Andere mögliche Gründe für einen Stromausfall sind Umwelteinflüsse und höhere Gewalt. Ein Blitzeinschlag kann eine Überspannung erzeugen. Die Auswirkungen sind noch einige Kilometer entfernt mit Spannungsschwankungen zu spüren. Im Haushalt bemerke man diese so genannten Netzwischer kaum. Einzig empfindliche Geräte könnten zeitweise kurz ausfallen, erklärt Per Just. Eine weitere Ursache für Stromausfälle sind Vögel. Fliegt ein Gefieder in eine Leitung, kommt es zu einem Kurzschluss. Das Stromnetz schützt sich sozusagen selbst mit einem kurzen Unterbruch. Nach kurzer Zeit schaltet es von alleine wieder ein. Heute werden deshalb die Stromleitungen vermehrt unterirdisch verlegt.

Verheerende Folgen

Der letzte markante Stromausfall verursachte ein Marder, der im Unterwerk der SWG mit seinen scharfen Zähnen einen Kurzschluss produzierte. «Ein ernsthaftes Strom-Blackout gab es in Grenchen aber noch nie», so Just. Sollte es aber trotzdem einmal dazu kommen, sind die SWG auf verschiedenste Szenarien gerüstet. «Unsere Notstromaggregate versorgen im Ernstfall die für unsere Arbeit so wichtige Informatik.» Im Weiteren hätten wichtige Institutionen wie etwa Spitäler eigene Notstromaggregate, die bei einem Netzausfall sofort anspringen. Auch die Wasserversorgung, welche in drei verschiedene Sektoren (Zonen) eingeteilt ist, wäre weiterhin gesichert.

Mit einem Super-Gau ist bei uns kaum zu rechnen. «Sicher ist», sagt Per Just, «dass ein länger dauernder Stromausfall verheerende Folgen haben könnte. «Die Versorgungslage würde problematisch und damit verbundene wirtschaftliche Einbussen.»