LENGNAU
05.12.2017

Der andere Weg nach Bethlehem

Maria, Josef und die drei Könige sind auf dem Weg nach Bethlehem. Die einen folgen einem Befehl, die anderem einem hellen Stern. Um diese Reise zu verdeutlichen, hat die reformierte Kirche in Lengnau für ihre Krippendekoration eine spezielle Idee entwickelt

Sinja Gräppi (Text und foto)

Josef und seine Verlobte Maria folgen dem Befehl von Kaiser Augustus und machen sich auf den Weg nach Bethlehem, Josefs Heimatstadt, weil sie sich dort als Bürger in die Steuerliste eintragen müssen. Für die Beiden gestaltet sich die Reise beschwerlich, denn Maria ist hochschwanger. Gleichzeitig sind die drei Könige unterwegs und folgen dem Stern, der sie zur Krippe von Josef und Maria führt. Die Weihnachtsgeschichte ist so alt wie unsere Zeitrechnung und findet jedes Jahr in verschiedenster Form wieder statt. So auch in der reformierten Kirchgemeinde in Lengnau. Das diesjährige Motto der Krippe, die in der Kirche aufgebaut wird, heisst: «Auf dem Weg». Katechetin Ruth Genier erklärt den Hintergrund: «Wir Menschen sind selber unser ganzes Leben auf dem Weg und auf der Suche nach Licht.»

Eine Botschaft von Liebe

Das Bild der Krippe nimmt also symbolisch in der Adventszeit ihren Weg zur Vollendung. Wer in den ersten Tagen die Krippe in der Lengnauer Kirche besucht hat, sah das erste Bild mit Maria, Josef und den drei Königen. Bei jedem öffentlichen Anlass in der Kirche ergänzt Genier die Szene mit weiteren Figuren, Kerzen und anderen Materialien. Die Choreografie bzw. die Aufstellung der verschiedenen Figuren bestimmen aber die Kirchengänger. Ruth Genier erhofft sich so eine lebhafte Darstellung der Weihnachtsgeschichte. «Wir haben eine bestimmte Vorstellung. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten», sagt sie. «Nichts ist falsch.» Sie lasse den Kirchengängern diese Wahl und sende so indirekt eine Botschaft von Liebe aus, sagt Ruth Genier im übertragenen Sinne.

Die Idee dazu kam ihr spontan in den Sinn, und die Sache war beschlossen. Dieser kontinuierliche Aufbau der Krippe sei sowohl für die Kirchengänger als auch für sie eine spannende Herausforderung. Sie frage sich natürlich, wie sie wohl reagieren würde, wenn die Figuren nicht ihren Vorstellungen entsprechend aufgestellt würden. Sie empfindet dieses Experiment jedenfalls als eigene Horizonterweiterung. «Ich werde an den aufgestellten Figuren soweit auch nichts verändern», verspricht sie.

Bezug zum eigenen Leben

Das Ziel dieser Idee ist, dass die Besucher der offenen Kirche die Aufstellung der Krippenfiguren selber mitgestalten können. «Vielleicht entsteht so ein Interesse, in den Kirchenräumen nicht ‹nur› als ‹Konsument› zu verweilen.» Dabei könne auch ein Bezug zum eigenen Leben möglich werden. «So denken die Leute darüber nach, auf welchem Weg sie sich befinden, und wo sie stehen», spricht sie noch einmal das diesjährige Krippen-Motto an.

Insgesamt besteht die Krippe aus elf Schwarzenberger Krippenfiguren, die von freiwilligen Gemeindemitgliedern hergestellt wurden. Der Körper der Figuren ist aus Sisaldraht, der Kopf wird aus Styroporwürfeln geschliffen und geformt. Damit die Figuren standhaft sind, haben sie Bleifüsse. In den nächsten Jahren soll die Vielfalt der Figuren erweitert werden.