Seeland
09.01.2018

Wenn die Narren schon an Neujahr frohlocken

Besuch aus Grenchen: Die Stadtratten begeistern Jung und Alt.Furchterregend: Ein Monster der «Wiggentaler Tüfle».

Besuch aus Grenchen: Die Stadtratten begeistern Jung und Alt.

Furchterregend: Ein Monster der «Wiggentaler Tüfle».

Seeland In zwei Tagen beginnt im Solothurnischen was in Büren an der Aare schon wieder vorbei ist: Die Fasnacht. In der Seeländer Gemeinde heisst das närrische Treiben «Büre Nöijohr» und ist mindestens so schön wie das Solothurner Pendant.

Daniel Martiny (Text und Fotos)

Die schweizweit erste Fasnacht des Jahres, soll es gemäss alten Überlieferungen seit 500 Jahren geben. Am Neujahrstag startet das «Büre Nöijohr» mit der Chesslete durchs Dorf. Am Nachmittag erfreuen sich dann die vielen Zuschauer am traditionellen Umzug im für die närrischen Tage umbenannten Städtli mit Namen Türmliwil. Die gleichnamige Zunft feierte heuer ihr 40-Jahr-Jubiläum und setzte am Umzug gleich zu einer Doppelrunde an in ihrem Cabrio.

Stadtratten aus Grenchen

Dass der Anlass weit über die Kantonsgrenze bekannt ist, haben nebst den einheimischen «Houzbrügg-Fägern» die Gastguggen aus Luzern, Basel Biel und Bern bewiesen. Auch die Grenchner Stadtratten verbreiteten auf ihrem Wagen viel Gaudi und natürlich eine gehörige Portion Konfetti. Eindrücklich gestaltete sich vorab der Auftritt der «Wiggertaler Tüfle». Bei ihren furchterregenden Masken suchte manches Kind zitternd den Schutz seiner Eltern. Zusätzlich beehrte eine Familie aus Belgien, die Eltern sofort erkennbar mit einer langen Fasanenfeder, den farbenprächtigen Umzug. Die Fasnacht stand dieses Jahr jedoch unter dem Motto: «Mir rächne ab», was sich vorab auf die Politik zwischen Büren und der Berner Regierung bezieht.

Ganz Büren auf den Beinen

Erstmals waren am «Büre Nöijohr» nebst den Kindern auch Schüler aus der Oberstufe vertreten. Sie fuhren die beiden Runden in ihrem «Elternrat»-Wagen, während die Kleinsten als Schneemänner verkleidet zu Fuss gute Laune verbreiteten. Derweil thematisierte der heimische Fussballklub die verpasste WM-Qualifikation der Italiener und der Holländer und prophezeit, dass die Schweiz gegen Brasilien mit 3:0 gewinnen werde. Dies alles sehr zum Gaudi des zahlreichen, fasnachtsbegeisterten Publikums, dass an dieser Neujahrstradition laut den Veranstaltern wieder vermehrt grösseres Interesse zollte. Zum traditionellen Umzug, der dieses Jahr aus 17 Gruppen bestand, gehört natürlich die Figur des «Nimmerseelig». Diese personifiziert der Sage nach das Böse und soll 1798 mehrere Häuser angezündet haben. Ganz Büren war deshalb glücklich darüber, als der Böögg am 2. Januar um 18.01 Uhr in Flammen aufgegangen ist und damit, zumindest bis ins Jahr 2019, keine Gefahr mehr besteht, dass der «Nimmerseelig» in Büren umgeht und erneut Schaden anrichten kann.