Grenchen
11.09.2018

Bertha Sperisen: Bäuerin und Anästhesiepflegefachfrau

Bertha Sperisen geniesst es, sich auch einmal hinzusetzen und ein Buch zu lesen.

Bertha Sperisen geniesst es, sich auch einmal hinzusetzen und ein Buch zu lesen.

Die neue Serie im Grenchner Stadt-Anzeiger heisst «Die Bäuerin im Fokus». Die Aufgaben einer Bäuerin sind vielfältig. Sie ist für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig, hilft auf dem Hof und stärkt ihrem Mann so den Rücken. In Teil 2 beleuchten wir das Leben und Arbeiten von Bertha Sperisen.

Sinja Gräppi (text und foto)

Früher fehlte angehenden Bäuerinnen oft eine Grundausbildung. Sie wuchsen meist auch auf einem Bauernhof auf und zogen in jungen Jahren auf den Hof ihres zukünftigen Mannes. Sie besorgten den Haushalt und zogen die Kinder auf. Heute ist alles ein bisschen anders. Angehende Landwirtinnen machen eine 3-jährige EFZ-Ausbildung und führen meist selber einen Betrieb. Bäuerinnen besuchen berufsbegleitend oder in Vollzeit die Bäuerinnenschule und schliessen diese mit einem Fähigkeitszeugnis ab.

Ausbildung im Gesundheitsbereich

Wir sind auf dem Hof der Familie Sperisen in Grenchen. Bertha Sperisen wuchs in Schwyz auf. Ihr Götti war Landwirt und hatte einen eigenen Bauernhof. In ihrer Schulzeit verbrachte sie oft die Ferien bei ihm. «So erhielt ich einen Einblick in die Landwirtschaft», sagt Bertha Sperisen. Nach der Schule entschied sie sich vorerst für das Gesundheitswesen und absolvierte eine Ausbildung als Pflegefachfrau, später bildete sie sich weiter in der Anästhesie. Mit 28 Jahren lernte sie ihren Mann Bruno kennen. «Für mich war zum vornherein klar, dass ich zu ihm auf den Hof ziehe und ihn in seiner Tätigkeit unterstütze.» Eine landwirtschaftliche Ausbildung machte sie nicht, aber sie besuchte verschiedene Kurse am landwirtschaftlichen Bildungszentrum Wallierhof, welche ihr im Alltag in Haus und Hof zugutekommen.

Für Haushalt und Garten zuständig

Bertha und Bruno Sperisen teilten von Beginn ihre Aufgaben. Sie war vor allem für den Haushalt, die Kindererziehung und den Garten verantwortlich. Auf der anderen Seite bewirtschaftete ihr Mann mit einer Halbtagskraft die Tier- und Landwirtschaft. Wenn es die Situation erforderte, hilft Bertha Sperisen aber auch auf dem Hof aus.

Ihrem angestammten Beruf bleibt sie bis heute treu und arbeitet mit einem 50%-Pensum im Bürgerspital Solothurn. Das tat sie auch, als ihre heute erwachsenen Kinder zur Welt kamen. «Ich habe diese Abwechslung immer geschätzt.» Diese Berufstätigkeit war aber nur möglich, weil ihr Mann in dieser Zeit ihren Part an Hausarbeit und Kinderbetreuung übernahm.

Freiheiten im Tagesablauf

Das Leben auf dem Hof möchte Bertha Sperisen allerdings nicht missen. «Es lässt viele Freiheiten zu.» Sie schätzt es, auch mal einfach hinzusitzen und ein Buch zu lesen. Die Landwirtschaft kämpft heute aber auch mit strukturellen Veränderungen und Vorschriften, welche die Arbeit nicht erleichtern. «Es ist eine tägliche Herausforderung, die häufig wechselnden Vorschriften und Neuerungen im Auge zu behalten», klagt Bertha Sperisen. Die Landwirtschaft bietet aber auch im finanziellen Bereich nur unzureichend Sicherheit. Ob die Ernte gut wird, ist vor allem wetterabhängig, und somit auch der Erlös. «Dank meiner Tätigkeit ausserhalb des Betriebs haben wir zumindest ein festes und regelmässiges Einkommen.»

Trotz dieser stetigen Unsicherheit war es der Mutter von zwei Kindern wichtig, ein bis zwei Wochen pro Jahr mit den Kindern in die Ferien gehen zu können. Bertha Sperisen: «Ich bin froh, konnten wir das unseren Kindern ermöglichen.»

Hauptsächlich Winterferien

Ferien bleiben für eine Bauernfamilie oft ein Wunsch. Für Bertha Sperisen waren Ferientage wichtig, vor allem wegen der Kinder. Für den Hof sorgte in dieser Zeit eine Aushilfe oder der Angestellte. «Andernfalls wären Ferien ein schwieriges Unterfangen.» Die Ferientage bezog die Bauernfamilie vor allem im Winter. Das sei einfacher, weil sich die Arbeiten auf die Tierstallungen beschränken würden. Auf dem Hof sind immerhin 28 Milchkühe täglich zwei Mal zu melken. Dazu kommen 50 Mastschweine und zehn Hühner. «Nicht zu vergessen sind die Katzen und unser Berner Sennenhund Nino», schmunzelt Sperisen. Auf den 45 Hektaren Land werden zusätzlich Weizen, Gerste, Mais, Raps, Zuckerrüben und Gras angebaut.