Grenchen
07.11.2018

Grenchner Judo-Club schreibt Schweizer Sportgeschichte

Der grosse Wurf: Im Judo können grosse Widersacher auch von kampfbereiten Knirpsen hart auf die Matte gelegt werden. zvg)Marc Willemin und Thomas Hagmann waren in der goldenen Zeit des Judo-Clubs Grenchen aktiv. Stefan Kaiser)

Der grosse Wurf: Im Judo können grosse Widersacher auch von kampfbereiten Knirpsen hart auf die Matte gelegt werden. zvg)

Marc Willemin und Thomas Hagmann waren in der goldenen Zeit des Judo-Clubs Grenchen aktiv. Stefan Kaiser)

Seit 60 Jahren trägt der Judo-Club wesentlich zum sportlichen Image der Uhrenstadt Grenchen bei. Auch heute noch erfolgreich, erlebte der Club seine Glanzzeit aber in den 1970er- und 80er-Jahren. Ein Blick zurück mit zwei Athleten aus jener Zeit.

Stefan Kaiser

Judo gehört zu Grenchen wie der Tüfel zum Chappeli oder das Centro zum Stadtbild. Über 100 aktive Mitglieder, darunter rund 60 Kinder, zählt der Judo-Club heute, und die Sportart ist traditionell auch ein fester Bestandteil des Schulsports und des Ferienpass-Angebots. «Im Judo können sich die Kinder austoben und mit anderen messen, und sie lernen dabei gleichzeitig auch Anstand und Fairness», ist Marc Willemin überzeugt. Der 66-Jährige war OK-Chef der Jubiläumsveranstaltung vor zwei Wochen in der Turnhalle des Haldenschulhauses. Und er gehörte wie der 65-jährige Thomas Hagmann zum Grenchner Glanz-Team, das Anfang der 1980er-Jahre nationale Sportgeschichte schrieb (siehe Kasten).

Wie David gegen Goliath

Am 1. Oktober 1958 im damaligen Restaurant Bad gegründet, feierte der Judo-Club Grenchen zwar immer wieder kleinere und grössere Erfolge. Seine sportliche Blütezeit erlebte der Club aber in den 1970er- und 80er-Jahren. «Im Europacup, wo wir 1983 den Viertelfinal erreichten, traten wir gegen Metropolen wie Frankfurt oder Paris an, die viele Profis in ihren Reihen hatten», erklärt Marc Willemin und fügt nicht ohne Stolz an: «Wir hatten keine Profis, und wenn man die Grösse von Grenchen beachtet, war der Viertelfinal eine beachtliche Leistung.» Aufgrund seiner Dominanz in den Schweizermeisterschaften stellte der Judo-Club Grenchen damals auch einen Grossteil der Nationalmannschaft. «Fairerweise muss man aber ergänzen, dass damals auch Leute aus Biel, Läufelfingen, Basel, Zürich oder dem Aargau bei uns in Grenchen trainierten», sagt Thomas Hagmann.

Olympia-Teilnahme wäre wichtig

Willemin und Hagmann denken gerne an ihre aktive Judo-Zeit und ihre Jugend zurück. «Wir hatten bis zu vier Trainings unter der Woche, und dann kamen noch Randoris (spezielle Übungskämpfe ohne Schiedsrichter) und am Wochenende Wettkämpfe dazu», erklärt Marc Willemin. «Und wir hatten mit Alois Ruziczka auch einen tollen Trainer», ergänzt Thomas Hagmann.

Doch die Zeiten waren damals noch anders. «Heute wird grosser Wert auf die Ruhezeiten nach den Wettkämpfen gelegt», erklärt Hagmann, der im Kantonalberner Judo-Verband in der Technischen Kommission als Vertreter des Regionalen Leistungszentrums in Biel amtet. «Wir gingen nach den Kämpfen jeweils noch ein Bierchen kippen», schmunzelt er, «was natürlich verheerend war, wenn man im Training bis zu drei Kilo Körpergewicht verlor.» Doch die Moral sei damals eine andere gewesen, erinnert sich Marc Willemin: «Früher mussten wir uns für die Wettkampfteilnahme jeweils internen Ausmarchungen stellen. Und heute ist es zuweilen schwierig, dass sich genug Leute für eine Wettkampfteilnahme finden.»

Dennoch sind die beiden auch stolz auf die aktuellen Leistungsträger des Grenchner Judo-Clubs und seine Vertreterinnen und Vertreter in den nationalen Kader (siehe Kasten). «Aus eigener Erfahrung in Montreal und Moskau weiss ich, wie wertvoll und wichtig eine Olympia-Teilnahme ist», hält Thomas Hagmann schliesslich noch fest, «und jede und jeder, der kann, sollte alles daran setzen, sich über die Meisterschaften und Grand- slams für eine Olympia-Teilnahme zu qualifizieren.» Aber im Gegensatz etwa zum Fussball flössen die Finanzen im Judo leider erst spät an die vielversprechenden Talente, die ihre berufliche Karriere dann der sportlichen vorziehen.