Leuzigen
30.11.2018

Unersetzlicher Charme in Leuzigen

Antoinette Schumann vor ihrem Restaurant, das sie seit 48 Jahren führt.Ein bewährtes Duo: Die Wirtin mit Service-Fachkraft Anna Rose Schär.Die Stammkundschaft ist immer zahlreich und gutgelaunt in der Gaststube.Einzig diese Kasse dürfte noch älter sein als die Wirtin.

Antoinette Schumann vor ihrem Restaurant, das sie seit 48 Jahren führt.

Ein bewährtes Duo: Die Wirtin mit Service-Fachkraft Anna Rose Schär.

Die Stammkundschaft ist immer zahlreich und gutgelaunt in der Gaststube.

Einzig diese Kasse dürfte noch älter sein als die Wirtin.

Heute sind es genau 48 Jahre her, seit Antoinette Schumann mit ihrem Mann das Restaurant Dézaley übernommen hat. Die 78-jährige Wirtin denkt noch lange nicht ans Aufhören und will die zahlreichen Stammgäste in ihrem Lokal noch lange verwöhnen.

Daniel Martiny (Text und Fotos)

Wenn Liebe durch den Magen geht, dann trifft dieses alte Sprichwort genau auf mich zu», sagt Antoinette Schumann. Am 6. Dezember 1970 folgte die gebürtige Luzernerin ihrem Mann nach Leuzigen in ihr geliebtes «Dézaley». «Das ist doch ein passender Name, auch wenn ich dessen Bedeutung vorerst gar nicht realisierte.» 1876 wurde das Gebäude an der Bürenstrasse errichtet. Zu jener Zeit, als auch der Leuziger Bahnhof entstand. Das Dézaley hiess fortan denn auch Restaurant Bahnhof. «Erst im Jahr 1907 kam der Name Dézaley ins Spiel. Basierend auf einem Weinbaugebiet in der Nähe», erklärt die Frau, die vor Lebensfreude, Schaffenskraft und Energie trotz ihren 78 Jahren nur so sprudelt. «Eigentlich sollte ich ja Bäuerin werden, doch schon als Kind habe ich mit meiner Grossmutter köstliche Gerichte kreiert und das Kochen zum Hobby gemacht.» Beinahe logisch, dass Antoinette Schumann ihrer grossen Liebe gefolgt ist. Vor gut drei Jahren ist ihr Mann leider verstorben, doch seit diesem Zeitpunkt fängt die Geschichte um das legendäre Restaurant erst recht an.

«Mich traf fast der Schlag»

Eigentlich stand es nie in Frage, dass Antoinette Schuman trotz ihres Pensionsalters im Dézaley weitermachen würde. Und doch folgte keine einfache Zeit, als das Lebensmittel-Inspektorat plötzlich entschied, dass in der bestehenden Küche keine Lebensmittel mehr verarbeitet werden dürften. «Ein harter Entscheid», erzählt die Wirtin. «Sieben Monate lang durfte ich nur noch Getränke verkaufen.» Die Küche wurde totalrenoviert. «Als ich meine Küche erstmals wieder betrat, traf mich fast der Schlag. Alles war so weiss, so hell, so steril, im Neonlicht irgendwie charakterlos.» Doch Antoinette Schumann fand sich schnell mit den neuen Bedingungen zurecht und bereitete ihre Hausspezialitäten wie eh und je köstlich zu. Zudem: «Wenn die Küche nun halt charakterlos scheint, heisst das noch lange nicht, dass dies auch für die Gaststube, den angrenzenden Raucherraum und das grosse Säli gilt.» Im Gegenteil: Das Interieur im Dézaley ist in seiner Art unvergleichbar. Viele Bilder und diverse Erinnerungsstücke zieren die Wände nicht nur in der Gaststube. Einzigartig und weitherum bekannt ist das Raucherstübli. «Im Jahr 2007 habe ich die Bewilligung dazu erhalten, einen Luftabzug eingebaut, und seither ist unser ‹Mary-Long-Qualmraum› bestens besucht.»

Währschafte Küche

«Gäbe es das Dézaley nicht, müsste man es erfinden», lautet der Tenor bei den Stammgästen, die einen sehr hohen Anteil der Besucher ausmachen. «Ich kenne tatsächlich über 50 Prozent meiner Gäste persönlich.» Auch die Speisekarte ist in gutbürgerlicher Manier einer Landbeiz angepasst. Das «Dézaley-Teller» ist mit zwei grossen Schweinsplätzli mit viel Kräuterbutter und einer gewünschten Beilage besonders beliebt. «Hauptsache es geht schnell und unkompliziert, schmeckt gut und hinterlässt zufriedene Gäste», sagt Antoinette Schumann. Um der treuen Kundschaft gerecht zu werden, gibt es jeden Tag ein Mittagsmenu. «Das dürfen auch mal Kutteln sein», lächelt die 78-Jährige, welche sämtliche Speisen persönlich zubereitet. Von Montag bis Freitag steht die rüstige Frau in ihrer Küche. Manchmal vom Vormittag bis nach Mitternacht, je nachdem, ob sich Mitglieder der rund 17 Vereine in ihrem Stammlokal befinden. «Die Zeit reicht jedenfalls nicht, um die Ware bei einem Grossverteiler für Gastronomie abzuholen. Viel lieber erhalte ich das Fleisch direkt vom Metzger in Kallnach und viele Produkte direkt vom Bauernhof.» Ihre Stammgäste danken es der Wirtin. Und auch das Personal ist ihr treu. «Bis vor zwei Jahren hatte ich eine regelmässige Aushilfe, die den Job noch mit 88 Jahren mit Begeisterung ausgeübt hat.» Ob sie selbst noch so viele Jahre anhängen kann? «Das kommt ganz auf die Gesundheit an», sagt Antoinette Schumann. Jetzt freue sie sich schon mal auf den Bärzelistag, wenn traditionsgemäss die Jodler und Musiker des Dorfes im Dézaley einkehren. Und nicht zu vergessen: «Zu unserem 50-Jahr-Jubiläum wird das grosse Feldschlössli-Gespann mit vielen Bierfässern bei uns vorfahren. Ich freue mich jetzt schon, 2020 an vorderster Front Bier abzuzapfen.» Schaut man in die strahlenden Augen von Antoinette Schumann, nimmt man ihr dieses Vorhaben sofort ab.