Die Grenchner-Stadt-Anzeiger-Serie
09.01.2019

Zwei Schwestern: Ein Herz und eine Seele

Aus dem Familienarchiv)

Aus dem Familienarchiv)

Auf ein Wort mit ... Gabrielle und Simone Maegli

Joseph Weibel

Ob sie Zwillinge seien? wurden sie schon gefragt. Und so kommt es vor, dass ein Kunde der festen Meinung ist, er sei am Morgen von Simone Maegli bedient worden. Dabei war es Gabrielle, die den Mann zuvor beraten hatte. Altersmässig liegen die beiden Schwestern drei Jahre auseinander. Aber wenn man sich einmal die Haarfarbe wegdenkt und sie ihre Brille ablegen, so lässt sich die Zwillingsmeinung erklären. Vielleicht liegt es am gemeinsamen Geschäftssinn, der guten Beratung und Einfühlsamkeit, die Simone und Gabrielle nicht nur optisch aneinanderbindet. Am Schluss unseres Gesprächs bringt es Gabrielle Maegli auf den Punkt und schaut Simone mit einem strahlenden Lächeln an: «Wir sind ein Herz und eine Seele!»

«Wirklich? Bei euch gibt’s kein Zanken, keine lauten Worte?» Natürlich gibt es das auch. Zwar keine Zänkerei, «aber schon mal Meinungsverschiedenheiten», sagt Gabrielle Maegli.

So haben wir mit unseren unterschiedlichen Charakteren 30 Jahre alle Hoch und Tiefs gemeistert, immer zum Wohle des Unternehmens, wie zuvor unsere Eltern auch, bevor sie uns das Geschäft überlassen haben.

Der Name ist ein Begriff

Der Name Maegli ist in der Branche ein Begriff. Nicht erst seit gestern und schon gar nicht nur in Grenchen. Der Grossvater der beiden Schwestern hatte in Langenbruck ein Uhrenatelier. 1910 zog er mit seiner Familie nach Olten und gründete ein Uhren- und Bijouteriegeschäft. Fünf seiner Kinder zog es ebenfalls in diesen Beruf – in alle Himmelsrichtungen. Darunter der Vater von Gabrielle und Simone. Weil es in Olten zwei Maegli-Geschäfte gab, war bald eines zu viel. Und so zogen die Eltern mit ihren drei Töchtern nach Grenchen. Das war 1960, und die Lokalität heute ist noch dieselbe wie damals. Wer in Solothurn und Olten eine Bijouterie Maegli entdeckt, sieht ein Stück Familiengeschichte, in der Gabrielle und Simone ein Teil sind.

Natürlich erinnern sie sich an die Blütezeit der Uhrenindustrie. Die «11i-Frauen» seien noch vor dem Kochen schnell im Geschäft vorbeigekommen und hätten sich etwas Schönes gekauft. Am Abend nach Industrieschluss kamen die Männer zum Einkaufen. Gabrielle schaut in mein fragendes Gesicht und gibt die Antwort: «Die Paare damals gingen oft in den Ausgang, nahmen an Tanzbällen teil, und Schmuck war ein Statussymbol. Echter Schmuck!» So wie man Werktags- und Sonntagskleidung trug, hielt man es mit dem Schmuck.

Direkt und über Umwege

Der Weg von Gabrielle, der älteren Schwester, war vorgezeichnet. Sie machte eine Lehre im elterlichen Geschäft. «Meine Mutter war eine überaus strenge Lehrmeisterin», sagt sie noch heute mit Respekt. Vielleicht hat sie sich deshalb unbewusst nach einem zweiten Standbein gesehnt und später eine Lehre als Krankenschwester absolviert. Aber die Berufung von Gabrielle war anders, wie die Geschichte zeigt.

Simone kam auf Umwegen zurück in die Welt von Glanz und Gloria. Ihr Weg führte ins Lehrerseminar mit der trüben Erkenntnis nach der Ausbildung, dass im Kanton Solothurn damals ein heilloser Lehrerüberfluss herrschte. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule, fand darin aber ebenso wenig eine berufliche Zukunft. Die zwei Jahre, die sie im Stellwerk des Hauptbahnhofs von Olten als Ansagerin verbrachte, war mehr eine Überbrückung, wie sich später herausstellen sollte. Sie blieb letztlich ebenso im elterlichen Betrieb «hängen» wie ihre ältere Schwester.

Viel, viel Empathie

 

Und nun sind das gezählte 30 Jahre gemeinsame Geschäftstätigkeit der zwei Schwestern, die auf eine langjährige und grosse Stammkundschaft zählen können – oft über mehrere Generationen hinaus. Deshalb blieben sie selbst in Krisenzeiten vor wirtschaftlichen Einbrüchen verschont. Und hadern nicht mit dem Schicksal des unübersehbaren «Lädelisterbens» in der Uhrenstadt. Vielmehr halten sie Schritt mit den wechselnden Trends in ihrer Branche. Zum Glück haben die Menschen immer noch das Bedürfnis, echten Schmuck zu tragen. Selbst die junge Generation. «Auch wenn sie vielleicht für ein paar Jahre noch den Umweg über preiswertere Varianten machen müssen», sagt Simone Maegli.

Es ist nicht alleine die Freude am Verkauf und dem Kunden gegenüber überzeugend zu wirken. Was den Geschäftsfrauen eigen ist nennt man Empathie. Er reflektiert Ausstrahlung, Einfühlsamkeit, Fingerspitzengefühl, und wie Gabrielle es ausdrückt: viel Menschenkenntnis. Das haben sich die beiden in den letzten drei Jahrzehnten angeeignet.

Ein Attribut, das wohl einen massgeblichen Teil ihres Geschäftserfolgs ausmacht.

Gemeinsam singen

 

Einen Versuch haben wir noch? Sind die beiden Frauen auch nach Ladenschluss ein Herz und eine Seele? Wieder lächeln Gabrielle und Simone verschmitzt und erwidern: «Wir starteten sogar den Versuch, gemeinsam in einer Wohnung zu leben. Diese Phase war schnell vorbei. Wir verbringen nicht unbedingt gemeinsam die Freizeit, und in den Urlaub müssen wir ebenso wenig zusammen.» Das ist eine klare Ansage. Ausserhalb des Geschäfts gibt es zwei verschiedene Persönlichkeiten. Da ist Simone mit einem ausgeprägten grünen Daumen. Im Naturgarten kann sie abspannen. Sie hat mit ihrem Mann Remo zwei erwachsene Kinder, und die Rollen sind vertauscht. «Mein Mann schaut zu Haus und Hof», sagt Simone mit einem Lächeln. Für sie stimmt diese Arbeitsteilung voll und ganz. Und Gabrielle? Sie lebt mit ihrem Partner Hans zusammen. Er ist zwischenzeitlich pensioniert und geht der Geschäftsfrau im Haushalt ebenfalls zur Hand. Was sie am liebsten mag? «Ein gemütliches Nachtessen», sagt sie. Ausserdem findet sie Ausgleich beim Wandern und im Winter beim Langlauf. Mit Yoga kommt sie zur Ruhe. Es gibt trotz allem ein gemeinsames Hobby der zwei Schwestern. Sie singen seit vielen Jahren im Corale Pro Ticino Grenchen.

 

Jubiläum mit Kunden geniessen

Gabrielle und Simone führen die Grenchner Bijouterie bereits in dritter Generation. Gibt es eine vierte? Gabrielle sinniert einen kurzen Moment und bewegt ganz leicht den Kopf, als möchte sie sagen und fragen: Nachfolgeregelung? Richtige Antwort. Die Kinder von Simone werden das Geschäft nicht übernehmen. Sie haben sich beruflich anders orientiert.

Gabrielle überlegt einen Moment: «Ein Leben nach dem Geschäft? Das habe ich mir bisher noch nicht vorgestellt.» Simone nickt, weil sie weiss, dass ihre Schwester ihre Aussage genau so meint.

Solche Überlegungen machen sich Gabrielle und Simone im Moment nicht. Bijouterie Maegli ist auch dieses Jahr wieder mit an der Hochzeitsmesse dabei. Diese Beteiligung erhält durch das 30-Jahr-Jubiläum eine besondere Bedeutung. «Wir geniessen unser 30-Jahr-Jubiläum und sind stolz, dass wir in diesen drei Jahrzehnten viele Detailhandelsfachfrauen ausgebildet haben. Weil bei den Maeglis der Kunde König ist, soll er teilhaben an diesem Jubiläum.

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