Grenchen
14.10.2020

Grenchner Wohntage mit aktuellem Hintergrund

Lukas Walter, Mitorganisator und Mitarbeiter am Bundesamt für Wohnungswesen: «Tatsächlich liegen wir mit dem seinerzeit festgelegten Thema der Fachtagung goldrichtig».

Lukas Walter, Mitorganisator und Mitarbeiter am Bundesamt für Wohnungswesen: «Tatsächlich liegen wir mit dem seinerzeit festgelegten Thema der Fachtagung goldrichtig».

Die Grenchner Wohntage sind längst eine Institution und ein Brand – ein nationaler dazu. Allerdings, und einmal mehr wegen der Corona-Krise, wäre das 25-Jahr-Jubiläum um ein Haar ins Wasser gefallen. Dank den Lockerungen im Veranstaltungsbereich sind die an drei Tage stattfindenden Wohntage nicht mehr in Gefahr. Bei der Themenfindung vor einem Jahr wusste noch niemand von der sich anbahnenden COVID19-Krise – und als wär’s ein Fingerzeig des Schicksals, erhalten die damals gewählten Themen Aktualität. Ein Gespräch mit Mitorganisator Lukas Walter vom Bundesamt für Wohnungswesen.

Von: Joseph Weibel

Herr Walter, die Fachtagung (siehe Kasten) der 25. Grenchner Wohntage thematisiert die aktuellen Entwicklungen im Verhältnis zwischen Erwerbsarbeit und häuslichen Leben sowie ihre möglichen Folgen für die Wohnraumversorgung. Sie haben das Thema vor einem Jahr festgelegt. Es scheint, als hätten die Ideenfinder gespürt, was uns dieses Jahr widerfährt?

Lukas Walter: Tatsächlich liegen wir mit dem seinerzeit festgelegten Thema der Fachtagung goldrichtig, beziehungsweise sehr aktuell…

… Zufall oder gute Nase?

Der Ursprung dieser Idee liegt beim Kultur-Historischen Museum Grenchen. Letzten November traten die Verantwortlichen im Blick auf die 25. Grenchner Wohntage mit dem Ansinnen an uns, eine Ausstellung mit dem Thema «Arbeiterwohnen im 20. Jahrhundert». Die Ausstellung zeigt, wie die Arbeiter in der zunehmenden Industrialisierung gelebt haben. Das brachte uns von der Organisation auf den Gedanken, die Fachtagung unter den Fokus: «Arbeiten und Wohnen» zu stellen. In den kommenden Monaten gewann das Thema dann plötzlich an Aktualität, die so nicht vorhersehbar war…

Sie denken in erster Linie an die vielen Menschen, die ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegten oder verlegen mussten?

Richtig. Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF, wird am 12. November an der Fachtagung zugegen sein und in seinem Referat genau diese Materie unter die Lupe nehmen. Er beleuchtet die Chancen und Risiken der zunehmenden Verschmelzung von Wohn- und Arbeitswelt.

Ich frage Sie: Welche Problematiken dieser neuen Wohn- und Arbeitswelt würden Sie in einem Referat ansprechen?

Ich würde mir die Auswirkungen überlegen auf das Wohnen, die Strukturierung eines Arbeitstages, die Synchronisation mit den Arbeitskollegen – oder anders gefragt: Wie kann ich mich zu gleichen Zeiten mit den Kollegen austauschen, wenn jeder seinen individuellen Rhythmus hat? Muss ich sieben Tage und 24 Stunden die Woche erreichbar sein? Wie trenne ich Privates und Beruf? Wie vereinbar ist auf Dauer das Zusammenleben mit den Personen im gleichen Haushalt, und wer ist für die Beschaffung der Hardware und der Infrastruktur verantwortlich? Ich spreche gewiss nichts Neues an. Viele Arbeitnehmende hatten im Frühjahr während mehrerer Wochen Gelegenheit, diesen Zustand zu testen – mit unterschiedlichem Erfolg und mit nicht immer kongruenten Meinungen. Ich denke, dass wir uns in nächster Zeit noch viel mehr darüber Gedanken machen müssen. Die Hausaufgabenliste jedenfalls ist recht lang. Ich denke dabei auch an den individuellen und öffentlichen Verkehr. Auch in diesem Punkt haben wir reichlich Erfahrungen sammeln können…

Corona hat die Menschen in die Heimarbeit geschickt und auch sonst noch vieles, was bisher im Alltag normal war, verhindert oder aufgeschoben. War die Durchführung der 25. Grenchner Wohntage nie in Frage gestellt?

Wir haben erst auf Grün geschaltet, als die Vorgaben für Veranstaltungen gelockert wurden. Die Wohntage haben in den letzten Jahren immer mehr Interessierte mobilisiert. Aber an keiner der jeweils drei Veranstaltungen hatte es bisher mehr als 300 Personen.

Das Programm der Fachtagung ist sehr vielfältig und mit hochkarätigen Referenten bespickt. Kann auch «Otto Normalverbraucher» an der Tagung teilnehmen?

Grundsätzlich ist die Veranstaltung öffentlich, allerdings mit einem Tagungsbeitrag von 200 Franken belegt. Darin enthalten ist auch das Mittagessen. Aber die verschiedenen Referate sind vor allem für Spezialisten interessant. Die Referate setzen ein gewisses Basiswissen voraus. Es somit nicht immer einfach den Vorträgen zu folgen.

Da fühlt sich «Otto Normalverbraucher» in der Ausstellung im Kultur-Historischen-Museum und im Kino Rex wohler?

Ganz sicher. Da die Ausstellung fast zwei Jahre läuft, muss sich der Interessierte nicht auf den Vernissagetag konzentrieren, sondern kann an einem beliebigen Tag, wenn das Museum geöffnet hat, die Ausstellung entspannt geniessen. Hingegen zeitlich gebunden ist der Film» Parasite» von einem südkoreanischen Regisseur in Szene gesetzt. Das Kino Rex wird am 9. November Platz haben für rund 100 Personen. Die Film sollte in der Zeit in den Kinos laufen, als der Lockdown ausgerufen wurde. Es wäre vermessen zu sagen, der Film hat am 9. November Premiere in Grenchen. Richtig ist aber, dass der Film bisher nur im kleinen Rahmen gesehen wurde.

Muss man sich für sämtliche Anlässe – vor allem für die Vernissage im Kultur-Historischen Museum und den Filmabend – akkreditieren?

Es ist im Voraus nicht zwingend erforderlich, aber es vereinfacht das Handling vor dem Eintritt in die Veranstaltung. Wer sich vorher online auf unserer Website (www.grenchnerwohntage.ch) entsprechend registriert, läuft ungehindert bei der Türkontrolle durch. Und insbesondere beim Kinoabend macht es Sinn, um sich einen Platz zu sichern.

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