Meinisberg
14.10.2020

Von Meinisberg über Dubai und gegen China

Der EHC Meinisberg hegt hohe Ambitionen und will die Playoff-Finals erreichen. Immer für einen Spass zu haben: Der Meinisberger René Aebi setzte sich stets ideal in Szene.

Der EHC Meinisberg hegt hohe Ambitionen und will die Playoff-Finals erreichen. Immer für einen Spass zu haben: Der Meinisberger René Aebi setzte sich stets ideal in Szene.

Der EHC Meinisberg hegt hohe Ambitionen und will die Playoff-Finals erreichen. Immer für einen Spass zu haben: Der Meinisberger René Aebi setzte sich stets ideal in Szene.

Der EHC Meinisberg ist in unserer Region das Aushängeschild im Amateur-Eishockey. Auch wenn die Seeländer nur in der 2. Liga spielen, strahlt die Mannschaft weit über die Landesgrenzen hinaus.

Von: Daniel Martiny

Es sind zwar schon gut 20 Jahre her, doch die Erinnerung, wie der EHC Meinisberg 1999 Werbung in eigener Sache machte, bleibt unvergessen. «Eishockey bei 38 Grad in der Wüste», titelten die Zeitungen. Das Schweizer Fernsehen sendete eigens ein TV-Team in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der EHC Meinisberg hatte die Reise nach Abu Dhabi anlässlich seines 25-Jahr-Jubiläums veranstaltet. «Wir versuchen immer, etwas Aussergewöhnliches zu unternehmen», sagte Marketingchef Martin Perrot damals. Die Aufstiegsreise vier Jahre zuvor hatte die Meinisberger beispielsweise nach New York geführt. Der Aufenthalt in den Emiraten dauerte sieben Tage. Für das TV-Magazin «Time Out» von SF DRS mussten die Meinisberger bei 38 Grad die Hockeymontur anziehen und für Aufnahmen am Strand von Abu Dhabi posieren. Vor 200 Zuschauern zogen die Seeländer im Final im Turnier mit den Al Ain Falcons, den Dhahran Saad Falcons sowie Peking mit 1:2 den Kürzeren.

Bekannte Akteure im Team

Seit jeher agieren im Team der Meinisberger immer wieder bekannte Gesichter aus Biel und der gesamten Region. Frühere Profis aus der National League, die ihre Karriere zwar noch nicht beenden wollten, jedoch trotzdem etwas kürzertraten und nicht mehr täglich im Training schwitzen wollten. Die Ex-Profis vom SC Bern, vom EHC Biel, aber auch von den Erstligisten Zuchwil und vorab des SC Lyss, gaben jeweils trotzdem Vollgas. Immerhin spielt man aktuell immer noch in der Tissot Arena in Biel. Die Zuschauerzahlen sind für 2.-Liga-Niveau recht hoch und die Ambitionen der Mannschaft dementsprechend ebenso. Wenn an diesem Wochenende die Meisterschaft startet lautet das Ziel, zumindest die Playoff-Halbfinals zu erreichen. Leider bringt die aktuelle Saison Änderungen mit sich. «Es wird nicht mehr so sein, wie es einmal war», sagt Yves Junker. Damit meint der Trainer nicht nur die Einschränkungen wegen Corona, sondern vorab die Tatsache, dass gegenüber der letzten Saison zwei Teams weniger am Start sind. Zurückgezogen haben sich aus der Liga der EHC Laufen und eben auch der SC Lyss II. «Damit fällt das Seeländer Derby leider aus», bedauert Junker. Zudem fehle es etwas an Spannung, weil bereits alle acht Teams für die Playoffs qualifiziert sind. Meinisberg durfte erneut einige Wunschtransfers tätigen So komplettierten die Zweitligisten ihr Kader für die Saison 2020/21 zuletzt noch mit einem hochstehenden Stürmerduo. Vom SC Lyss wechselte der 29-jährige Center Marc Balsiger zu den Meinisbergern, vom EHC Burgdorf kam der 27-jährige Flügelstürmer Robin Weber ins Seeland zurück. «Einige verdienstvolle Akteure haben uns zwar verlassen und wir mussten Verjüngungen vornehmen, an der Qualität des Teams ändert sich aber kaum etwas», sagt der Trainer. Und darum gilt: Wenn möglich den Playoff-Final zu erreichen. Als grosser Favorit gilt Meinisberg trotzdem nicht. Auf dem Papier sehe zwar alles gut aus, aber: «Auf dem Papier werden keine Siege errungen oder Punkte eingefahren.»

Gegen 1,3 Milliarden Chinesen

Der EHC Meinisberg wäre nicht der Kultverein, wenn man nicht noch weitere Geschichten auf Lager hätte. So spielte man vor zwei Jahren ein Testspiel gegen eine chinesische Auswahl. Da spielte des Team aus einem Seeländer Dorf mit etwa 1300 Einwohnern gegen eine Auswahl der Volksrepublik China, einer Nation mit über 1,4 Milliarden Einwohnern. China möchte an den Olympischen Spielen 2022 im eigenen Land eine Eishockeymannschaft aufbauen, die mehr als nur Kanonenfutter für Nationen wie Kanada, USA oder Schweden darstellt. Die Partie gegen Meinisberg verdeutliche Chinas Eishockey-Rückstand. Viele der chinesischen Spieler mieden den Körperkontakt. Andere suchten ihn derart übermotiviert, dass sie sich im Anschluss auf der Strafbank wiederfanden. Nicht zuletzt fehlte es auch an elementaren Fähigkeiten wie Passannahme und -weitergabe. Der «ausländische» und olympiaerfahrene Trainer war damals Jakob «Köbi» Kölliker. Der 67-jährige Bieler war Technischer Direktor des Projekts. Zusammen mit Alex Reinhard sowie einer Dolmetscherin leitet er die Trainings. China ging in der Tissot Arena gegen Meinisberg übrigens mit 1:11 unter.

Das Jahresbudget für zwei Aktivmannschaften beträgt 100000 Franken. Dabei wird ein grosser Teil der Einnahmen durch aktive Mithilfe der Mitglieder und der Spieler selbst erwirtschaftet. Während des Lockdowns organisierten die Teams kurzerhand ein «Legendenspiel» in freier Natur im Häftli. Meinisberger Legenden wie Björn Schneider, Gilles Dubois, Marco Dick, Beat Nuspliger oder Stefan Gerber nahmen am Tisch-Hockeyturnier teil. Ein weiterer Beweis dafür: Der EHC Meinisberg ist immer für eine Überraschung gut.