Grenchen
11.11.2020

Der Grenchner Markt lebt – und wie!

Am Stand von Gemüse Gloor herrscht reges Treiben.

Am Stand von Gemüse Gloor herrscht reges Treiben.

Welche Attribute verbindet man mit Markttreiben? – Lockerer Einkaufsbummel an der frischen Luft und viele soziale Kontakte: beim Einkauf oder später beim gemütlichen Kaffeeplausch. Nun ist ein weiteres hinzugekommen – gewisse Einschränkungen. Der Freude tut dies wenig Abbruch, wie unser jüngster Blick auf den Monatsmarkt in Grenchen bestätigt.

Von: Daniel Martiny

«Es funktioniert alles bestens und die Schutzmassnahmen werden durchwegs eingehalten», bestätigte Polizei-Kommandant Christian Ambühl letzten Freitag zur Mittagszeit. Es sei eine Win-Win-Situation für beide Seiten (siehe auch Interview mit Christian Ambühl auf der letzten Seite). Probleme habe es keine gegeben – ausser solche, die es immer wieder geben kann. Bei der Platzzuteilung beispielsweise. «Einige Marktfahrer sind nicht erschienen, und andere wiederum wollten ihre Stände ohne vorherige Anmeldung aufstellen.» Aber auch diese Probleme habe man lösen können. Dem ausgedehnten Monatsmarkt stand nichts mehr im Wege, zumal der grosszügig bemessene Marktplatz genügend Raum für alle bietet.

Frischprodukte locken an den Markt

Marktbesucherin Margrit Gattiker aus Grenchen nimmt den wieder eingeführten «Einbahnverkehr» auf dem Markt gelassen. Sie schmunzelt: «Wer weiss, vielleicht nimmt man in Kürze noch Ampeln in Betrieb, um den Einbahnverkehr zu regeln.» Aber von einem Marktbesuch hält das niemand ab. Im Gegenteil. Die Frischprodukte sind nicht nur am Monatsmarkt ein Renner. Das bestätigt auch Ursula Voser. «Warum sollen wir zu einem Grossverteiler, wenn wir hier an der frischen Luft beste Qualität erhalten?» Beat Voser moniert hingegen die beschlagenen Brillengläser. «Maske und Brille sind zwei Dinge, die sich schlecht vertragen».

Zufriedene Marktfahrer

Die Marktbesucher sind zufrieden. Ist das auch bei den Marktfahrern der Fall? Man spüre keinen Rückgang der Kunden, sagt die Verkäuferin am Stand von Gartenbau Egloff aus Lengnau: «Die Kundschaft ist da. Zwar hat auch das gute Wetter dazu beigetragen, aber wir merken keine Einbussen.» Beim Einkaufsverhalten der Bevölkerung ist sowieso ein klarer Trend zum verstärkten Kauf von regionalen Produkten zu beobachten. Gemüsebauer Willi Gloor interpretiert dieses Verhalten als eine «Besinnung auf das Wesentliche, und eine gestiegene Wertschätzung von lokalen Anbietern», wie er bekräftigt. Man spüre die ökologische Nachhaltigkeit.

Etwas mehr Aufwand

Was ist nun alles anders am Markt? An jedem Stand gibt es Desinfektionsmittel. Das ist ja nichts Neues. Dazu gibt es Maskenpflicht. Das war nicht immer so. Und es gibt auch kein Nebeneinander mehr an einem Marktstand. Alle schön der Reihe nach und mit dem nötigen Abstand zur vorangehenden Person. Für uns Schweizer ist diese Disziplinierung gewöhnungsbedürftiger, als für andere Europäer – für Menschen aus dem asiatischen Raum sowieso nicht. «Gewisse Zugeständnisse müssen wir in der jetzigen Zeit machen», findet die regelmässige Markbesucherin Liselotte Aubry. «Ich komme auf mehr Schritte auf dem Markt, und alles ist gemächlicher», findet sie durchaus positive Aspekte. An diesem Vormittag schienen die Corona-Probleme bei den Marktbesuchern für kurze Zeit wie weggeblasen. Die Marktbesucher kamen zwar auf dem Marktplatz situationsbedingt weniger ins Gespräch und tauschten sich dafür nach dem Einkauf eher in den umliegenden Restaurants aus. Der Marktgang, das fällt auf, erfolgt gezielter. Flanieren ist weiterhin erlaubt, immer mit der nötigen Distanz. Am Monatsmarkt spielt auch das Wetter eine entscheidende Rolle. Im Nebelmonat November sind es mal mehr, mal weniger Marktbesucher. Hauptsache, es ist Markt. Und er lebt – nach wie vor.