Büren a. A.
11.11.2020

Arbeitsplatz der Zukunft in Büren

So oder ähnlich könnte dereinst ein Sitzungszimmer im Coworking-Space-Office in Büren aussehen.

So oder ähnlich könnte dereinst ein Sitzungszimmer im Coworking-Space-Office in Büren aussehen.

In Büren an der Aare wohnen und arbeiten. Weniger pendeln, mehr Lebensqualität und das lokale Gewerbe stärken. Das will die Gemeinde mit einem zukunftsweisenden Gemeinschaftsbüro ermöglichen: einem Coworking-Space.

Von: Daniel Martiny

Wäre es nicht schön, wenn Büren an der Aare zu einer Gemeinde wird, in welcher Menschen flexibel arbeiten, sich im belebten Ortskern treffen und austauschen? Eine Gemeinde, in der sich Privat- und Berufsleben vereinen lassen? Wo die Standortattraktivität steigt und dazu noch der CO2-Ausstoss gesenkt wird? Ein Coworking Space bringt die Arbeit an den Wohnort zurück, er kurbelt die Wirtschaft an und fördert den Austausch von Wissen, Ideen und Netzwerken. Die Gemeinde Büren an der Aare will dies mit einem zukunftsweisenden Gemeinschaftsbüro ermöglichen. Partizipativ, getragen vom lokalen Gewerbe, von lokalen Organisationen und engagierten Bürerinnen und Bürern. Dazu lädt die Gemeinde ihre Bevölkerung ein, den Coworking Space mitzuentwickeln. Man hat bereits eine Online-Umfrage durchgeführt und wollte im Oktober einen Informationsanlass durchführen, der jedoch wegen der Corona-Krise verschoben werden musste.

Aufbau des regionalen Netzwerkes

Coworking-Spaces gibt es in unserer Region bisher vorwiegend in urbanen Zentren. Grenchen galt über eineinhalb Jahren als Hotspot für Coworking (siehe Kasten). In den ländlichen Teilen des Seelandes wurde nun ein neues Projekt lanciert und vorerst Bedarfsabklärungen, die Konzeption, Planung und ein Testbetrieb von vier bis fünf Coworking-Einrichtungen in die Wege geleitet. Nicht nur in Büren, sondern auch in Pieterlen, Lyss und Ins dürfte es dafür bald eine Lösung geben: «Wir prüfen, ob Coworking im ländlichen Raum funktioniert», sagt Beat Rüfli, Gemeindepräsident von Pieterlen. Er leitet die Projektgruppe, die aus den vier beteiligten Gemeinden sowie der Organisation seeland.biel/bienne besteht.

Ein Bedarf ist vorhanden

In Büren galt es ebenfalls zu klären, ob für solche Einrichtungen bei der Bevölkerung überhaupt genügend Bedarf vorhanden ist. «Erste Vorgespräche haben ergeben, dass es durchaus Einwohnerinnen und Einwohner gibt, die an solchen Arbeitsplätzen interessiert sind», sagt die Bürener Gemeinderätin Bettina Leiggener. Es sei sogar eine regelrechte «Euphorie» entstanden. Durch Corona habe das Projekt viel Rückenwind erhalten, da die Situation gezeigt habe, dass Arbeiten ausserhalb des Unternehmens sehr gut möglich ist. So haben laut Leggener viele Leute während der Krise das Nicht-Pendeln geschätzt, hatten aber gleichzeitig Mühe, zuhause in Ruhe arbeiten zu können. Wie gross der Bedarf tatsächlich ist, soll nun die Auswertung der Umfrage zeigen. Gleichzeitig wird die Öffentlichkeit vorgängig mit Flyern, auf den sozialen Medien und der Gemeinde-Webseite über das Projekt informiert. «Wir glauben fest daran, dass Alternativen zu klassischen Arbeitsplätzen und Home-Office gefragt sind», ergänzt die Gemeinderätin. Die Infoveranstaltung in Büren soll durchgeführt werden, sobald es die Situation wieder zulässt.

Klare Ziele definiert

Die Coworking Spaces sollen so aufgebaut werden, dass sie zu attraktiven Treffpunkten für die Bevölkerung werden und der Knowhow-Austausch zwischen den Betreibern genutzt wird. In Büren wird das Angebot nun bis Ende Juni 2022 aufgebaut und konsolidiert. Die Trägerorganisation der lokalen Coworking-Spaces in Form von lokalen Genossenschaften oder Vereinen sind erstellt. Unterstützt wird die Projektgruppe von VillageOffice, einer Organisation, die Gemeinden und andere Interessierte in der Schweiz beim Aufbau von Coworking-Zentren begleitet: «Sie machen für uns die Knochenarbeit, führen beispielsweise die Umfrage durch und helfen bei den Werbe- und Kommunikationsmassnahmen», erklärt Bettina Leiggener. In Büren sind die geeigneten Räumlichkeiten bereits bestimmt. «Diese würden ganz in der Nähe des Gemeindehauses entstehen», ergänzt die Gemeinderätin.

In Grenchen öffnete bereits im Mai 2017 der erste Coworking Space seine Türen. An insgesamt elf Arbeitsplätzen konnten Jungunternehmer ihre Projekte lancieren und sich mit anderen Unternehmern austauschen. Dies zu günstigen Tarifen: So kostete ein Arbeitsplatz mit WLAN und Zugang zu den Sitzungszimmern monatlich rund 125 Franken. Eine vergleichsweise günstige Miete an zentraler Lage im Stadtzentrum. An der ehemaligen Credit-Suisse-Filiale beim Marktplatz wurden vorerst die Türen regelrecht eingerannt. Von Beginn an war jedoch klar, dass es beim Coworking Space Grenchen um einen Test und um eine Zwischennutzung handelte- Eine Verlängerung über den Juli 2018 kam wegen des auslaufenden Mietvertrages mit der CS nicht in Frage. Der Raum im Gebäude steht heute wieder leer. Die diversen Coworking-Mieter hatten unterschiedliche Erfolge aufzuweisen, die Testphase hatte sich jedoch definitiv gelohnt.