Bettlach
18.11.2020

Von einem (Sammler-)Objekt zum andern

Heinz Tschanz kontrolliert in seinem selbst gebauten Milchkasten, ob nicht wieder ein Sammelobjekt eingetroffen ist.

Heinz Tschanz kontrolliert in seinem selbst gebauten Milchkasten, ob nicht wieder ein Sammelobjekt eingetroffen ist.

Das Prunkstück im Haus von Heinz Tschanz ist das Legozimmer; aber auch die Modelleisenbahn-Anlage im Keller fasziniert. Überhaupt gibt es im Einfamilienhaus in Bettlach kaum noch einen freien Platz.

Von: Daniel Martiny

Was sammelt nun Heinz Tschanz eigentlich genau? Sind es Modelleisenbahnen, Lego-Sätze, Kugelschreiber, Disney-Taschenbücher, oder doch eher Kaffeerahmdeckeli, Briefmarken, Modelllastwagen und diverse Gegenstände aus seinen Lieblingsthemen «Harry Potter» und «Star Wars»? Der Besucher weiss kaum, wohin er seinen Blick richten soll, wenn er in Bettlach das Einfamilienhaus von Heinz und Edith Tschanz betritt. Von den acht Zimmern sind einzig das Schlafzimmer, das Bad und die Küche «befreit» von irgendwelchen Sammlerobjekten. Oder doch nicht? Ist da nicht auch das Geschirr speziell, sind die Kleider und T-Shirts von Heinz Tschanz ebenfalls mit Lokomotiv-Logos bedruckt?

Der nächste Traum soll Realität werden
Einen freien Platz gibt es noch, allerdings hinter dem Haus. «Mein Traum ist es, im Garten eine Eisenbahn-Aussenanlage der Spur 1 zu bauen.» Somit wäre auch diese Frage erledigt und es geht in den Keller zu Märklin-Modelleisenbahn, die der 67-Jährige stolz vorführt. 3-mal 6 Meter Durchmesser würden nicht ausreichen, um all die Ideen von Heinz Tschanz zu verwirklichen. Kein Problem: «Da habe ich die Anlage halt doppelstöckig gebaut.» Zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls vom Sammlervirus befallen ist, zog Heinz Tschanz 2007 in das Haus in Bettlach ein. «Wir benötigten drei Monate für den Umbau. Die Anlage im Untergeschoss forderte von uns ein Jahr Arbeit – täglich mehrere Stunden.» Bereits sein Vater sei ein Eisenbahn-Fanatiker gewesen. Er habe seinen eigenen «Buebetraum» verwirklichen können, indem er vor gut 20 Jahren damit angefangen habe, Eisenbahnen zu sammeln. Kleine Städte entstanden, ebenso wie ein Feriendorf auf einem virtuellen Berg. Alles hat er in Kleinstarbeit stundenlang zusammengebaut. «Die Eisenbahnanlage allein kostete mich rund 20000 Franken», verdeutlicht der Pensionär auch den finanziell grossen Aufwand. Er selber arbeitete als Schienentraktor-Führer und als Chauffeur in Biel.

Die Faszination LEGO
Nur bei der Modelleisenbahn sollte es nicht bleiben. «Ich bin ein absoluter Lego-Fanatiker». Im Obergeschoss befindet sich der grösste Raum und wurde für die Legosteine reserviert. Da gibt es einiges zu bestaunen: Grosse Kräne, Lastwagen, Autos, Eisenbahnen, Schiffe, Raumschiffe oder Figuren und Requisiten aus «Harry Potter»- und «Star Wars»-Filmen. «Das ist meine grosse Leidenschaft. Und darum habe ich in diese Sammlung rund 40000 Franken investiert», sagt Heinz Tschanz. Der grösste Teil der erforderlichen Bausteine bestelle er im Internet aus Deutschland. Um sich entsprechend zu inspirieren, habe er mehrfach den Freizeitpark «Lego-Land» besucht. Eigentlich hätte der 67-jährige Sammler noch einige Ideen, obschon im Haus quasi schon alles vorhanden ist. Im Treppenhaus gibt es Vitrinen, in denen Hunderte verschiedene Kugelschreiber ausgestellt sind, Modelllastwagen aus aller Welt, – fast 300 Stück zieren die Wände. Und wem das nicht genug ist: Der Durchgang vom Wohnzimmer in die Küche ist zugemauert. Grund dafür: Sämtliche Donald Duck-Taschenbücher der letzten 50 Jahre ergeben ein ganz spezielles Wand-Dekor. «Ich bereue meine Sammel-Leidenschaft keine Sekunde», sagt Tschanz glaubhaft. Und doch: Neuerdings schwebt seiner Frau eine ganz neue Idee vor: «Sie möchte nach ihrer Pensionierung auf die Kanareninsel Lanzarote auswandern. Für mich, und nach einem erlittenen Hirnschlag, würde der Klimawechsel gut tun.  Eine schlechte Idee wäre das nicht.» Doch schon nimmt die Sammler-Leidenschaft wieder Überhand. Er stellt sich nicht die Frage, wer die Sammlung in diesem Fall übernehmen könnte, sondern wie er sie nach Spanien transportieren soll. «Einmal Sammler, immer Sammler. Ich würde es genau gleich wieder tun.»

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