Pieterlen
13.01.2021

«Wir haben mindestens vier Einzigartigkeiten»

Beat Rüfli, Gemeindepräsident von Pieterlen.

Beat Rüfli, Gemeindepräsident von Pieterlen.

Sie liegen unweit von der Solothurner Grenze entfernt; gehören politisch zum Kanton Bern und fühlen sich in der Regel gleichermassen den beiden Kantonen zugetan: sowohl in gesellschaftlicher wie auch wirtschaftlicher Beziehung. Wir sprechen von Leuzigen, Arch, Rüti bei Büren, Büren an der Aare, Meinisberg, Lengnau, Pieterlen und Romont. Wir setzen die Serie mit der Befragung der Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten fort, und fragen, was sie im Moment bewegt und was ihre Gemeinde ganz besonders auszeichnet. Heute: Beat Rüfli, Gemeindepräsident von Pieterlen.

Von: Joseph Weibel

Seit wann sind Sie in der Politik aktiv und was war einst Ihre Motivation, in die Politik einzusteigen?

Die Politik hat mich zwar immer interessiert und ich erwachte sie als wichtig und wertvoll für die Sicherheit und den Erfolg unseres Rechtsstaates. Bevor ich meine eigene Firma gründete, hatte ich als Geschäftsführer der Bielersee Schifffahrt sehr eng und gut mit den kommunalen und kantonalen Behörden im Kanton Bern zusammengearbeitet, als wir in dieser Zeit das Unternehmen reorganisiert und saniert haben. Die FDP hat mich immer wieder angefragt, ob ich nicht in die Politik einsteigen möchte, was ich dann im Jahre 2015 auch tat und direkt als Gemeinderat resp. Gemeindepräsident gewählt wurde. Die Motivation zu politisieren war allerdings in erster Linie in unserem schönen Dorf etwas zu bewegen und an der Entwicklung von Pieterlen mitwirken zu dürfen. Als gebürtiger Lengnauer, aber in Pieterlen geboren und aufgewachsen, wollte ich meiner Heimat auch etwas zurückgeben.

Was war kürzlich Ihr Aufsteller?

Ich, der Gemeinderat und die Verwaltung haben über die Festtage viele, schöne und Wertschätzungen durch Schreiben, Mails oder in persönlichen Gesprächen zu unserer Arbeit und der Unterstützung für die BürgerInnen, verbunden mit der Covid-Pandemie erhalten. Das freut mich sehr und gibt Energie dranzubleiben.

Was beschäftigt die Gemeinde derzeit (ausser der Corona-Krise)?

Das unglaubliche Wachstum von Pieterlen mit über 1000 Personen in den letzten zehn Jahren, stellt uns vor grosse Herausforderungen in Bezug auf Investitionskosten für Infrastruktur von Schule und Verwaltung, Bedarf an zusätzlichen Sport- und Vereinslokalitäten, Begegnungsräume, Versorgung von Energie und Entsorgung. Die Bautätigkeit auf privaten Parzellen, auch von grösseren Überbauungen, hält weiter an, das Budget 2021 ist zusätzlich mit der Pandemie-Situation belastet. Der Finanzplan 2021 bis 2025 basiert auf einer sehr schwierigen Planperiode mit grossen finanziellen und strukturellen Herausforderungen.

Welche erschwerten Arbeitsbedingungen herrschen auf der Verwaltung wegen der Corona-Krise?

Bei Beginn der Pandemie im März 2020 wurde der Corona-Gemeindeführungsstab eingesetzt, welcher für die Geschäftsleitung und den Gemeinderat arbeitet und die aktuelle Lage beurteilt resp. Empfehlungen abgibt. Der Schutz von Bevölkerung und Mitarbeitenden steht an erster Stelle, aber auch die Sicherstellung der Dienstleistungen für die Bevölkerung. Wir setzen die Covid-19-Schutzbestimmungen konsequent um, arbeiten in verschiedenen Teams, setzen Home-Office um, wo möglich und sinnvoll und haben die Schalteröffnungszeiten reduziert, um die physischen Kontakte zu minimieren.

Werden Sie von Teilen der Bevölkerung kontaktiert, die bei Ihnen Rat suchen, um mit der momentan schwierigen Zeit klarzukommen?

Nicht nur in Krisen ist uns der persönliche Kontakt und eine gute Kommunikation mit der Bevölkerung und dem Gewerbe wichtig. Wir pflegen einen direkten und unkomplizierten Umgang, besonders in dieser schwierigen Zeit wollen wir für die Bevölkerung da sein und kommunizieren über die Website, mit Flugblätter oder Schreiben in alle Haushaltungen, Videobotschaften oder auch freiwilligen HelferInnen, welche zum Beispiel Einkäufe oder andere Besorgungen für Bedürftige tätigen. Bisher hat mich noch niemand direkt kontaktiert, aber selbstverständlich bin ich offen für Anliegen. Dafür nehme ich mit jeweils am Mittwochnachmittag Zeit.

Wenn Sie in einem Kurzreferat Werbung machen müssten für die Gemeinde Pieterlen: Welche Vorzüge würden Sie Ihrem Referat voranstellen?

Pieterlen liegt herrlich eingebettet an der Sprachgrenze zwischen Jurasüdfuss und Büttenberg an der renaturierten Leugene mitten in einem Naherholungsgebiet. Bestens erschlossen mit dem öffentlichen Verkehr und Autobahnanschluss bieten wir attraktiven Wohn- und Arbeitsraum mit einer guten Infrastruktur und hoher Lebensqualität.

Gewerbe und Industrie schätzen Pieterlen als Entwicklungsstandort mit Potential, Paare und Singles die Nähe zu Biel und Grenchen/Solothurn und Familien die Kindertagesstätte LUNA sowie die Tagesschule. Pieterlen ist mit einem umfassenden Schulangebot von Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe I ein attraktiver Wohnort für Gross und Klein.

Für unsere ältere Bevölkerung bieten wir altersgerechten Wohnraum in der Überbauung «Bonacasa» am Mattenweg, den Seniorenwohnungen am Dorfplatz und im «Schlössli - Haus für Betagte». Die ärztliche Grundversorgung wird vom Ärztezentrum Pieterlen sichergestellt. Pieterlen pflegt ein reges Dorf- und Vereinsleben! Wir fördern aktiv das Freizeit- und Kulturangebot in der Gemeinde.

Gibt es einen USP, der Pieterlen auf irgendeine Weise einzigartig macht?

Wir haben mindestens vier Einzigartigkeiten: Erstens die schönste und auch einzige «Altstadt» am Jurasüdfuss zwischen Biel und Solothurn mit einem Dorfkern und Häusern aus dem 17. Jahrhundert. Zweitens den Burgsee mit Wasserrand, die Burganlage stammt aus dem Hochmittelalter und war vermutlich von den Herren von Pieterlen bewohnt. Drittens das «Gygerstüdeli oder Gigetstüdeli», hoch oben in der Westerfluh befindet sich ein spektakulärer Picknickplatz und Aussichtspunkt mit einem Panorama vom Dorf zu den drei Juraseen bis hin zum schneebedeckten Gipfelkranz der Alpen. Viertens Pieterlen hat im Gebiet der Kirche und Kirchfluh den grössten Buchsbestand von Europa.

Fühlen sich die Einwohner von Pieterlen mehr dem Solothurnischen zugetan, oder mehr dem Bernischen?

Wir sind eine bernische Einwohnergemeinde, besuchen aber immer wieder gerne zum Einkaufen, Geniessen oder Verreisen Grenchen und Solothurn.

Hat Pieterlen Ihrer Meinung nach ein gut funktionierendes Gewerbe?

Ja, auf jeden Fall. Das lokale Gewerbe kann sich in Zeiten von verändertem Konsumverhalten und der Nähe zu Biel behaupten und sogar zulegen. Wir haben einen guten KMU-Mix von Handwerkern, Produktions-, Handels- und Dienstleistungsbetrieben, Landwirtschaft und zahlreichen Hofläden aus frischer, lokaler Produktion, eine Mikro-Bierbrauerei. Trotz Krisen-zeit wurde im November sogar ein einzigartiges Café&Lädeli-Konzept eröffnet.

Gilt das auch für die Abdeckung des täglichen Bedarfs (Detailhandelsgeschäfte)?

Wir sind stolz, dass nach 15 Jahre Coop zurück nach Pieterlen kam und im ehemaligen Standort vor sechs Monaten einen neuen Laden wiedereröffnete, daneben ist Denner und Volg in Pieterlen vertreten, ab 25. Januar 2021 wird dort die neue Post-Filiale mit Partner eröffnet.

Es freut uns, dass für die Traditionsbäckerei Schneider nach 40 Jahren, eine Nachfolgelösung mit der Gassler AG, Grenchen gefunden werden konnte und die Pieterler nach wie vor Frischgebackenes geniessen dürfen.

Was halten Sie vom Online-Handel?

Die heutige Gesellschaft und das veränderte Kundenverhalten macht den Online-Handel so erfolgreich. Die Corona-Krise trägt dazu bei, dass dieser Vertriebskanal so oft wie nie zuvor genutzt wird. Ich persönlich, bestelle nur wenig und gezielt Produkte darüber. Das reale Einkaufserlebnis, die persönliche Beratung im Fachgeschäft und die langjährige Beziehung mit lokalen Produzenten und dem Gewerbe wird der Online-Handel nie ersetzen. Darum berücksichtige ich, wenn immer möglich, das Pieterler Gewerbe. Ich rufe alle BürgerInnen dazu auf, dies auch zu tun, nur so können wir den Fortbestand unseres Gewerbes sicherstellen. Pieterlen: gemeinsam stark!

Nennen Sie zum Abschluss je drei Wünsche, die Sie von der guten Fee für die Gemeinde erfüllt haben möchten, und ganz persönlich für Sie?

Pieterlen ist mit maximal 5500 Einwohner «fertig gebaut», welche in gutem Einvernehmen und einer hohen Arbeits- und Lebensqualität, gesund zusammenleben. Kultur- und Vereinsleben findet wieder wie vorher statt, wir verfügen dafür über genügend und guter Infrastruktur, Treffen, Umarmungen und soziale Kontakte bereichern wieder uns schönes Dorf, die Krise ist überwunden und Covid-19 «besiegt»!

 

Beat Rüfli

Geburtsdatum: 16. März 1961

Zivilstand: verheiratet

Beruf: Kaufmann/selbstständigIm Amt seit: 2016

Parteizugehörigkeit: FDP

Hobbies: Sport, Wellness, Wandern, Musik, Lesen und Tanzen