Solothurn/Grenchen
17.02.2021

Schluss mit lustig

Gefällt den Solothurnern nicht, der Postplatz im Westen der Hauptstadt. Lustige Narren möchten ihn deshalb Grenchenplatz nennen. So was von nicht lustig.

Gefällt den Solothurnern nicht, der Postplatz im Westen der Hauptstadt. Lustige Narren möchten ihn deshalb Grenchenplatz nennen. So was von nicht lustig.

An der Fasnacht ist es gewöhnlich am schlimmsten: Die Stadtsolothurner finden dann die Grenchner ganz besonders lustig. Die träfen Sprüche sind aber manchmal alles andere als lustig. Die Grenchnerinnen und Grenchner fühlen sich – auch ausserhalb der närrischen Zeit – nicht immer ernst genommen, auch politisch nicht. Und mancheine oder mancheiner denkt sich: Nun ist Schluss mit lustig.

Von: Joseph Weibel

Ist das lustig? Die fasnächtliche Cliqué der Heiri-Post aus Solothurn hat eine Petition lanciert. Sie fordert darin die Stadt Solothurn auf, dem ihrer Meinung nach desolat gestalteten Postplatz im Westen der Stadt wenigstens einen würdigen Namen zu geben. Ihr Vorschlag wäre: Grenchenplatz. Sehr lustig ist das nicht. Auch zu fasnächtlichen Zeiten.

Was denkt sich dabei Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri? «Ausserhalb der Fasnacht erlebe ich keine ‹Attacken› gegen Grenchen, weder aus Solothurn noch aus einer anderen Gegend unseres Kantons.» Er habe übrigens durchaus Verständnis, sagt Kurt Fluri, dass Grenchen aufgrund seiner geographischen Lage sich immer wieder in Erinnerung rufe. «Und das zu Recht, denn diese Stadt ist unter allen Titeln wichtig für unseren Kanton.»

Das denken wir uns auch und vermissen dann wieder diese Wichtigkeit, wenn die Kantonsregierung COVID19-Impfzentren verteilt. Da ging Grenchen bekanntlich (bisher) leer aus. Was meint Stadtpräsident Fluri dazu: «Dass Grenchen und seine Agglomeration mit ihrer grossen Bevölkerung ein Impfzentrum fordern, kann ich verstehen. Sie möchten ihren Mitmenschen einen optimalen Service bieten, das ist ihre Aufgabe.» Als Stadtsolothurner wolle er aber die monierte schlechte Erreichbarkeit der Reithalle in Solothurn relativieren. Immerhin sei neben der guten Strassenanbindung für den Individualverkehr auch der öffentliche Verkehr mit einer Bahnhaltestelle, eine Haltestelle für Postauto sowie eine Bushaltestelle für drei Buslinien, unmittelbar daneben, gut abgedeckt. Stimmt. Allerdings, dass die zweitgrösste Stadt im Kanton einen Anspruch erheben muss, auch.

Und doch haben wir irgendwie das Gefühl, dass Grenchen das eine oder andere Mal bei Begehren auf taube Ohren stösst oder noch schlimmer: nicht ernst genommen wird. Dem Solothurner Stadtpräsidenten ist keine Reise in die westliche Nachbarstadt zuwider. Ihn verbinden durchaus sehr schöne und positive Erinnerungen und Erlebnisse mit der Uhrenstadt. «Schon als Schüler fuhr ich ab und zu mit dem Velo an einem Samstagnachmittag an einen Fussballmatch im ‹Brühl› und an den Uhrencup.» Später habe er mit seinen Kollegen nach dem Match den «Rebstock» mit einer Auswahl von 30 Biersorten, oder das «Schirmflicker-Casino», eine Spunte an der Löwen-Kreuzung, im Visier gehabt. In der Kantizeit habe er viele gleichaltrige Grenchner kennengelernt, mit denen ihn heute noch freundschaftliche Bande verbinden würden.

Beim Solothurner Stadtpräsidenten sind jedenfalls keine Antipathie-Gefühle gegenüber der Stadt Grenchen zu spüren. Nach wie vor nicht lustig finden wir die Petition des Post-Heiri. Oder doch? Im Gegensatz zur Petition für ein Impfzentrum in Grenchen verläuft die digitale Unterschriftensammlung recht harzig. Das wiederum finden wir lustig!

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