Grenchen
06.10.2021

«Es geht mir wieder viel besser»

Über 100 interessierte Besucher haben an der Waldbegehung teilgenommen.

Über 100 interessierte Besucher haben an der Waldbegehung teilgenommen.

«Darf ich mich vorstellen? Ich bin eine stattliche Buche und stehe unmittelbar neben der Holzerhütte am Fuss des Grenchenberges. In letzter Zeit habe ich so einiges erlebt. Nun durfte ich erneut hohen Besuch aus der Bürgergemeinde Grenchen empfangen.»

Von: Daniel Martiny (Text und Fotos)

«Stellen Sie sich vor, die Bürgergemeinde Grenchen hat bereits zum 27. Mal zur Waldbegehung eingeladen, und ich stand immer mittendrin. Nebst mir hat auch Förster Patrik Mosimann seine 27.Waldbegehung miterlebt, die er bei der Grenchner Bürgergemeinde leistete. Und glauben Sie mir, wir beide haben da schon einiges mitgemacht. Mir ging es in den vergangenen Jahren nicht besonders gut. Waren die drei vorhergehenden Jahre zu trocken, war es diesen Sommer quasi zu nass. Und doch: Ich konnte mich aktuell etwas erholen und musste kaum an Durst leiden. Darum ist meine Baumkrone auch noch ziemlich grün und kaum schon gelb gefärbt, doch das wird sich in den nächsten vierzehn Tagen ändern.»

Klimawandel und Neophyten

«Von der aktuellen Pandemie habe ich nicht viel gemerkt. Im Gegenteil: Ich und all meine Verwandten und Freunde wie die Weiss- und die Rottannen hatten in den letzten Monaten viel Besuch. Die Leute lieben Waldspaziergänge in der aktuellen Zeit. Und schauen Sie mal heute: Über 100 Gäste sind gekommen, um unsere Probleme zu vernehmen und uns sogar zu helfen. Nach dem Sturm Burglind vor fast vier Jahren hatten wir schwierige Jahre mit grosser Trockenheit zu bewältigen. Der grosse Regen und die kühlen Temperaturen haben uns nun endlich eine Verschnaufpause gewährt. Auch die Probleme mit den Borkenkäfern und anderem Ungeziefer waren nicht mehr derart gravierend. Dies weiss auch Kantonsoberförster Rolf Manser, der uns ebenfalls beehrt hat. Förster Patrik Mosimann hat vielmehr auf andere dringliche Probleme aufmerksam gemacht, die man nun zu lösen versucht: Nebst dem Klimawandel geht es dabei vorab um Neophyten, die uns allen grosse Bauchschmerzen verursachen. Japanischer Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut, Riesenbärenklau oder Kirschlorbeer gehören nicht in unseren Wald. Zum Glück helfen uns alle Besucher, diese Neophyten zu bekämpfen. Man bekommt die Angelegenheit immer besser in den Griff. Die einzig wahre Hilfe mit Blick auf den Klimawandel ist darum die Bewirtschaftung mit dem Dauerwald.»

«Lasst uns nicht im Stich!»

«Unbegreiflich für mich, dass ich immer wieder sehen muss, wie im Wald die illegale Abfallentsorgung zugenommen hat. Meine Gäste werden bestimmt keinen Abfall hinterlassen. Sie sind nun unterwegs zum Ittenberg, zuhinterst im ‹Hufeisen›. Dort zeigen Forstunternehmungen moderne Holzernte­maschinen. Auch wenn der Holzpreis stark im Steigen begriffen ist, sollen sie bleiben, wo sie sind und mich vorläufig mit ihren modernen Maschinen in Ruhe lassen. Meine Zeit wird schon noch irgendwann kommen. Ich möchte einfach weiter für euch alle da sein, meinen Schatten spenden, saubere Luft verbreiten und für eine wohlige Atmosphäre sorgen. Helft mir doch am besten dabei und behandelt mich und all meine Familienmitglieder und Freunde weiterhin respektvoll.»