Grenchen
17.11.2021

Er interpretiert gerne alte Gerichte neu

Der Chefkoch vom Parktheater, Christian Meffle, in seinem Reich mit dampfenden Töpfen. Bild: Joseph Weibel

Der Chefkoch vom Parktheater, Christian Meffle, in seinem Reich mit dampfenden Töpfen. Bild: Joseph Weibel

Wer schaut denn da mit einem freundlichen Gesicht aus der grossen Küche? Es ist Christian Meffle (37), seit gut anderthalb Jahren Chefkoch im Grenchner Parktheater. Meffle stammt urpsrünglich aus dem Schwabenland, rund eine halbe Stunde entfernt von Stuttgart. Seine Heimat hat er 2006 verlassen, um ein «paar Saisons» in der Schweiz zu verbringen – und ist «hängen geblieben».

Von: Joseph Weibel

Bei unserem Besuch im Grenchner Parktheater stehen die Wärmebehälter für die Stiftung Rodania bereit. Täglich liefert die «Park»-Küche 100 Mahlzeiten an die Stiftung für Schwerbehinderte. Deshalb dampfen die Kochtöpfe schon früh in der grossen Küche, «mit einer sehr guten Infrastruktur», lobt Chefkoch Christian Meffle seine Arbeitsstätte, die er vor gut anderthalb Jahren mit der Sport Gastro AG in Bern getauscht hat.

Christian Meffle kennt sich mit grossen Küchen aus. Gelernt hatte der heute 37-jährige Koch im Hotel Renaissance (Marriott-Kette) in Karlsruhe. 2006 zog er in die Schweiz, um Neues zu lernen und absolvierte hier auch erfolgreich den Abschluss als Chefkoch. Er war unter anderem im Schlosshotel Thun, das er als Küchenchef mit aufgebaut hatte, oder eine Zeit lang arbeitete er im Nobelferienort Gstaad. Und zuletzt flogen ihm die Pucks um die Ohren – natürlich nur sinnbildlich gemeint. Er war Chefkoch bei der Sport Gastro AG im Eisstadion Allmend in Bern.

Und plötzlich ist er in Grenchen

Und plötzlich steht er in der Küche des Grenchner Parktheaters. Wie kam das? «Ganz einfach», sagt er, «ich habe die Stelle des Chefkochs ausgeschrieben gesehen und mich gemeldet.» Mit Erfolg, wie wir sehen. So richtig auf Touren kam er zu Beginn natürlich nicht. «Die Corona-Krise kam dazwischen», und dabei macht er ein ernstes Gesicht. Nein. Das war in der Tat wenig lustig.

Umso mehr ist er, seit die Restaurants wieder geöffnet sind, umso motivierter. Nun kann er auch mal seine Kreativi-tät wieder vermehrt wirken lassen.Was ist seine Philosophie? «Ich koche gerne auf einem sehr guten Niveau, das gerne in Richtung Gourmet gehen darf, aber unter dem Strich boden-ständig sein muss.» Das heisst? Zum Beispiel ein ­leckeres Cordon bleu, Kalbsleber an ­einer schönen Sauce oder – vor allem in der wärmeren Jahreszeit – ein frisch zubereitetes Tatar. Frische Zubereitung ist ihm das Wichtigste. «Man muss im Gaumen spüren, dass hier frisch gekocht wird.» Er interpretiert gerne alte Gerichte neu und setzt dafür das Niedergaren ein. Über Nacht schmort das Kalbsbäckchen oder die Haxe, die später mit einer Granicum-Biersauce verfeinert wird. Wir kriegen Hunger. Tönt doch lecker!

Bald Weihnächtliches im «Park»

Zwischenzeitlich hat sich die gute Küche vom «Park» herumgesprochen. Und so werden an einem Wochenende (Freitag, Samstag) schon mal 60 bis 80 A-la-carte-Menüs aus der Küche geschickt. In diesen Tagen wechselt die Karte auf weihnächtliche Gerichte. Man riecht dann aus der Küche vertrauliches: Zimt, Nelken und Zitrusfrüchte, die etwa in Saucen verarbeitet werden.

Chefkoch Christian Meffle wohnt heute mit seiner Frau in Wengi bei Büren – seit zwei Jahren im eigenen Einfamilienhaus. Es macht den Anschein, als wolle er noch eine längere Zeit in der Gegend bleiben.