Grenchen
13.05.2019

Viel Grün, viel Herz und sehr familiär

Rolf Vogt ist Präsident des Grenchner Familien- gartenvereins.Bei der Gestaltung der Familiengärten sind keine Grenzen gesetzt.Selbstversorger: Mitte Mai ist noch nicht mit Erträgen zu rechnen.Der Salat hat noch Zeit, weiter zu wachsen.Auch ein Grillplatz gehört zu fast jedem Häuschen.Volle Blütenpracht in der «Grünen Lunge» von Grenchen.

Rolf Vogt ist Präsident des Grenchner Familien- gartenvereins.

Bei der Gestaltung der Familiengärten sind keine Grenzen gesetzt.

Selbstversorger: Mitte Mai ist noch nicht mit Erträgen zu rechnen.

Der Salat hat noch Zeit, weiter zu wachsen.

Auch ein Grillplatz gehört zu fast jedem Häuschen.

Volle Blütenpracht in der «Grünen Lunge» von Grenchen.

Die Familiengärten der Stadt Grenchen gehören zu den schönsten der ganzen Schweiz. Seit nunmehr 40 Jahren geben die Anlagen die Möglichkeit zur aktiven Freizeitgestaltung und zum Eigenanbau von gesunden Gartenprodukten. In Grenchen sind die knapp 200 Parzellen seit Jahren ausgebucht.

Daniel Martiny (Text und Fotos)

Viele Stadtmenschen haben heutzutage in ihrem Umfeld keinen direkten Zugang mehr zu Grünzonen. Die Familiengärten-Anlagen üben nicht nur darum ein unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge in unserer Stadt aus, es sind Grünanlagen, in denen auf sorgfältige und vielfältige Art und Weise das soziale Miteinander gelebt wird: Wir sind grün, mit viel Herz. Der Familiengartenverein Grenchen verwaltet seit 40 Jahren die knapp 200 Parzellen, die auch für die Stadt eine grosse Bedeutung besitzen. «Die Parzellen sind von der Gemeinde gepachtet. Wir leben Vereinsstrukturen mit Statuten, in denen vom neuen Gesuch, dem Kauf und dem Kontakt zur Bauverwaltung, alles integriert ist», sagt Präsident Rolf Vogt. «Die Parzellen mit den ‹Hüsli› werden nicht etwa gemietet, sondern gekauft», ergänzt Ex-Präsident Josef Marti. Der Vorstand wolle aber seit jeher wissen, wer neuer Besitzer werden will, es findet diesbezüglich stets ein Bewilligungsverfahren satt.

Die grüne Lunge einer Stadt

Sechsmal jährlich trifft man sich zu einer Vorstandssitzung, wo die aktuellen Mitglieder die nötigen Entscheide treffen. An der jährlichen Generalversammlung sind jeweils bis zu 150 Personen anwesend. «Die Bedeutung der Familiengärten habe im urbanen Raum kontinuierlich zugenommen», weiss Rolf Vogt. Aus Orten der Selbstversorgung und der Freizeitgestaltung seien unverzichtbare Grünflächen geworden. «Unsere Familiengartenareale sind die grünen Lungen einer Stadt und gehören in dieser Funktion in die Stadtentwicklung.» Familiengartenvereine würden mit ihren Projekten in den Bereichen Natur- und Umwelterziehung von Kindern und für die Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund einen wichtigen Beitrag für das soziale Miteinander leisten. Der Familiengartenverein Grenchen zeigt nicht nur eine starke innere soziale Kultur. «Wir pflegen ausgeprägte und dauerhafte Verbindungen und gemeinsame Aktivitäten in der Umgebung.» So erzählt Rolf Vogt, dass Grenchen beispielsweise in der Bieler Gruppe zusammen mit Pieterlen und Lyss zusammenarbeitet und regen Erfahrungsaustausch hegt. Zudem sei man als einziger Solothurner Verein dem Schweizerischen Gärtnerverband angeschlossen.

Biodiversität ist wichtig

Zwar kann jeder Parzellen-Besitzer eigentlich anpflanzen, wozu er gerade Lust und Laune hat, doch der Verein schaut nicht tatenlos zu. So führt der Präsident mit seinen Vorstandskollegen immer wieder Begehungen durch. «Wir lassen nicht alles durch, diverse Altlasten müssen abgebaut werden», sagt Vogt. Er meint damit z.B. etwa die zu hohen Bäume oder Tannen, die je nach Grösse und Platzverhältnissen abgeholzt werden müssen. «Wir tragen als Gesellschaft eine ethische und moralische Verantwortung, und darum messen wir auch der Biodiversität eine grosse Bedeutung zu.» Biodiversität ist die Grundlage für die Gesundheit aller Lebewesen und Ökosysteme. Biodiversität ist auch das natürliche Erbe, welches man den zukünftigen Generationen zu hinterlassen schuldig ist. Die Familiengärten von Grenchen sind nicht nur grüne Erholungsräume für jene Menschen, die sich gerade dort aufhalten. Sie dienen Zwecken, die für die nahe Zukunft wichtig sind. Beim Familiengartenverein Grenchen hat in den letzten Jahren ein Wandel hin zu naturnahem Gärtnern stattgefunden. Die Pächter bewirtschaften ihre Parzellen mit ökologischen Methoden. So wird der respektvolle Umgang mit der Natur und das Verständnis für den Wert nicht menschlichen Lebens auch in eher bildungsferne Teile der Gesellschaft getragen. Verkannt wird dabei, dass die Verknüpfung gärtnerischer, ernährungspolitischer, ökonomischer, sozialer, künstlerischer und stadtgestalterischer Fragen in den Familiengartenvereinen seit langem zum festen Bestandteil geworden ist.

Geheimtyp: Das Restaurant

Wichtig, nicht nur für zusätzliche Vereinseinnahmen, ist auch das heimelige Garten-Restaurant. «Unsere Klubhauswirtin Sarah Jaggi-Grolimund übt ihren Job bereits seit zwölf Jahren aus, und unser Lokal hat sich zu einem regelrechten Geheimtyp gemausert.» Das gemütliche Restaurant in der Witi von Grenchen wartet, ausser am Dienstag, täglich mit diversen preisgünstigen Grillspezialitäten und Menüs auf. Die grosszügig ausgelegte Terrasse eignet sich ideal für allerlei Gartenfeste. Geniessen wir die aktuelle Saison, bis die Wasserleitungen wegen Frostgefahr im November entleert werden müssen und man sehnsüchtig auf den nächsten Frühling wartet.