Grenchen
03.07.2019

Die Stromversorger von Grenchen

Sie kümmern sich um die Strom-Anlagen Grenchens (v.l.): Quentin Dänzer, Reto Probst und Bruno Buchser. SWG)

Sie kümmern sich um die Strom-Anlagen Grenchens (v.l.): Quentin Dänzer, Reto Probst und Bruno Buchser. SWG)

Ein Leben ohne Strom? Undenkbar. Nur schon ein kurzer Stromunterbruch stürzt uns ins Elend. Nichts geht mehr: Computer, Fernseher, Kaffeemaschine, Kochherd, Backofen. Kurzum – die Zeit steht still. Für einen buchstäblich spannungsgeladenen Alltag sorgt das SWG-Team Netz und Anlagen Strom. Wir treffen Reto Probst, den stellvertretenden Leiter und Herr über rund 100 Trafostationen.

JOSEPH WEIBEL

Strom ist nicht jedermanns Sache. Und spielen sollte man schon gar nicht mit ihm. Alleine schon das Hantieren an einer Steckdose oder die Montage einer Lampe durch einen Laien kann böse Folgen haben. Reto Probst, Netzelektriker von Beruf, der auch an Mittel- und Niederspannungsleitungen arbeitet, ist sich dessen bewusst: «Angst ist ein schlechter Ratgeber. Aber den Respekt darf man nie verlieren.» Die Arbeit von Probst und seinem Team erfordert höchste Aufmerksamkeit, damit andere und sie selbst nicht gefährdet werden. Die Manipulation an einem falschen Schalter in den südlichen und nördlichen Haupteinspeisepunkten Brühl oder Schmelzi reicht aus, dass in der halben Stadt das Licht ausgeht.

Der lange Weg des Stroms

Bis der Strom zu Hause in die Steckdose gelangt, muss die Spannung um das 1000-fache (von 380000 Volt resp. 220000 Volt auf 400 resp. 230 Volt) reduziert werden. Das geschieht über unterschiedliche Netzebenen. Im Fall von Grenchen beginnt der Stromfluss vom Haupteinspeisepunkt «Brühl», welches aus dem vorgelagerten Netz der AEK gespiesen wird, gelangt weiter in Trafostationen und von dort auf Verteilkabinen und schliesslich in die Haushalte. Früher war Strom noch «sichtbarer», weil er durch so genannte Freileitungen floss. Heute sind die hiesigen Stromleitungen praktisch durchwegs im Boden verlegt. Freileitungen gibt es in Grenchen nur noch auf den Grenchenbergen.

Nichtalltägliche Projekte

Netzelektriker sind Spezialisten. Das insgesamt achtköpfige Strom-Team der SWG sorgt täglich für die Instandhaltung von Anlagen und Leitungen, saniert sie bei Bedarf und baut sie in Neubauten ein. Jedes Projekt birgt eigene Schwierigkeiten. Ende 2018 erstellten die «Strom-Musketiere» von Grenchen eine neue Transformatoren-Station in der Firma DePuy Synthes. Damit der Firmenbetrieb möglichst reibungslos weiterlaufen konnte, wurden grosse Teile der Arbeiten über die Feiertage ausgeführt. Gerade bei der Stromversorgung kann ein falscher Handgriff, der zum Beispiel Produktionsmaschinen vom Netz nimmt, rasch teuer werden. Die Verantwortung ist entsprechend gross. An der Hohlen- strasse, wo derzeit neue Wohnliegenschaften entstehen, wurde die oberirdische Trafostation durch eine unterirdische Unterflurstation ersetzt, um oberirdisch Platz zu schaffen. Es ist die erste Station dieser Art in Grenchen und erforderte in der Planung viel Know-how und eine zentimetergenaue Versenkung. «Eine unterirdische Station zu installieren, ist aufwändiger, in Folge des verdichteten Bauens könnte dies künftig vermehrt zur Anwendung kommen. Die oberirdischen Stationen werden aber Standard bleiben», erklärt Probst.

Schäden privat versichern

Langweilig wird es den Netztechnikern nie. So wie der Strom selber, müssen auch sie unter Hochspannung bleiben. Dazu gehören fünf zentrale Elemente: Arbeitssicherheit und Sicherheitsbekleidung, Arbeitsvorbereitung, gegenseitiges Vertrauen und striktes Einhalten des 4-Augen-Prinzips. «Wir sind uns der grossen Verantwortung bewusst und wissen selbst am besten, welchen Schaden eine einzige Falschmanipulation anrichten kann.» Stromausfälle, die ihre Ursache nicht unmittelbar vor Ort haben müssen, sondern überall auf dem Weg der Stromversorgung passieren können, sorgen je nach dem für Schäden an Geräten im Haushalt, zum Beispiel bei veralteten Installationen. Das kann schnell ins Geld gehen. Vielfach wird dabei vergessen, dass solche Schäden privat versichert werden müssen.

Achtung «Blackout»

Was eine einzige Unterbrechung, die durch einen Verbindungsfehler zustande gekommen ist, bewirken kann, zeigte jüngst der Blackout in Südamerika. 48 Millionen Menschen waren während 15 Stunden ohne Strom. Was passiert, wenn es in Grenchen in der südlichen Haupteinspeisung «Brühl» zu einem Totalschaden kommt? Dazu Reto Probst: «Dann wird die Stromversorgung auf die nördliche Haupteinspeisung Schmelzi umgeleitet.» Diese Umschaltung hätte dann auch «nur» einen ganz kurzen Unterbruch zur Folge. Meist unbemerkt.

Reto Probst arbeitet bereits seit elf Jahren bei der SWG. Die Freude an seiner verantwortungsvollen Arbeit ist kein Watt gewichen, um in der Energiesprache zu bleiben. Ihm gefalle die Selbständigkeit und das Mitspracherecht bei der SWG, betont Reto Probst, der mit seiner Lebenspartnerin in Utzenstorf lebt. «In einem Eigenheim mit guter Stromversorgung», schmunzelt er. Strom braucht auch der Wohnwagen. Die beiden fahren damit gerne in europäische Urlaubsländer oder auch mal in ein verlängertes Wochenende. Seine Naturverbundenheit kommt nicht von ungefähr. Ursprünglich war der gebürtige Bellacher Forstwart.