Grenchen
10.07.2019

Coffre ouvert: Eine Erfolgsgeschichte

Auf dem Grenchner Marktplatz lässt sich beim Wochenendeinkauf Kunst und Konsumation bestens verbinden.

Auf dem Grenchner Marktplatz lässt sich beim Wochenendeinkauf Kunst und Konsumation bestens verbinden.

Es ist zu einer beliebten Tradition geworden und lockt nicht nur Kunstinteressierte jeweils Anfang Juli auf den Marktplatz in Grenchen: Die inzwischen bereits neunte Austragung des Kunstmarktes «coffre ouvert» hat sich als Ereignis von nationaler Ausstrahlung etabliert und platzt bald aus allen Nähten.

Daniel Martiny (Text und foto)

Schreckminuten am vergangenen Samstag, als Petrus zur Eröffnung der 9. «coffre ouvert» die Schleusen über Grenchen öffnete und sich Gewitter näherten. Dies tat den Vorbereitungen der über 50 Aussteller jedoch kaum Abbruch. Belohnt wurde das Engagement der Kunstschaffenden aus der ganzen Schweiz trotzdem noch mit einem sonnigen Nachmittag. Die rekordverdächtige Anzahl Teilnehmer öffneten den Kofferraum ihres Autos und stellten ihre Kunstwerke zur Show. Ganz zur Freude auch von zahlreichen Grenchner Passanten, die beim Samstagseinkauf gerne einige Minuten stehen blieben, um die sich nicht alltäglich bietende Szenerie zu geniessen, auch wenn man eigentlich von Kunst wenig Verständnis und Interesse zeigt.

Eine ungezwungene Atmosphäre

«Coffre ouvert» hat allen Kunstinteressierten einmal mehr die Gelegenheit geboten, in einem breiten Angebot zu stöbern und damit Schwellenängste vor Türen zu Galerien oder Museen abzubauen. Wichtig war allen Ausstellern der direkte Kontakt nicht nur zu ihrer Klientel. «Warum gibt es das bei uns in Aarau nicht?», oder «könnte man etwas Ähnliches nicht auch bei uns in Zofingen aufbauen?». Möglich ist vieles, doch der ungezwungene, direkte Kontakt zu den Künstlern oder das unkomplizierte Gespräch mit den Sammlern und der Bevölkerung wird in Grenchen stets unvergleichlich bleiben. Die Veranstaltung wird trotz seiner Grösse von einer einzigartigen, friedlichen Stimmung geprägt. Immer wieder kommt es zu interessanten Gesprächen auch zwischen den Künstlern und den Besuchern. Da scheint nicht einmal ein möglicher Verkauf im Vordergrund zu stehen. Das Fachsimpeln steht an: Welche Gegenstände werden dieses Jahr erstmals ausgestellt? Welches Kunstwerk muss man unbedingt besichtigen? Wer ist mein neuer Nachbar? Woher kommt er, und welches Kunsthandwerk versteht er zu repräsentieren? Dieses Ungezwungene scheint denn auch tatsächlich das Erfolgsrezept zu sein. Die Kunstgesellschaft Grenchen lädt die Aussteller im Anschluss des Anlasses zu einem Gratis-Risotto-Essen ein. Neue Bekanntschaften werden dabei geknüpft. Einladungen zu weiteren Ausstellungen ausgesprochen. «coffre ouvert» ist damit in erster Linie auch als Plausch anzusehen. Eine richtige Erfolgsstory, die nächstes Jahr mit dem Zehn-Jahre-Jubiläum ihre Fortsetzung findet.