Grenchen
26.11.2019

Das Eseli ist beim Waldrand parkiert

Trotz seines jungen Alters ist Dominik Heiri aus Grenchen bereits ein erfahrener Samichlaus.

Trotz seines jungen Alters ist Dominik Heiri aus Grenchen bereits ein erfahrener Samichlaus.

In einer Woche werden die Grenchner Samichläuse von der Eusebiuskirche aus wieder auf ihre Mission geschickt, die Kinder in der Region zu besuchen und zu schauen, ob sie im letzten Jahr auch alle recht brav waren. Einer von ihnen ist der 21-jährige Dominik Heiri, der heuer bereits zum dritten Mal mit seinen zwei Dienern auf Samichlaus-Tour geht.

Stefan Kaiser (Text und bild)

Auf den ersten Blick sieht man Dominik Heiri den Samichlaus nicht an: Im glattrasierten Gesicht des 21-Jährigen fehlt jede Spur eines wallenden weissen Bartes, er trägt auch keine schwarzen Stiefel und nicht mal einen roten Wollpulli. Höchstens um die Nase herum vielleicht und um seine warmen braunen Augen schmunzelt einem etwas Samichläusisches entgegen. Denn Dominik Heiri ist tatsächlich einer der Grenchner Samichläuse, die jedes Jahr am 6. Dezember und den beiden Tagen danach mit je zwei Dienern ausschwärmen, um rund 100 Familien in der Region zu besuchen und den Kindern ein kleines Geschenk zu bringen.

Militärstiefel und fliegende Mitras

Dominik Heiri geht heuer sogar schon zum dritten Mal als Grenchner Samichlaus auf Tour. «Ich bin da reingerutscht», erklärt er, «und ich habe rasch gemerkt, dass mir das gefällt, und dass ich dafür geeignet bin.» Auch Dominiks Vater Theo ist ein Grenchner Samichlaus, und das bereits seit über 35 Jahren, und seine Mutter Bertha hilft ebenfalls seit Jahren in der Organisation der Grenchner Samichläuse mit. «Das und auch der Austausch mit den anderen Chläusen jeweils am Abend nach unseren Touren hilft mir natürlich sehr bei meinen Auftritten», hält Dominik Heiri fest. Ausserdem war er vorher bereits drei Jahre als Diener unterwegs. Die Kinder hätten allerdings auch grossen Respekt vor seiner Figur, «und ich trage extra auch schwarze Militärstiefel, denn das sorgt für einen imposanten Auftritt», lacht Heiri.

Dennoch: Verspürt er vor seinen Besuchen keine Nervosität? «Das legt sich spätestens nach der ersten Familie», beteuert Dominik Heiri, doch er erinnert sich an seinen allerersten Familienbesuch vor zwei Jahren: Damals spickte ihm die Mitra, die von einem Gummiband am Kopf hätte festgehalten werden sollen, auf einmal quer durch den ganzen Raum. «Das war nicht optimal», räumt er ein, «aber es war auch für die Kinder sehr lustig.» Die Mitra-Kontrolle gehöre jetzt zum wichtigen Check-Up, lacht Dominik Heiri und benützt einen Begriff aus der Aviatik, denn er befindet sich derzeit in einem Assessment zur Piloten-Ausbildung.

Ohne Freude geht nichts

Etwa zwei Stunden vor ihrer Tour treffen sich die Chläuse und Diener jeweils im Eusebiushof, kleiden sich ein und sprechen sich in den Teams ab. Die Sektoren und Routen werden jeweils vorher schon festgelegt. Etwa eine Woche vor den Besuchen bekommen sie die Familienblätter mit den Infos zu den Kindern. «Ich schreibe mir die Sachen in mein Chlausenbuch ab», sagt Dominik Heiri, und wenn möglich, vergleiche er sie mit Infos aus früheren Jahren. «Dadurch kann ich dann im Buch blättern, was die Kinder zusätzlich beeindruckt.» Er möchte einfach alles so gut wie möglich machen und auch die Zeit im Blick behalten, denn zwischen 17 und 21 Uhr stünden jeweils fünf bis sechs Familienbesuche an, und die Chläuse tragen keine Uhr – da kommen dann die Diener ins Spiel und geben geheime Zeichen.

«Das Wichtigste ist allerdings, dass wir Freude bringen, denn ohne die geht nichts», ist Dominik Heiri überzeugt, und diese Freude zu sehen sei ein schöner Lohn.

Geschenke und Geschichten

Und wie geht er mit scheuen oder verängstigten Kindern um? «Meist hilft eine Ablenkung. Man kann zum Beispiel das Geschenksäckli schon am Anfang geben, oder ich frage das Kind, was es gerne spielt oder ob es mir sein Zimmer zeigen will.» Hilfreich seien auch kleine Geschichten. «Ich habe zwei drei Büchlein mit Kindergeschichten, die ich im Eusebiushof anschaue, damit wir sie den Kindern erzählen können.»

Neben Chläusen, Dienern und unzähligen Helfern in der Organisation der Grenchner Samichläuse fehlt noch eine Hauptfigur: das Eseli. «Wir sind leider mit dem Auto unterwegs», lacht Dominik Heiri, «aber wir parkieren natürlich nicht gleich vor dem Haus der Familien. Und wenn die Kinder nach dem Eseli fragen, sagen wir jeweils: Das haben wir nicht in die Stadt heruntergenommen, sondern oben am Waldrand gelassen.»

Weitere Infos unter www.grenchnersamichlaus.ch.