Grenchen
26.11.2019

«Es gibt hier viele positiv eingestellte Menschen»

Dimitri Vasylyev, der neue Dirigent der Stadtmusik Grenchen, fühlt sich hier «absolut am richtigen Ort». zvg)

Dimitri Vasylyev, der neue Dirigent der Stadtmusik Grenchen, fühlt sich hier «absolut am richtigen Ort». zvg)

Die Stadtmusik Grenchen hat einen neuen Dirigenten. Dimitri Vasylyev wurde gut aufgenommen und hat bereits Auftritte mit der Stadtmusik geleitet. Vasylyev ist ein umgänglicher Mensch, doch er stellt auch einige Ansprüche an seine Stadtmusikanten und seinen Vize-Dirigenten.

Stefan Kaiser

«New Horizon», neuer Horizont: Unter diesem Motto steht das Jahreskonzert der Stadtmusik Grenchen, das am Samstag, 30. November im Parktheater über die Bühne geht. Das Motto nimmt Bezug auf den neuen Dirigenten. Dimitri Vasylyev leitet die Stadtmusik seit Mitte August und hat bereits erste Auftritte absolviert. «Alle meine Erwartungen wurden erfüllt, und bisher hat jede Probe Spass gemacht», hält Vasylyev fest, und dass er von den Stadtmusikanten sehr gut aufgenommen wurde. «Man merkt sofort, ob die Chemie stimmt und gute Kontakte entstehen», sagt er weiter. Und: «Es gibt hier viele freundliche und positiv eingestellte Menschen.»

Gutes Niveau zum Arbeiten

Gemäss Vereinspräsident Sven Schär sei Dimitri Vasylyev einer von drei Bewerbern für das Amt des Dirigenten gewesen, die zu einem Probedirigat eingeladen wurden. Dabei mussten die Anwärter je ein Stück aus dem Repertoire der Stadtmusik sowie ein neues einüben. «Und an der Mitgliederversammlung haben wir uns dann sehr deutlich für die Wahl von Dimitri Vasylyev entschieden», erklärte Schär auf Anfrage.

Er sei im «Unisono», der Fachzeitschrift des Schweizer Blasmusikverbands, auf das Inserat aus Grenchen aufmerksam geworden, und sei sofort interessiert gewesen, erinnert sich Dimitri Vasylyev. Die Stadtmusik Grenchen ist eine Blasmusik 2. Klasse, «und da kann ich ein gewisses Niveau voraussetzen, womit ich gut arbeiten kann», erklärt der neue Dirigent.

Fokus auf die Blasmusik

Der Schweizer Dimitri Vasylyev ist in der Ulkraine aufgewachsen und liess sich an der Nationalen Musikakademie P.I. Tschaikowski ausbilden. Später besuchte er die Europäische Mozart-Musikakademie und die Hochschule für Musik und Theater in Bern, und er spielte als Klarinetten-Solist in mehreren Orchestern mit. Dimitri Vasylyev lebt mit seiner Frau Svetlana Vasylyeva seit 2000 in der Schweiz. Er hat eine 22-jährige Tochter und einen 13-jährigen Sohn und wohnt heute in Biel.

«Ich bin jetzt mehr auf die Blasmusik fixiert», erklärt der 51-Jährige mit Blick auf seine derzeitigen Engagements. Von 2007 bis 2012 hat er beispielsweise die Solothurner Stadtmusik geleitet, und neben der Stadtmusik Grenchen dirigiert er heute auch die Harmoniemusik Burgdorf oder die Musikgesellschaft Mett-Madretsch. Wichtig seien ihm auch die jährlichen Projekte des Blasorchesters Vivace, das er seit zehn Jahren dirigiert, und wo aus Altersgründen ausgeschiedene Mitglieder der Berner Jugendmusiken eine neue Heimat finden. Schliesslich organisiert und leitet er gemeinsam mit seiner Frau Svetlana seit 2012 das Art Dialog Festival in Biel und holt in den Sparten Musik, Tanz und Theater weltbekannte Künstler in die Region.

Jung und breit aufgestellt

«In der Blasmusik bin ich offen für alle Sparten», erklärt Dimitri Vasylyev, «ich bewege mich seit 2004 in dieser Szene und weiss auch, was funktioniert und beim Publikum ankommt.» Wie viele Vereine sei auch die Stadtmusik Grenchen breit aufgestellt und decke das ganze Spektrum vom Marsch über konzertante Auftritte bis zur Unterhaltungsmusik ab. «Ich fühle mich hier wohl und absolut am richtigen Ort», betont Vasylyev. Ihm gefalle auch, dass in der Stadtmusik Grenchen relativ viele Junge mitwirken: «Ich schätze das sehr und das stimmt einen optimistisch für die Zukunft des Vereins.»

Die Proben hätten bisher alle seine Erwartungen erfüllt, es hätten sich gute Kontakte ergeben und die Leute seien motiviert. «Allgemein erwarte ich von Probenden immer ein Verständnis für meine und unsere Arbeit», erklärt Dimitri Vasylyev. Umgekehrt versuche auch er, den Erwartungen gerecht zu werden, denn schliesslich habe der Verein ja ihn ausgewählt. Und er ist sich bewusst, dass er als Leiter entscheidenden Einfluss auf die Motivation der Musikanten hat.

Auch der Vize muss ran

Bezüglich der Jahreskonzerte von Musikgesellschaften ist es Dimitri Vasylyev wichtig, dass immer mindestens ein Stück aus der Klassik vorgetragen wird. «Mit Klassikern lassen sich Basiswissen über Klangausgleich oder Rhythmus sowie die Spielkultur am besten erlernen», ist Vasylyev überzeugt, «und sie steigern eindeutig die Spielqualität. Klassiker sind ein Muss!» Ausserdem fände er es gut, wenn an Konzerten Solisten aus den eigenen Reihen auftreten, statt diese einzumieten. Am Jahreskonzert am Samstag spielt beispielsweise Manuel Werder das Klarinettensolo in «Ebony Fantasy». Und: Wann immer möglich, soll an den Jahreskonzerten auch einmal der Vize-Dirigent ran. «Es gibt kaum Vereine, wo dieser Posten wichtig wäre», räumt Dimitri Vasylyev ein, «aber ich finde trotzdem, dass mein Stellvertreter zumindest am Jahreskonzert auch ein Stück dirigieren sollte.» Der Vize-Dirigent der Stadtmusik Grenchen ist ebenfalls Manuel Werder, der im zweiten Teil des Programms «A Childhood Remembered» leiten wird.

Das Jahreskonzert der Stadtmusik Grenchen unter der Leitung von Dimitri Vasylyev findet am Samstag, 30. November um 20 Uhr im Parktheater statt. Der Eintritt ist frei (Kollekte). Restaurantbetrieb ab 18 Uhr, Tanz und Unterhaltung mit Peter Mutti.