Grenchen
06.01.2022

Die fünfte Jahreszeit findet kaum statt

Der «Coro-Narr» bleibt 2022 in Sicherheitshaft. Bild: zvg.

Der «Coro-Narr» bleibt 2022 in Sicherheitshaft. Bild: zvg.

Der Corona-Narr muss ein weiteres Jahr in «Sicherheitshaft» verbringen. Die Grenchner Fasnacht ist – abgesagt. Auch in Bettlach oder Selzach sieht es nicht besser aus.

Von: Daniel Martiny

Die Zuversicht war gross, nach der abgesagten Fasnacht 2021 das Versäumte in diesem Jahr nachzuholen. «Die Zünfte waren sehr fleissig, die Wagen für die Umzüge bereit und der Böögg bereits zusammengesetzt», weiss Selzachs neuer VFZ-Präsident Simon Hugi. Und so bleibt das letzte Selzacher Fasnachtsmotto «Weisch no 202.?» mindestens ein weiteres Jahr lang gültig. Nicht viel besser sieht es in Bettlach aus, wo man sich für einen definitiven Entscheid noch bis zum Monatsende Zeit gibt. Auch wenn auf der Website der «Krachwanzen» beispielsweise die «Höllefuhr» vom 25. Februar weiterhin beworben wird, macht Präsident Joel Cutrona niemandem Hoffnungen. «Es müsste schon ein Wunder geschehen und die momentane Situation müsste sich schlagartig ver­bessern. Umzüge wird es sicher keine geben. Vielleicht können einzelne Zünfte in kleinem Rahmen noch etwas auf die Beine stellen, damit wir nicht ganz auf unsere geliebte Fasnacht verzichten müssen.»

Grenchen hat entschieden

«Die Grenchner Fasnacht ist quasi abgesagt», erklärt Obernarr Patrick Meier auf Anfrage. An einer Sitzung im Zunftrestaurant Bambi wurde am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) offiziell erwogen, welche kurzfristigen Aktionen oder Anlässe überhaupt noch möglich sind. Auch der Hilari wird tendenziell eher ins Wasser fallen. Eventuell sei eine Schlüsselübergabe im Stadthaus in ganz kleinem Rahmen möglich, und sonst müsse der Stapi eben dieses Jahr Überstunden leisten und könne nicht in den Urlaub. Ein 2G-Regime für Zünfte und Guggenmusiken sei auf jeden Fall laut dem Grenchner Obernarr kaum praktikabel. Keine Hilari-Stapi-Absetzung, keine Chesslete, kein Kinderumzug, keine Proklamation, keine Guggen-Schnitzelbank-Beizen-Tour, keine Altersfasnachten, kein Umzug, kein Kinderball, kein Böögg. Das ist für alle Narren absolut hart. Zu hoffen bleibt, dass in kleinsten Kreisen trotzdem etwas Stimmung aufkommen wird, dass die Grenchner Schaufenster wie 2021 wenigstens fasnächtlich dekoriert werden. Was bleibt, ist die Grenchner Gosche. Gemäss Ehren-Obernarr und Autor Heinz Westreicher soll die Gosche-Fasnachtszeitung erscheinen und termingerecht in den Verkauf gelangen. «Alles ist auch eine finanzielle Frage», ergänzt Patrick Meier. Die Einnahmen würden hauptsächlich mit dem Verkauf der Plaketten an den Umzügen generiert. Ein gewaltiges Defizit wäre kaum zu vermeiden. Eine Plakette gibt es trotzdem: mit schwarzem «Trauerrand» und ohne Jahreszahl wie letztes Jahr. Die «Solidaritäts-Plakette» soll dann eben auch 2023 gültig sein. Die aktuelle Plakette mit dem zweifellos zur Situation passenden Motto «Se la wi» wurde in einer beschränkten Anzahl hergestellt. Die einst sicher mal gesuchte Plakette wurde schon 2021 zum Preis von Fr. 25.40 (Postleitzahl von Grenchen) verkauft. Nun sollen auch die gängigen Varianten (Bronze, Silber, Gold) zu den üblichen Preisen bei den Zünften in den Verkauf gelangen.

In Büren lacht man trotzdem

Büren an der Aare musste am 1. Januar als erste auf sein traditionelles Narren-Treiben an Neujahr verzichten. Zu lachen gab es im Städtchen trotzdem etwas. Schnitzelbank-Schreiber Markus Schär hat seine spitze Feder für den «Venner Spiegel» erneut gezückt. So erläutert er beispielsweise, wie die Pandemie das kirchliche Leben verändert hat, und schrieb eine «Predig im Homeoffice»: «Äs duet eim scho chley gruuse – D Lüt wei nümm zu de Hüüser use – Drum tuet d Chiuche öppis nöis probiere – U das im Fritiblettli kommuniziere: Me chönn statt ds Büre ds Predig z go, eifach däheim dr Fernseh jo alo. Dört chönn me e Predig vo Züri empfoh. Mir froge üs jetze do – ob me de ds Abendmahl mit em Pizzakurier söu lo cho – U das me ou d Kollekte nid tuet vergässe – brucht me no e Bankädrässe. Ds zahle geit nächär ganz gschwind – für das hett me hüt bekanntlech Twint».