Internet Grenchner Stadt-Anzeiger
25.08.2011

Die Brücke mit sieben Leben

Alt-Feuerwehrkommandant Peter Wälti vor Bürens Wahrzeichen: Der Holzbrücke, die vor 20 Jahren wiederaufgebaut wurde.

Alt-Feuerwehrkommandant Peter Wälti vor Bürens Wahrzeichen: Der Holzbrücke, die vor 20 Jahren wiederaufgebaut wurde.

Sie ist der Anziehungspunkt von Büren an der Aare. Sie starb tausend Tode und wurde stets wieder zum Leben erweckt. Die Rede ist von der gedeckten Holzbrücke. Sie verbindet den historischen Teil von Büren seit dem 13. Jahrhundert mit dem Ortsteil Reiben. Seither wurde die Holzkonstruktion acht Mal durch Hochwasser, Eisgang oder Feuer zerstört. Das letzte Mal im April 1989. Für die Einwohner von Büren war es ein emotionaler Moment, als die Brücke durch politische Separatisten in Flammen aufging, wird vermutet.

Die Panik, das Chaos und den Schock hat ein Mann besonders zu spüren bekommen: Peter Wälti (56). Der Bürener war zu diesem Zeitpunkt Kommandant der Stadtfeuerwehr. «Nach dem Alarm um vier Uhr nachts blickte ich aus dem Küchenfenster und sah nur noch rot», erzählt er, « Da wusste ich, dass es eine grosse Sache wird.» Als erste Unterstützung rückte die Feuerwehr Grenchen an, danach Biel, Pieterlen und die Seepolizei. Insgesamt 150 Feuerwehrleute versuchten über die Flammen vom Wasser aus Herr zu werden. Übrig blieben das eingefallene Holzdach der Brücke, verweinte Augen der Stadtbewohner und grosse Wut. «Die Bürener Einwohner fühlten sich mit dem Anschlag auf «ihre» Brücke auch persönlich angegriffen», so Wälti. Sie schwelgten untereinander in Erinnerungen an Geschichten, die auf der Holzbrücke stattgefunden haben. Und überall herrschte Ohnmacht über die zerstörerische Tat. Die Brücke als Statussymbol des Aarestädtchens begründet Christian Schüpbach, ehemaliger Gemeinderatspräsident, im Buch «Holzbrücken in Büren an der Aare» (1992) mit der «überlieferten, immer wieder spürbaren Liebe zur Tradition.» Nach dem Brand fehlte dem Stadtbild etwas.

Die Nachricht der abgebrannten Holzbrücke in Büren löste nicht nur im Stedtli Bestürzung aus, sondern auch im Kanton Bern und der ganzen Schweiz. Nur zwei Wochen nach dem Brand beschloss der damalige bernische Regierungsrat René Bärtschi, eine neue Holzbrücke errichten zu lassen. Am Tag nach dem Brand begann die Schweizer Armee sofort mit dem Erstellen von Notstegen. «Und es pilgerten scharenweise Besucher aus der ganzen Schweiz hierher», so Alt-Feuerwehrkommandant Peter Wälti.

1991, zwei Jahre nach dem Brand, weihte das Stedtli die neunte Holzbrücke aus modernem Holzleimbau und Ziegeln ein. Die heutige Brücke ist trotz Brand ein Zeuge früherer Architekturkunst geblieben, erinnert der neue Bau noch immer an die frühere Form. Seit genau 20 Jahren verbindet das 108 Meter lange Wahrzeichen Bürens nicht nur wieder Ortsteile, sondern auch verschiedensprachige Regionen und Menschen beidseits der Aare. Sie lässt den Verkehr fliessen, integriert den Ortsteil Reiben. Auch in ihrer neuen Version ist sie unter der Bevölkerung vollwertig akzeptiert. Dies kann Claudia Witschi-Herrmann, Gemeindepräsidentin von Büren, bestätigen: «Die Einwohner und Touristen sind begeistert und geniessen den wunderschönen Ausblick aus den Holzbrückenfenster.» Und: Je älter die Holzkonstruktion wird, desto mehr ähnelt sie der vorherigen Brücke. Holz und Ziegel sind witterungsbedingt wieder dunkel geworden.