«Am Ende zählt nur dein eigener Weg»

Wer heute einen Termin an der Bielstrasse in Grenchen bei Wizdomblendz vereinbaren will, braucht Geduld: Drei bis sechs Monate Wartezeit sind keine Seltenheit. Hinter dem Namen steht Cheyne Hofer, ein gelernter Coiffeur aus Grenchen, der sich mit handwerklicher Präzision und einem feinen Gespür für Social Media eine internationale Community aufgebaut hat.

Cheyne Hofer, bekannt als Wizdomblendz, erreicht mit seinen präzisen Haarschnitten ein Millionenpublikum.Bild: zvg
Cheyne Hofer, bekannt als Wizdomblendz, erreicht mit seinen präzisen Haarschnitten ein Millionenpublikum.Bild: zvg

Mit beinahe 700’000 Followern auf Tiktok und über 300’000 auf Instagram ist er weit über die Region hinaus bekannt.

Seine Videos gingen vor einigen Jahren erstmals viral. Seither empfängt er Kundinnen und Kunden aus dem In- und Ausland, die teilweise mehrere Stunden Anfahrtszeit in Kauf nehmen, um sich bei ihm die Haare schneiden zu lassen.

Eine Jugend, die prägte

Geboren in Wynau und aufgewachsen in Grenchen, blickt Hofer auf eine Jugend zurück, die ihn stark geprägt hat. «Meine Jugendzeit war nicht immer einfach», sagt er rückblickend. Die Zeit als perspektivloser, drogenabhängiger Jugendlicher sei für ihn und sein Umfeld belastend gewesen. Glücklicherweise habe er aber noch frühzeitig den richtigen Weg gefunden. Der Aufbau von Wizdomblendz begann bei null und war schwierig, aber Hofer verliebte sich in den Prozess. Darum arbeite er auch heute noch an sich und seinem Business konsequent weiter. Heute steht Wizdomblendz deutlich gefestigter da als zu jener Zeit, als Hofers Videos erstmals grosse Aufmerksamkeit erhielten. «Damals wussten viele noch nicht, wer ich bin und was meine Intention ist», erklärt er. Inzwischen erreicht er mit seinen Inhalten ein Millionenpublikum und versteht sich als authentischer Friseur-Influencer, der nicht nur Frisuren zeigt, sondern Menschen inspirieren möchte.

Zwischen Salonstuhl und Bildschirm

Sein Arbeitsalltag ist trotz Bekanntheit bodenständig geblieben, allerdings klar strukturiert. Der Tag beginnt mit Fitness, danach folgen sieben bis acht Kunden im Salon. Abends entstehen neue Videos, die noch vor dem Schlafengehen geschnitten werden. Dieses Pensum hält Hofer seit mehreren Jahren konstant durch. Angestellte im klassischen Sinn hat er keine. Zwei selbstständig arbeitende Friseure mieten bei ihm einen Stuhl, unterstützt wird er zudem von einem Geschäftspartner im Hintergrund.

Das Filmen für Social Media empfindet Hofer als anspruchsvoll, zugleich aber als das Schönste an seiner Arbeit. «Mit meinen Videos kann ich nicht nur einen Kunden glücklich machen, sondern Millionen von Menschen inspirieren und erreichen.» Während früher kaum Raum für Freizeit blieb, fokussiert er sich heute stärker auf den Content, den er kreiert. Seit er in seinen Videos gezielt Problemlösungen zeigt, wie beispielsweise trotz Haarausfall eine passende Frisur gemacht werden kann, ist die Nachfrage sogar weiter angestiegen. Seit vier Jahren ist er konstant mehrere Wochen im Voraus ausgebucht.

Gefragt sind vor allem saubere Übergänge. Der Taper Fade zählt nach wie vor zu den meistverlangten Schnitten, zunehmend kombiniert mit Scherenschnitten, längeren, gewellten Frisuren und scharfen Konturen. Für Trends zeigt sich Hofer stets offen: «Wer nicht offen für Neues ist, bleibt einen Schritt zurück.» Social Media spiele dabei eine zentrale Rolle. Viele Kundinnen und Kunden bringen ihre Frisurenideen direkt von Plattformen wie Instagram oder Tiktok mit.

Von der TV-Bühne zu neuen Kapiteln

Neben dem Salon bietet Hofer mittlerweile auch Kurse für andere Friseurinnen und Friseure an. Dabei gehe es sowohl um Technik als auch um Mindset und die Vermarktung in sozialen Medien. Sein Wissen aus internationalen Trends, Social-Media-Strategien und Businessaufbau wolle er gezielt weitergeben. Seine Community sei dabei sein grösster Antrieb: «Ich weiss, wie es ist, sich jeden Tag auf neue Videos zu freuen – genau das möchte ich weitergeben.» Ein besonderer Meilenstein war für ihn der Auftritt bei Late Night Berlin, wo er als erster Friseur nicht nur zu Gast war, sondern sein Handwerk live demonstrierte und den in den sozialen Medien bekannt gewordenen Edgar Cut schnitt.

Trotz wachsender Bekanntheit bleibt Grenchen für ihn ein wichtiger Bezugspunkt. «Hier habe ich meine Kindheit erlebt und viele Freundschaften geschlossen.» Während er zu Beginn vor allem Unterstützung aus der Region gespürt habe, komme der Rückhalt heute aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Für 2026 plant Hofer den nächsten Schritt: Er möchte nach Zürich ziehen und dort einen grossen Barbershop eröffnen. Parallel arbeitet er am Aufbau einer Online-Academy, in der Schneidetechniken, Bartpflege und unternehmerisches Wissen vermittelt werden sollen. Auch eine eigene Friseur-Produktlinie kommt bald heraus.

Jungen Menschen, die im Coiffeurberuf gross träumen, rät Hofer: «Umgib dich mit Menschen, die dich inspirieren. Disziplin darf nicht fehlen – und am allerwichtigsten: Fokussiere dich auf dich selbst. Am Ende des Tages zählt nur dein eigener Weg.»