Am Freitagsmarkt: Mit Herz und Gemüse
Der Freitagsmorgenmarkt in Grenchen ist für viele Besucherinnen und Besucher ein fester Bestandteil des Wochenrhythmus. Seit Jahrzehnten gehört auch der Gemüsebetrieb von Willi Gloor zum Marktgeschehen. Seit 1993 ist Gloor am Grenchner Markt vertreten, doch die Wurzeln reichen weiter zurück: Bereits 1980 begann er, nach seiner Ausbildung als Landwirt und Gemüsegärtner im elterlichen Betrieb mitzuarbeiten. «Ich hatte immer Freude an dieser Arbeit», sagt Gloor. Eine Freude, die bis heute spürbar ist.
Für ihn ist der Markt weit mehr als ein Verkaufsort. Im Gegensatz zum Verkauf ab Hof oder im Laden lebt der Markt von Begegnungen. Die Kundschaft am Markt ist bunt durchmischt. Sind es in den frühen Morgenstunden eher Berufstätige, die sich mit Gemüse eindecken, ist der Markt am späten Morgen ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Stammkundinnen und -kunden begleiten ihn seit Jahrzehnten. Oftmals trifft er frühere Schulkolleginnen und -kollegen oder lernt neue Gesichter kennen. Einziger Unterschied zu den wärmeren Jahreszeiten: Im Winter hat es weniger Marktstände.
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm auch Menschen, die in den 1990er-Jahren aus dem Balkan oder in jüngerer Zeit aus der Ukraine nach Grenchen kamen und über den Markt Anschluss fanden. «Man erlebt Dankbarkeit und merkt auch, wenn langjährige Kundinnen und Kunden irgendwann altersbedingt nicht mehr kommen können», erzählt Gloor. Neben dem Freitagsmarkt in Grenchen ist er seit 1990 auch regelmässig am Samstagsmarkt in Solothurn anzutreffen. Beide Märkte hätten ihren eigenen Charakter: Während es in Grenchen besonders über Mittag oft hektischer zugehe, sei die Stimmung in Solothurn am Samstag entspannter, da Wochenende ist. Mit dieser Erweiterung der Markttätigkeit wandelte sich auch sein Betrieb. Die Tierhaltung wurde schrittweise aufgegeben, ehemalige Stallungen in Kühlräume umfunktioniert und der Fokus ganz auf den Gemüsebau gelegt, was eine deutliche Arbeitserleichterung bedeutete.
Vielfalt an Wintergemüse
Gerade auch im Winter zeigt sich, wie vielfältig das regionale Angebot an Gemüse ist. Besonders gefragt sind momentan Lauch in verschiedenen Sorten, Rüebli in vier Farben, Knollensellerie, Randen, Zwiebeln, Weiss- und Rotkabis, Härdöpfel oder Nüsslersalat, der von September bis Ostern erhältlich ist. Auch weniger bekannte Sorten wie Zuckerhut, Schwarzer Rettich oder «Chrutstiel» gehören zum Sortiment. Einige Wintergemüse werden seiner Meinung nach unterschätzt. Pastinaken und Peterliwurzel seien etwa erst in den letzten Jahren wieder beliebter geworden, nicht zuletzt dank Rezepten und Kombinationen, wie sie auch in Kochzeitschriften zu finden sind. Unter anderem sind Pastinaken beliebt für die Zubereitung von Babybrei.
Gut ausgerüstet ist der Marktstand auch für kalte Tage. Den heutigen Verkaufswagen baute Gloor Anfang der 1990er-Jahre selbst, nachdem ein früherer Stand bei starkem Wind umkippte. Der Wagen ist beheizbar und bis zu minus zwölf Grad einsatzfähig. Am unangenehmsten ist die Marktpräsenz bei starkem Westwind und Regen. Lob findet Gloor für den Winterdienst der Stadt Grenchen und dankt dem Werkhof: «So gut geräumt habe ich es fast nirgends erlebt.»
«Auf dem Markt beginnt die Produktion»
Wintergemüse ist für Gloor nicht nur ein Verkaufsprodukt, sondern auch mit Erinnerungen verbunden. Besonders geblieben ist ihm die Gemüsesuppe seiner Grossmutter mit Lauch und Lorbeerblättern, welche an kalten Tagen wärmte. Wichtig ist ihm zudem der bewusste, saisonale Einkauf. «Auf dem Markt beginnt die Produktion», lautet eine alte Marktmaxime, die er verinnerlicht hat. Angebaut wird, was verkauft werden kann. Das ist sinnvoll für die Gesundheit, den Geldbeutel der Kundschaft und den Betrieb. Gloor reagiert aber gelassen auf Anfragen nach Erdbeeren oder Spargel im Winter: Wer Lust habe, solle Freude daran haben, doch die meisten Marktbesucherinnen und -besucher sind sich der Saison bewusst.
Zum Schluss richtet Willi Gloor einen grossen Dank an seine Kundschaft: für die Treue, das Kommen bei jedem Wetter und das Vertrauen über viele Jahre hinweg, wie auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Grenchen. «Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand kommt», sagt er. Umso grösser ist daher die Wertschätzung für alle, die den Freitagsmarkt lebendig halten.
> Sauerkrautwähe mit Speck
Zutaten:
1 kleiner Lauch in feinen Ringen
1 Zwiebel gehackt
Bratbutter
300 Gramm gekochtes Sauerkraut
Salz, Pfeffer
1 runder ausgewallter Kuchenteig
Guss:
2 Eier
2 Deziliter Rahm
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
6 Tranchen Bratspeck in feinen Scheiben
50 Gramm geriebener Sbrinz
So geht’s: Guss: Alles zusammen verrühren, über den Belag giessen. Speck auf Sauerkraut und Guss verteilen, mit Sbrinz bestreuen. Auf der untersten Rille des vorgeheizten Ofens 25–30 Minuten bei 180° backen.







