Ausstellung über eine grosse Persönlichkeit
«Der Tiger im Tank nützt nichts, wenn ein Esel am Steuer sitzt.» Das ist nur eines von vielen Bonmots, mit denen der ehemalige populäre Bundesrat Willi Ritschard während seiner Amtszeit von 1974 bis 1983 von sich reden machte. Ihm widmet das Museum Grenchen bis zum 4. Juli 2027 eine Ausstellung. Die Vernissage findet morgen Freitag im Museum statt.

Die Bundesratswahlen verfolgte der gelernte Heizungsmonteur und damalige Solothurner Regierungsrat Willi Ritschard 1974 zu Hause vor dem Fernseher. Als grosser Favorit vor der Wahl galt der CVP-Nationalrat Leo Schürmann aus Olten. Doch überraschend setzte sich Willi Ritschard durch – gewählt von den Bürgerlichen. Mit Polizeieskorte wurde er anschliessend zur Wahlannahme nach Bern gebracht.
13 Tage nach seiner Rücktrittserklärung als Bundesrat erlitt Ritschard 1983 auf einer seiner vielen Wanderungen auf dem Grenchenberg einen Herzinfarkt und verstarb noch vor Ort. Eine Gedenktafel auf der Längschwand beim Obergrenchenberg erinnert an den populären Magistraten. Ritschard war Mitglied der Schweizer Naturfreunde und oft in den Bergen unterwegs. Ein regelmässiger Weggefährte auf seinen Wanderungen war der im letzten Jahr verstorbene Solothurner Schriftsteller Peter Bichsel – auch am 16. November 1983, dem Tag von Ritschards Tod.
Mit der Ausstellung über Willi Ritschard widmet sich das Museum Grenchen einer prägenden Persönlichkeit der Schweizer Politik des 20. Jahrhunderts. Als erster «Büezer» im Bundesrat stand Ritschard wie kaum ein anderer für den Aufstieg aus einfachen Verhältnissen in höchste politische Ämter – und für eine Politik, die den Menschen verpflichtet blieb.
Ergänzt wird die biografisch-historische Ausstellung durch einen neuen interaktiven Teil, der verschiedene Antworten auf die Frage gibt: Wie viel Öffentlichkeit braucht ein Politiker?
Die Ausstellung «Willi Ritschard – volksnah, charismatisch, sensibel» wurde anlässlich seines 40. Todestags im Jahr 2023 vom Museum Wasseramt initiiert und ein Jahr später dort gezeigt. Bis vor gut einem Monat war die Wanderausstellung im Historischen Museum Olten zu sehen. Nun ist sie bis zum 4. Juli 2027 im Museum Grenchen zu Gast. Die Projektleitung liegt bei Anna Hagdorn, Museumsleiterin ad interim.
Freitag, 29. Mai 2026, um 18 Uhr ist die Vernissage im Museum Grenchen an der Absyte 3. Die Vernissage ist öffentlich. Nach dem offiziellen Programmteil kann die Ausstellung selbstständig besucht werden. Ein Apéro wird serviert.