Dem Tod ein Gesicht geben

Über den Tod zu sprechen, ist nicht einfach – aber wichtig. Wer sich frühzeitig informiert und Wünsche äussert, schenkt sich und anderen Sicherheit. Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich führen seit gut zwei Jahren gemeinsam ein Bestattungsunternehmen in Grenchen. Sie möchten Mut machen, über das Abschiednehmen zu reden. Offen. Menschlich. Und ohne Angst – jeden ersten Freitag im Monat.

Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich stehen vor einem besonderen Sargmodell, das aus Weiden gefertigt ist. Kommenden Freitag, 7. November 2025, öffnen sie erstmals ihre Türen für einen ungezwungenen Informationsaustausch. Bild: Joseph Weibel
Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich stehen vor einem besonderen Sargmodell, das aus Weiden gefertigt ist. Kommenden Freitag, 7. November 2025, öffnen sie erstmals ihre Türen für einen ungezwungenen Informationsaustausch. Bild: Joseph Weibel

Über den Tod zu sprechen, ist nicht einfach – aber wichtig. Wer sich frühzeitig informiert und Wünsche äussert, schenkt sich und anderen Sicherheit. Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich führen seit gut zwei Jahren gemeinsam ein Bestattungsunternehmen in Grenchen. Sie möchten Mut machen, über das Abschiednehmen zu reden. Offen. Menschlich. Und ohne Angst – jeden ersten Freitag im Monat.

Es ist ein mutiger Schritt, einer offenen Kommunikation, der aber ganz offensichtlich einem Bedürfnis entspricht. Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich vom Unternehmen Siemoneit & Wüthrich Bestattungsdienste in Grenchen sind dieser Meinung und bieten künftig jeden Monat einmal einen «Tag der offenen Türe» in ihrem Bestattungsunternehmen. Sie gehören zu einem Berufszweig, dem schweizweit rund 400 Menschen angehören, die dafür sorgen, dass Verstorbene würdevoll zu Grabe getragen werden und Hinterbliebenen bei allen Fragen, die ein Todesfall mit sich bringt, aktiv unterstützen. Dazu gehört für die beiden Grenchner Bestatter auch ein regelmässiger Informationsaustausch. Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich führen ihr Unternehmen in einer geschmackvoll eingerichteten Lokalität an der Kapellstrasse 9, in der warme Farbtöne ein Gefühl von Nähe und Geborgenheit vermitteln – wie ein sanfter Mantel, der Trost spendet und Raum für Erinnerungen lässt. Und trotzdem finden Menschen ohne Anlass kaum den Weg in diese Räumlichkeiten. Warum auch? Es ist ja niemand gestorben.

Der Tod kommt oft und unverhofft

«Vielleicht schwebt auch ein Gefühl von Unsicherheit oder Angst mit, wenn man uns besucht, um über Dinge zu sprechen, die irgendwann unausweichlich eine Bedeutung erhalten», vermuten Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich. Ein Sprichwort besagt: «Der Tod kommt oft und unverhofft.» Dies verdeutlicht die Situation von Hinterbliebenen, die den Tod als «zu früh» empfinden, weil er sie unvorbereitet trifft. Die beiden Berufsleute machen einen Schritt nach vorne und gehen einen unkonventionellen Weg. Sie laden einmal im Monat – immer am ersten Freitag – Interessierte an die Kapellstrasse 9 ein. Bei Kaffee und Gipfeli beantworten sie zwischen 9 und 12 Uhr Fragen.

Ein Sarg aus Weiden

Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung stellen sie immer wieder fest, dass viele Menschen unzureichend über Bestattungsformen informiert sind. Die beiden zeigen mir auf einem kurzen Rundgang die verschiedenen Holzsärge und ihre Ausstaffierung. Da steht sogar ein Sarg, der aus Weiden geflochten ist und durch seine Form und seinen Ausdruck wenig mit dem klassischen Pendant gemein hat. Ein kurzer Rundgang durch die Räumlichkeiten schafft Klarheit über die eine oder andere Frage. Bruno Wüthrich sieht meinen fragenden Blick. «Der Weidensarg ist sicher sinnvoll für eine Kremation», gibt er auf die unausgesprochene Frage eine Antwort.

Die Feuerbestattung ist heute die weitverbreitetste Bestattungsform. Am Schluss wird die Asche in eine Urne gefüllt. Dementsprechend gross ist die Auswahl an Urnen. Nathalie Siemoneit zeigt verschiedene Modelle. «Wir haben längst nicht alle hier im Geschäft, sie sind aber in unseren verschiedenen Katalogen zu sehen.»

(Letzter) Wille spür- und sichtbar machen

Man spürt, wie wichtig die beiden Bestatter ihre tägliche Aufgabe nehmen. Sie sind Dienstleister und geben den Adjektiven «gefühlvoll» und «empathisch» eine ganz besondere Bedeutung, indem sie trauernden Menschen Trost spenden und sie auf ihrem Weg begleiten. Viele Dinge können Menschen in ihrem irdischen Dasein so festlegen, dass ihr letzter Wille auch bei der Bestattung spür- und sichtbar wird. Die meisten Punkte können beispielsweise in einer sogenannten Bestattungsanordnung festgelegt werden. Das gilt auch für die Bestattungsfeier. Soll sie in einer Kirche oder in einer weltlichen Umgebung stattfinden? Soll ein Ritualleiter oder ein freier Redner die Bestattung gestalten? Die beiden Bestatter sind dafür ausgebildet und bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Es stellen sich weitere Fragen: Soll die Grabstätte auf einem öffentlichen Friedhof oder in Form eines Gemeinschaftsgrabes sein? Soll die Asche gar im Freien oder in einem Gewässer verstreut werden? «In der Schweiz gibt es im Gegensatz zu anderen Ländern wenige Einschränkungen», so Bruno Wüthrich. Die Bestattung der Asche wird auch auf sogenannten Waldfriedhöfen immer verbreiteter. Eine Urne kann auch mit nach Hause genommen oder ein Teil der Asche in ein Schmuckstück gepresst werden.

Die Abdankung bildet den Abschluss einer kurzen, aber intensiven Zeit. In dieser Zeit sind die Hinterbliebenen vielfach auch mit den administrativen Hürden überfordert. Zu diesen Arbeiten gehören die Meldung an das Zivilstandsamt, die Erstellung von Todesanzeigen und Leidzirkularen. Sie sind ebenfalls Teil des Dienstleistungspakets eines Bestatters. Die beiden Grenchner Berufsleute wollen mit der geplanten besonderen Kommunikationsform die Enttabuisierung weiter vorantreiben. «Wir wollen dabei helfen, den Tod sichtbar zu machen, ohne dass man ihn immer gleich direkt vor Augen haben muss.»

 

Erstmals öffnen Nathalie Siemoneit und Bruno Wüthrich am kommenden Freitag, 7. November 2025, ihre Türen an der Kapellstrasse 9 in Grenchen. Sie freuen sich auf viele interessierte Besucherinnen und Besucher von 9 bis 12 Uhr.