Der Bau der Eusebiuskirche in Grenchen
Aus der Jubiläumsschrift «Geschichte des Kirchenbaues in Grenchen» von Ernst Niggli weiss man, dass der Bau einer katholischen Kirche schon 1740 erfolgen sollte, aber wegen eines epidemischen Fiebers mit unzähligen Toten ausgesetzt wurde, da der Platz in der alten Kirche wieder ausreichte.

Im März 1798, als die Franzosen einbrachen und der Bevölkerung Pferde, Vieh, Wagen, Betten, Weisszeug, Esswaren und vieles andere raubten, musste der Kirchenbau erneut verschoben werden. Am 27. Januar 1805 beschloss die Gemeinde schliesslich den Bau einer neuen Kirche.
Doch nun entbrannte der Streit, ob Teile der alten Kirche, insbesondere der Turm, erhalten bleiben sollten. Das bestehende Gebäude war ein formloses Machwerk aus unregelmässigen Mauern, Beinhaus, Feuerspritzenhaus und «Kefiturm» – eine «wilde Einheit». Neue Kommissionen wurden gewählt, doch die Diskussionen über Turm, Ausrichtung und Baumaterialien gingen weiter.
Am 9. Brachmonat (Juni) wurde der erste Kalk von 600 bis 700 Fässlein «ackordiert», also bestellt. Am 10. Hornung 1806 wohnte die ganze Gemeinde einem denkwürdigen Ereignis bei: Junge Männer luden einen gewaltigen Stein auf eine Schleife und zogen ihn ohne Pferde oder Ochsen, begleitet von Musik, Gesang und grossem Jubel, vom Berg zur Kirche. «Alles Volk, viel hundert» lobten weinend Gott, dass der Anfang gemacht war.
Am 24. März wurde die Kirchhofmauer errichtet, der Aushub für das Fundament begann. Werkzeug wurde angeschafft, Mauern wurden abgerissen – auch der umstrittene Turm –, Steine gebrochen und herbeigeschleppt. Am 12. Jenner 1807 konnte schliesslich der erste Eckstein gesetzt werden, begleitet von grossen Festlichkeiten und einer Freudensalve des Militärs.
Der Pfarrer führte die Rechnung und überwachte die Einsätze der Maurer, Gerüst- und Pflastermacher sowie aller Taglöhner. Auch die 260 Haushalte, die unentgeltlich mitarbeiten mussten, wurden erfasst. Buch geführt wurde ebenso über Handlanger und Fuhrwerke – etwa über Gespanne mit 14 bis 18 Pferden, die die Ecksteine herbeizogen.
Die Nachbargemeinden steuerten Bauholz, Gips, Steine und Ziegel bei. Zusätzlich ging man auf Bettelreise: Von Dorf zu Dorf, von Amtei zu Amtei und von den Zünften in Solothurn über Büren bis nach Biel bat man um milde Beisteuer. Nur gemeinsam konnten solche Monumente entstehen.
Beim Holzfällen kam es zu einem tragischen Unglück. Ein herabstürzender Gipfel einer hohen Tanne traf den Knaben Eusebi Flury so unglücklich, dass er kurz darauf starb. Sonst blieb man von grösseren Unglücken verschont. Schritt für Schritt wuchs die Kirche. Immer wieder stockten die Arbeiten, weil Pferde oder Wagen fehlten.
Im Herbst wurde der Choraltar mit elf Pferden und acht Personen in Oensingen abgeholt. Am 4. Oktober 1812 war es schliesslich so weit: Die neue Kirche wurde durch den Bischof von Lausanne, Maximus Guisolan, dem heiligen Eusebius geweiht.
Glauben versetzt ... Kirchen. Kaum eine andere Gemeinschaft konnte und kann so viele unterschiedliche Menschen für ein gemeinsames Ziel begeistern – auch wenn sie selbst immer wieder in der Kritik steht.
Quelle: Archiv von Rainer W. Walter / Christian Schlup