Die Geschichte begann vor 150 Jahren

Am 4. Februar 1873 machte sich der Grenchner Gemeindeammann Euseb Vogt auf den Weg zur Spar- und Leihkasse Grenchen und deponierte dort 5 Franken ­zugunsten eines Spitalfonds für Grenchen. Mit dieser Einlage gründete er den Spitalfonds Grenchen und legte symbolisch den ersten Grundstein für das künftige Ortsspital Grenchen.

Das ehemalige Spital Grenchen wurde dank privater Initiative sinnvoll umgenutzt 
in das Wohn- und Pflegezentrum Sunnepark, und zwischenzeitlich ist auf dem Grundstück des ehemaligen alten Spitals attraktiver Wohnraum geschaffen worden. Bild: Joseph
Das ehemalige Spital Grenchen wurde dank privater Initiative sinnvoll umgenutzt in das Wohn- und Pflegezentrum Sunnepark, und zwischenzeitlich ist auf dem Grundstück des ehemaligen alten Spitals attraktiver Wohnraum geschaffen worden. Bild: Joseph Weibel

1912 wurde mit dem Bau des Grenchenbergtunnels begonnen. Im Tripoli, der Wohnsiedlung der am Tunnelbau beteiligten italienischen Spezialarbeiter und ihrer Familien, liess die Bauleitung ein kleines, aber offenbar gut eingerichtetes Spital erbauen. Im Schlussbericht an das Schweizerische Post- und Eisenbahndepartement aus dem Jahre 1917 finden wir folgende Ausführungen: «In Grenchen wurde mangels eines öffentlichen Spitals von der Unternehmung ein solches Gebäude in Riegelbau erstellt. Dasselbe enthielt nach Fertigstellung 35 Betten und ein Röntgenkabinett. Ein ständiger Wärter und drei Krankenschwestern führten die Aufsicht.»

Der Grenchner Spitalfonds war zwischenzeitlich stark angewachsen. Ein Teil davon wurde aber für etwas anderes verwendet. 1927 wurde die Summe von 60 000 Franken für den Ausbau des Bürgerspitals Solothurn genommen. Doch waren mit diesem Beschluss nicht alle restlos glücklich.

Ebauches rief Stiftung ins Leben

Obwohl immer wieder Private und die Gemeinde den Fonds äufneten, umfasste er 1945 nur gerade 224 000 Franken. Am 29. Dezember 1942, mitten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, unterschrieben Sidney de Coulon und Robert Schild im Namen der Ebauches SA den Stiftungsvertrag «Spitalfonds Grenchen», der am 1. Januar 1943 in Kraft treten sollte. Gleichzeitig überwiesen die Vertreter der Stifterfirma ihrer ­neuen Stiftung ein Startkapital von 100000 Franken. Die Zweckbestimmung der Stiftung lautete kurz und verständlich: «Die Stiftung hat den Zweck, Mittel zum Bau und Betrieb eines Spitals in Grenchen bereitzustellen.»

Bevölkerung sammelte Viertelmillion Franken

An der «Spitalschau im Herbst 1952 trug die Bevölkerung Grenchens innerhalb von nicht einmal drei Tagen eine Viertelmillion Franken für das Grenchner Ortsspital zusammen. Am 27. Juni 1953 wurde das Spital, eines der modernsten und zweckmässigsten seiner Zeit, eingeweiht. Nachdem die Stifterfirmen von 1953 bis 1968 auch das Defizit des Grenchner Spitals übernommen hatten und die Stadt die Kosten für Wasser und Strom getragen hatte, ging die schuldenfreie Institution 1975 praktisch an den Kanton über.

Vor über 40 Jahren neues Spital eingeweiht

Ende Oktober 1982 wurde das neue Spital feierlich eingeweiht, und am 3. Januar 1983 zogen die ersten Patienten in einer eindrücklichen Aktion vom alten ins neue Spital. Nach vielen Diskussionen, Berechnungen und Reduktionen am ursprünglichen Bauprogramm wurde das neue Spital, nur einen Steinwurf weiter südlich vom bestehenden und nun «alten» Spital, feierlich eingeweiht. Im Spitalneubau befanden sich 119 Akutbetten und hervorragende technische Einrichtungen nach dem Motto: «modern und menschlich». In der Geschützten Operationsstelle des Zivilschutzes wurden 248 Liegestellen installiert, und in der Schutzraumanlage fand sich Platz für 540 Personen.

«Grenchen hat sein neues Spital zu Recht»

Regierungsrat Rudolf Bachmann an der Eröffnungsfeier: «Grenchen hat sein neues Spital zu Recht. Möge das neue Spital stets ein Zeuge der ungebrochenen Lebenskraft von Stadt und Region Grenchen sein und bis in eine weite Zukunft beweisen, dass es ein richtiger Entscheid war, den Kredit für seinen Bau zu bewilligen.»

Bereits im Mai 1989 konnte man in den «Solothurner Nachrichten» lesen: «Soll die Frauenklinik in Grenchen aufgelöst werden?» Für den damaligen Grenchner Stadtammann Eduard Ro­then war das jedoch kein Diskus­sionsthema. Er berief sich auf die ­Spitalvorlage IV., nach der in den Re­gionalspitälern die medizinische Grundversorgung erhalten bleiben müsse.

1994 ging der Kampf los

Nur elf Jahre nach der Eröffnung des neuen Spitals sollte nach Meinung des Regierungsrates die Frauenklinik in Grenchen geschlossen und ins Bürgerspital Solothurn überführt werden. Doch in einer bisher beispiellosen Aktion setzte sich die Bevölkerung zur Wehr, und 5322 Stimmberechtigte aus Grenchen, Selzach und Bettlach unterschrieben eine Volksmotion. Es half alles nichts. Am 31. Oktober 2011, also ziemlich genau vor zwölf Jahren, schloss das Spital Grenchen endgültig. Bereits seit 2004 fuhr der Kanton die medizinischen Aktivitäten auch im Neubau sukzessive herunter. 2012 wurde das Areal im Baurecht verkauft.

Zum Abschluss ein Nachsatz aus den Aufzeichnungen zum Übergang des Spitals an den Kanton: Am 26. November 1975 teilte der Stiftungsrat Spitalfonds Grenchen den Stifter-Firmen mit: «Nachdem der Staat nun die vollen Betriebsdefizite übernimmt, ist es gegeben, dass der Staat auch die verantwortliche Führung unserer Spitalstiftung, das heisst die Mehrheit im Stiftungsrat beansprucht.» Das Spital besass damals nach den Berechnungen des Stiftungsrates einen Neuwert von 13,5 Mio. Franken. Mit dem Landwert kommen 3,1 Mio. Franken dazu. Gestützt auf diese Berechnungen erklärte der Stiftungsrat, dass die Stifter-Firmen dem Staat Solohturn 16,25 Mio. Franken schenken, die sonst in der Spitalvorlage neu finanziert werden müssten.

*Autor dieses stark gekürzten Beitrags ist Rainer W. Walter. Der ganze Beitrag ist auf www.wiki-stadtgeschichte-grenchen.ch nachzulesen.