Die Herzen der Zuschauer gewonnen
Erst- und Zweitrundenspiele im Schweizer Fussballcup haben ihren ganz besonderen Reiz. Sie bieten Amateurmannschaften die seltene Gelegenheit, auf der grossen Fussballbühne mitzuspielen. Nach dem FC Zürich 2011 wurde dem FC Grenchen 15 mit den Grasshoppers erneut ein Zürcher Stadtclub zugelost. Das Spiel ist Geschichte. Was bleibt, ist die Begeisterung, die ein solcher Fussballabend auslösen kann.

Bei besserem Wetter wären wohl gut 1000 Zuschauer mehr ins Brühl geströmt. Doch entscheidend ist etwas anderes: Dieser Cupabend hat eindrücklich gezeigt, was Fussball auslösen kann. Menschen begegnen sich, feuern gemeinsam ihre Mannschaft an und gehen mit dem guten Gefühl nach Hause, etwas Besonderes erlebt zu haben.
Vielleicht hat dieser Abend bei manchen auch die Lust geweckt, wieder einmal ein Spiel in der Amateurliga zu besuchen. Gemeinschaft erleben, friedliche Fussballstunden geniessen und alte Bekannte treffen. Es braucht nicht immer einen Super-League-Gegner, um Menschen zusammenzubringen. Das gilt nicht nur für den Fussball, sondern überall dort, wo Gemeinschaft gelebt wird.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt. GC-Trainer Olaf Janssen, erst seit wenigen Wochen im Amt, scheint mit einer schönen Fussballtradition noch nicht ganz vertraut zu sein. Nach dem Schlusspfiff gehört es zum guten Ton, dass sich die beiden Trainer die Hand reichen. Üblicherweise geht der Sieger auf den Verlierer zu. Für Janssen, der zuletzt eine Mannschaft in der deutschen Regionalliga betreute, hatten zunächst die eigenen Spieler Vorrang. So musste FCG-Trainer Julien Ceccon seinem Gegenüber beinahe hinterherlaufen, um den obligaten Händedruck doch noch zu bekommen.
Eine Kleinigkeit? Gewiss. Aber manchmal sind es gerade die kleinen Gesten, die den Unterschied zwischen sportlichem Erfolg und wahrer Grösse ausmachen.
Und damit zur schönsten Erkenntnis dieses Cupabends: Die Grasshoppers haben das Spiel gewonnen. Der FC Grenchen 15 aber die Herzen.