Die ultimative sportliche Herausforderung
Patrik Hegelbach hat es erneut geschafft: Ein schier unglaubliches Abenteuer liegt hinter ihm und seiner sechsköpfigen Gruppe. Indien wurde mit allen Sinnen absorbiert. 2200 Kilometer in 16 Tagen wurden mit dem Velo von Bangalore nach Chennai gefahren.
Er hat Extremläufe wie den Deutschland- oder den Spitzbergen-Marathon absolviert. Mit dem Fahrrad bewältigte er eine Balkan-Tour von Venedig nach Athen: Der Extremsportler Patrik Hegelbach. Nun setzte er seinen sportlichen Abenteuern quasi noch die Krone auf. Zusammen mit fünf Gleichgesinnten ging es nach Indien, genauer gesagt in den Süden des Subkontinents. Startpunkt war Bangalore, danach wurde entlang der West- und Ostküste nach Chennai geradelt. Es liegen 2200 Kilometer hinter den begeisterten «Gümmelern», die täglich um die 130 Kilometer zurücklegten. Alles andere als eine Spazierfahrt also und die Beteiligten waren denn allesamt auch entsprechend durchtrainierte Radsportenthusiasten. Unter ihnen befand sich einmal mehr Franco Marvulli, der Olympiazweite von 2004 auf der Bahn und in der Zwischenzeit in Grenchen bestens bekannt als Speaker und Moderator im Velodrome. «Trotzdem – als Extremsportler sehe ich mich eigentlich nicht. Dieses Wort benutzen höchstens die Medien für mich», sagt der Grenchner. Natürlich suche er den sportlichen Kick. Er wisse eigentlich auch, was er seinem Körper im Alter von 55 Jahren noch zutrauen könne. «Solange es meine Konstitution und vorab meine Gesundheit zulassen, reizen mich sportliche Abenteuer.»
Indien fährt durch einen selbst
Vor Monatsfrist ist Patrik Hegelbach nun von seinem Indien-Trip zurückgekommen. Mit unglaublich vielen Eindrücken, die er in der nächsten Zeit weiter verarbeiten müsse. «Ich habe all die Dinge aufgenommen, die Gerüche, das Essen, die Wärme und die fremde Kultur.» Was als sportliche Herausforderung begann, wurde zu einer Reise durch Herz, Hitze und Hoffnung. Hegelbach ordnet ein: «Es war nicht nur eine physische Reise, sondern auf der Strecke ein permanenter Dialog mit dem eigenen Willen. Indien ist kein Land, das man ‹durchfährt›. Es fährt durch einen selbst.» Das Unternehmen war gut vorbereitet, was nun auch zum Tragen kam. Die Gruppe hatte sich angesichts der Destination für ein Gravelbike entschieden, ein Rennvelo mit breiteren Pneus. Diese Fahrräder seien robuster, böten Gepäcktaschen und man sitze etwas angenehmer als auf anderen Gefährten. Nebst den «normalen» kleineren Reparaturen oder Verschleisserscheinungen machte das Material mit. Hegelbach selbst war für die Reiseapotheke verantwortlich. Die habe man jedoch nie gebraucht, man blieb unfallfrei und auch mit der Ernährung lief alles problemlos.
Was bleibt, sind Menschen
Was bleibt, sind nicht nur Kilometer, sondern die Hauptrolle spielten die Menschen. Hegelbachs Augen strahlen bei den unzähligen Erinnerungen: «Da waren Einheimische, die führten uns spontan zu einem Palast. Eine ältere Dame backte Brownies und Bananenkuchen, das Hotelpersonal wusch unsere Velos, als wären wir im Finale der Tour de France. Zwei Bikepacker aus Indien und Frankreich teilten Geschichten am Strassenrand, Kinder lachten, winkten und liefen ein Stück mit.» Und überall sei diese Herzlichkeit spürbar gewesen, nicht geplant, sondern selbstverständlich. Und was, wenn die Motivation trotzdem einmal sank? «Dann liehen wir sie uns gegenseitig. Und wenn die Beine schwer wurden, machten sie Begegnungen wieder leicht.»
Es geht immer weiter
Die Zieleinfahrt in Chennai war für die Gruppe kein lauter Triumph, sondern eher ein stilles Ankommen – mit Dankbarkeit gegenüber dem Team, Respekt vor der Strecke und einem tiefen Gefühl, Teil von etwas Grösserem gewesen zu sein. Die Reise war für alle Teilnehmer Sport, Kultur, Grenzerfahrung und Gemeinschaft in einem. «Eine Expedition, die man nicht in Kilometern, sondern in Momenten misst.» Das «Dach» aller Abenteuer für Patrik «Hegu» Hegelbach? «Für dieses Jahr ist es okay. Die Ferien sind aufgebraucht. Doch wer mich kennt, weiss ... Die Ideen brodeln bereits in mir. Die Zukunft wird es zeigen: Mein Abenteuer Leben geht immer weiter.»



