Ein Rundgang durch den Pieterler «Schlössli»-Obstgartenblätterwald
Zum kontrastreichen Pieterler Programm im Coop Gemeindeduell gehörte die Obstgartenwanderung des Obst- und Gartenbauvereins Pieterlen mit Landwirt Peter Stalder vom Schlössligut.
«Dieser gespaltene Pflaumenbaum stammt aus den Anfängen des Obstgartens in den frühen 1940er-Jahren, als mein Grossvater die Anlage pflanzte. Es war damals so trocken, dass das Wasser vom Sternenbrunnen geholt werden musste», erzählt Peter Stalder über die Entstehung seiner biodiversen Obstanlage. Heute wachsen dort 750 Bäume mit 32 Apfelsorten sowie Birnen, Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen und sogar Kaki-Früchten. Der Landwirtschaftsbetrieb beim Schlössli der Familie Stalder stützt sich auf drei Standbeine: Ackerbau, Milchviehhaltung und den Direktverkauf von Obst. Im Garten gedeihen zudem Johannisbeeren, Feigen, Himbeeren und Trauben.
Der Obstbauverein Pieterlen wurde 1913 gegründet und benannte sich zur Hundertjahrfeier in Obst- und Gartenbauverein um. Unter Präsident Martin Arn steht der Verein heute allen offen, die Obst und Beeren im eigenen Garten pflegen. Jährlich organisiert der Verein einen Schnittkurs sowie Ausflüge zur Weiterbildung.
Faktor Wasser bleibt eine Herausforderung
Der Spaziergang führt weiter durch den Obstgarten. Besonders eindrücklich ist das frische Grün der Bäume nach dem nächtlichen Regen. Basler Adlerkirschen, Anna Spät, Damassine, Idared, Boskop, Eierpflaumen, Mirabellen oder der Apfel Morgenduft – eine beinahe unglaubliche Vielfalt, darunter zahlreiche ProSpecieRara-Sorten – wächst dort, wo früher Pieterler Wein angebaut wurde. Die Kulturen verteilen sich auf die «Hoschtet» mit Hochstammbäumen, der Kirschenanlage und der neuen Spindelbaum-Anlage.
Der Faktor Wasser bleibt am «Schlösslihoger» eine Herausforderung. Peter Stalder erklärt, wie er dank der ehemaligen autonomen Wasserversorgung des Schlösslis alte Reservoirs des Altersheims teilweise wieder instand stellen und nutzen konnte. «Hört ihr die Vögel?», fragt er – aus dem Geäst zwitschern bereits die Jungvögel.
Biodiversität ist spür- und sichtbar
Die Bienen in den aufgestellten Bienenkästen hatten während der Blütezeit viel zu tun. Die Bise stellte sie dieses Jahr zusätzlich auf die Probe. Biodiversität ist in diesem Obstgarten überall spürbar. Sämtliche Früchte werden direkt im Hofladen verkauft, vermostet, gebrannt oder an die zum Betrieb gehörenden Kühe und Kälber verfüttert.
Im Winter dauert allein das Schneiden der Bäume und das Zusammenräumen der Äste rund sechs Wochen. Damit möglichst schöne Früchte heranwachsen, müssen die jungen Früchte zudem ausgedünnt werden. Eine grosse Herausforderung bleibt die Kirschessigfliege. Die gesamte Anlage vollständig abzudecken und einzunetzen, wäre laut Peter Stalder finanziell kaum tragbar. Die gemischten Kulturen und die biologische Vielfalt helfen jedoch bei der Pflege der Anlage. Sobald Mitte Juni die Kirschenernte beginnt, herrscht Hochsaison. Besonders beliebt sind die Tafelkirschen mit Stiel, die direkt ab Hof verkauft werden. Mit Beginn der Sommerferien gehe die Nachfrage allerdings bereits zurück. Danach folgen Eierpflaumen, Mirabellen und Zwetschgen. Dazwischen liegen die rund zwei Wochen der Getreideernte. Die Reifezeiten der Früchte hätten sich aufgrund der höheren Temperaturen merklich verschoben. «Die traditionellen Zwetschgen auf den Bettag gibt es kaum mehr», sagt Stalder.
Viel Handarbeit am Hang
Der steile Hang beim «Schlössli» in Pieterlen war im 18. und 19. Jahrhundert terrassenförmig angelegt und wurde intensiv für den Rebbau genutzt. Wie gut der damalige Wein gewesen sei, bleibe allerdings dahingestellt. Später wurden die Terrassenmauern abgetragen und die heutige Obstanlage angelegt.
Die Hanglage bedeutet für die Betreiberfamilie viel Handarbeit und lässt den Einsatz von Maschinen nur eingeschränkt zu. Trotzdem ist Peter Stalders Begeisterung für seine Bäume deutlich spürbar.
Wer den Obstgartenspaziergang verpasst hat, kann sich beim Kirschenapéro am 29. Mai oder später beim Schnittkurs des Obst- und Gartenbauvereins mit dem hiesigen Obst näher vertraut machen.



