Eine halbe Weltreise für den FC Grenchen
Keine Reise zu weit, keine Strapazen zu gross, um dem FC Grenchen die Ehre zu erweisen. Dies war für die ehemaligen Trainer und FCG-Spieler schon seit jeher so. Nun wurden sie vom Club 33 eingeladen. 55 FCG-Legenden liessen es sich trotz langer Anfahrt nicht nehmen, auf dem Brühl zu feiern.
Riesig die Wiedersehensfreude schon am Stadioneingang. Organisator Christian Schlup begrüsst die FCG-Legenden, die sich teilweise vor über zehn Jahren letztmals gesehen haben. Die weiteste Anreise hatte sicher der legendäre FCG- und FC‑Solothurn-Physio René de Vries. Dieser kam direkt aus seiner Altersresidenz in Neuseeland zum Treffen. «Jeder einzelne Kilometer hat sich rentiert. Ich bin so glücklich, dass ich das erleben darf», sagt der 64‑Jährige, der nichts von seinem Schalk verloren hat. Er wird von seinen Kollegen sofort in Beschlag genommen. «Weisch no?» lautet das Motto in den nächsten Stunden im Stadion Brühl. Über acht Jahre lang waren die Solothurner Fussballplätze das Zuhause von René de Vries. Unmöglich, all die Erinnerungen in so kurzer Zeit zu verarbeiten. «Ich gehe darum in die Verlängerung und bleibe einige Tage.» Auch dieses wundervoll renovierte Stadion wolle er nochmals besuchen und weitere Kollegen aus früheren Zeiten treffen.
Da wird das zweitletzte Meisterschaftsspiel des FC Grenchen gegen den FC Kappel schnell mal zur Nebensache. Der FCG gewinnt sein vorletztes Heimspiel gleich mit 8:0 Toren.
«Weisch no?»
«Das wäre mir zu langweilig gewesen. Da gibt es ja nichts zu tun», schmunzelt der ehemalige Abwehr-Haudegen Bogdan Gunia. Als er damals direkt aus Polen in Zürich angekommen war, erzählte Gunia von seiner Vorliebe für gut gezuckerten Kaffee mit einer Handvoll Würfelzucker. Als man davon gelesen habe, sei er immer wieder – auch von Spielern aus anderen Clubs – darauf angesprochen worden.
Mit dabei ist auch André Fimian, der sich an die Aufwärmtrainings mit René de Vries erinnert. «Da hast du schon vor Matchbeginn gewusst, was dein Körper an diesem Tag zu leisten hat.» Der frühere YB-Mittelfeldstratege und Interimstrainer des FC Grenchen möchte diese Zeiten nicht missen. Als er vom Cupsieg und der einmaligen Meisterschaft des FCG hört, reibt er sich fast ungläubig die Augen. «Nach 20 Spielen nicht mal zehn Gegentore, dafür ein Plus-Torverhältnis, das man nur selten sieht, ist wirklich sehr eindrücklich.» Und dann holt er gleich aus: «Die spielen in einer anderen Liga. Der FC Grenchen, der Traditionsclub im Kanton, gehört sowieso mindestens in die 1. Liga.»
Eine verschworene Gemeinschaft
Auch der frühere FCG-Goalgetter Jan Przybylo zeigt sich von der Grenchner Offensive absolut begeistert: «Ein Jugoslav Mitrovic erinnert mich an meine besten Zeiten.» Da die Meisterschaftspartie gegen den FC Kappel schnell entschieden ist, konzentriert sich das Interesse der Ehemaligen schon zur Pause wieder auf die vergangenen, glorreichen Zeiten. Jemand hat ein Album mit Artikeln – meist aus dem «Blick» oder dem «SonntagsBlick» – mitgebracht, als der FC Grenchen auf nationaler Ebene für Furore sorgte. Der eine oder andere ehemalige Akteur staunt, wie er damals ausgesehen hat. «Ich muss zugeben, ich war seit über zwölf Jahren nicht mehr im Stadion», gesteht Stefan Knutti. Der ehemalige FCG-Goalie – er war zuletzt bei YB zwischen den Pfosten – geniesst den Blick auf das renovierte Stadion umso mehr. «Da werde ich fast schon sentimental.» Knutti stand vor fast 15 Jahren noch unter Trainer Jochen Dries im Kasten der Grenchner. Unvergessen für ihn das Spiel am 30. Mai 1992 gegen den FC Luzern. Adrian Knup verschoss in letzter Minute einen Penalty. Der FC Grenchen gewann 2:1 und stürzte so den FCL in die Nationalliga B. «Wir hingegen fühlten uns nach dem Sieg mit einem frenetischen Publikum im Rücken wie ein Schweizer Meister.» Der FC Luzern seinerseits gewann nur kurze Zeit später den Schweizer Cupfinal.







