«Freiwilligenarbeit gibt unglaublich viel zurück»

Während über zwei Jahrzehnten stand Ruth Zurschmiede an der Spitze der Mazzinistiftung. Heute engagiert sie sich weiterhin als Vizepräsidentin. Für sie war Freiwilligenarbeit nie eine Pflicht, sondern eine bereichernde Aufgabe, die Freude bereitet und ihr viel zurückgibt.

Ruth Zurschmiede engagiert sich seit über 30 Jahren ehrenamtlich für die Mazzinistiftung Grenchen.Bild: Lisa Bertelle
Ruth Zurschmiede engagiert sich seit über 30 Jahren ehrenamtlich für die Mazzinistiftung Grenchen.Bild: Lisa Bertelle

Die Mazzinistiftung erinnert an den italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini, der während seines Exils in Grenchen im Bachtelen Zuflucht fand. Mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen und weiteren kulturellen Veranstaltungen fördert die Stiftung den kulturellen Austausch zwischen der Region und Italien.

Als Anton Meinrad Meier die Mazzinistiftung 1991 gründete, gehörte Ruth Zurschmiede noch nicht zum Stiftungsrat. Erst 1995 fragte der Gründer sie persönlich an, ob sie sich engagieren möchte. Damals arbeitete sie als Heilpädagogin im Bachtelen. «Ich hatte Freude, etwas Neues auszuprobieren», erinnert sie sich. Als der damalige Präsident Rainer W. Walter 2001 zurücktrat, übernahm sie das Präsidium und leitete die Stiftung während mehr als 20 Jahren.

Was sie motivierte, war nicht ein Titel oder ein Amt. «Das Präsidium war für mich fast Nebensache», sagt sie. Viel wichtiger seien für sie die Begegnungen mit Menschen, die kulturellen Veranstaltungen und die Möglichkeit gewesen, das Programm zu gestalten.

Begegnungen, die in Erinnerung bleiben

Ruth Zurschmiede holte für die Mazzinistiftung Grenchen zahlreiche Künstlerinnen und Künstler nach Grenchen. Im Girardsaal traten unter anderem die Kantorei Solothurn, the nightingales, Les Marmottes, in flagranti, Akin und Andreas Schertenleib, Evelyne Grandy, Bolle und Schaad, Triple Wood, Anna Jeger, Marianne Walker sowie Theo Schaad mit Octagon auf. Für sie sind es vor allem die persönlichen Begegnungen mit den Kulturschaffenden und die Wertschätzung des Publikums, die ihre Arbeit bis heute so besonders machen.

Ebenso prägend waren für sie die gemeinsamen Italienreisen der Stiftung. Einen wichtigen Anstoss dazu gab Pippo Failla, leider inzwischen verstorben, der neue Ideen einbrachte und auf den Spuren Mazzinis Reisen nach Turin, Genua, Rom und Florenz organisierte. «Die Vielfalt der Musik und Kultur sowie die Begegnungen mit den Menschen haben uns bereichert», sagt Zurschmiede.

Freiwilligenarbeit war für sie immer auch mit Verantwortung verbunden. Neben ihrem Beruf investierte sie viele Stunden in die Organisation von Konzerten, plante Programme, pflegte Kontakte und koordinierte gemeinsam mit den anderen Stiftungsratsmitgliedern die Arbeit der Stiftung. Dankbar blickt sie auf die Unterstützung zahlreicher Wegbegleiter zurück. Marcel Probst erstellte jährlich das Budget und die Jahresrechnung. Thomas Frey unterstützte sie bei der Gestaltung der Flyer sowie bei der Durchführung der Konzerte. Angela Kummer leistete mit ihrem Fachwissen als Archivarin einen wichtigen Beitrag zur Archivierung der Kulturgüter des Bachtelen. Heute bringt Christine Zumstein Regolo mit Führungen durch das Mazzinizimmer und ihrer Mithilfe an Veranstaltungen neuen Schwung in die Stiftung. Auch Emanuela Libertini engagiert sich in der Programmgestaltung, während Franco Supino seit Ende 2024 als Präsident die Stiftung mit neuen kulturellen und literarischen Ideen weiterentwickelt.

Abschied von prägenden Wegbegleitern

Zu den schwierigen Momenten ihrer Zeit in der Stiftung gehörten auch schmerzliche Verluste. Im Januar 2013 verstarb Pippo Failla überraschend. Im Februar 2023 verstarb Salvatore Bandiera, der sich ebenfalls engagiert und die Stiftung unter anderem am Grenchner Fest vertreten hatte. Im März 2023 musste die Stiftung zudem Abschied von ihrem Gründer Anton Meinrad Meier nehmen. Ein Jahr später verstarb mit Rainer W. Walter auch der erste Präsident der Stiftung. Ruth Zurschmiede erinnert sich an alle vier als Persönlichkeiten, die die Mazzinistiftung nachhaltig geprägt haben.

Ein Gewinn für die ganze Stadt

Heute engagiert sich Ruth Zurschmiede weiterhin als Vizepräsidentin. Sie freut sich besonders darüber, dass sich inzwischen auch jüngere Menschen in der Stiftung einbringen und neue Ideen entwickeln. Für sie ist das ein Zeichen dafür, dass Freiwilligenarbeit Zukunft hat. Für Grenchen sei dieses Engagement von grosser Bedeutung. «Mit Freiwilligenarbeit kann man den Menschen ein kulturelles Geschenk machen», sagt sie. Viele Angebote wären ohne ehrenamtlichen Einsatz gar nicht möglich. Deshalb hofft sie, dass sich auch künftig Menschen finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, um das kulturelle Leben mitzugestalten.

Allen, die überlegen, sich freiwillig zu engagieren, macht sie Mut. Wer Freude an Kultur, an Begegnungen und an neuen Ideen hat, ist jederzeit willkommen. Denn eines hat sie in all den Jahren gelernt: Freiwilligenarbeit verlangt zwar Zeit und Einsatz, gibt aber mindestens genauso viel zurück.