Grenchen – gestern, heute, morgen von aussen betrachtet

Wie kommt ein Thuner auf die Idee, für eine Jubiläumsausstellung im Museum nach Grenchen zu reisen? Ganz einfach: Pascal Staudenmann, der selbst als freiwilliger Helfer im Museum Münsingen BE tätig ist, ist im Internet zufällig auf das Jubiläumsprojekt gestossen. Kurz vor der Finissage hat er sich einen halben Nachmittag Zeit genommen, um uns seine Eindrücke zu schildern.

Der Thuner Pascal Staudenmann, freiwilliger Mitarbeiter am Museum Münsingen, widmete sich einen halben Nachmittag  lang den beiden Jubiläumsprojekten im Museum Grenchen.  Bilder: Joseph Weibel

Der Thuner Pascal Staudenmann, freiwilliger Mitarbeiter am Museum Münsingen, widmete sich einen halben Nachmittag lang den beiden Jubiläumsprojekten im Museum Grenchen. Bilder: Joseph Weibel

Der Rundfunkempfänger aus dem Grenchen von «gestern» ist dem Besucher aus Thun besonders aufgefallen.

Der Rundfunkempfänger aus dem Grenchen von «gestern» ist dem Besucher aus Thun besonders aufgefallen.

«Es war reiner Zufall: Ich stöbere im Internet immer mal wieder nach aktuellen Ausstellungen in Schweizer Museen. Als freiwilliger Mitarbeiter des Museums Münsingen bin ich natürlich voreingenommen und immer interessiert daran, was in ähnlich grossen Museen passiert. Zur Stadt Grenchen hatte ich bislang eigentlich keinen Bezug, weder direkt noch indirekt. Aber mir war durchaus bewusst, wo Grenchen auf der Landkarte zu finden ist. Als ich dann auf dieses Jubiläumsprojekt stiess, wusste ich: Diese Ausstellung würde ich gerne sehen, zumal die Dauerausstellung noch verlängert worden war.

Was mir bei dieser Ausstellung besonders aufgefallen ist? – Die beiden Ausstellungen bieten einen grossen und guten Einblick in die Geschichte von Grenchen. Interessant war auch, welchen Bezug die Co-Kuratoren und Co-Kuratorinnen beziehungsweise Co-Sammler und Co-Leihgeberinnen und -geber zum entsprechenden Gegenstand haben.

Wenn man mich fragt, ob mir die Objekte von gestern oder jene von heute und morgen besser gefallen, so ist das schwierig zu beurteilen. In beiden Ausstellungen gibt es interessante Gegenstände und Geschichten, sei es im geografischen, geschichtlichen oder politischen Sinne. Wenn ich eingangs gesagt habe, dass mir Grenchen nicht gänzlich unbekannt ist, so liegt das vor allem an der Uhrenindustrie. Grenchen ist gleich Uhren. Hier wird die Swatch produziert. Das weiss man einfach. Dass Grenchen am Jurasüdfuss liegt und einen wichtigen Flughafen hat, ist mir als gebürtigem Münsinger ebenfalls bekannt.

Aber zurück zur Ausstellung. Die ausgestellten Objekte ziehen sich wie ein roter Faden durch die beiden Räumlichkeiten. Bei den 25 Objekten von gestern ist dies wortwörtlich zu nehmen, denn zur Gestaltung wurden rote Möbel ausgewählt. Dadurch strahlt der Raum zumindest optisch eine gewisse Wärme aus.

Von den «gestrigen» Objekten würde ich den Rundfunkempfänger, das Gemälde «Aare mit Grenchen» sowie die Erstausgabe des «Grench(e)ner Stadtanzeigers» auswählen. Von den Objekten von morgen entscheide ich mich für das Raketenmodul, die Uhr- und Temperaturanzeige des Schwimmbads Grenchen sowie die Fasnachtsplakette «Corona» 2021, da ich mich für technische Geräte und deren Fortschritt im Laufe der Jahre, für Texte aus früheren Zeiten und deren Gestaltung sowie für Landschaftsbilder interessiere. An der Solidaritätsplakette gefällt mir die Aussage, dass eine gesellschaftlich schwierige Situation Menschen verbinden kann und dass man den Humor trotzdem nicht verlieren soll. Mir persönlich hilft Humor, um schwierige Zeiten zu überstehen.

Da ich in Münsingen aufgewachsen bin, habe ich einen persönlichen Bezug zu einigen der im Museum ausgestellten Objekten. Während sich das Museum Grenchen auf die Industrialisierung und ihre Auswirkungen auf die Stadt und Region konzentriert, präsentiert das Museum im Schloss Münsingen eine breitere Ortsgeschichte mit archäologischen Funden und dem Nachlass der Puppenspielerin Therese Keller.

Da ich mich generell sehr für Museen interessiere, würde ich sofort wieder eine Reise nach Grenchen unternehmen.»

> Neue Dauerausstellung: «Grenchäologie»

Mit der «Grenchäologie. Vom Schalenstein zur Ritterburg» erweitert das Museum Grenchen seine Dauerausstellung um einen Raum rund um die Archäologie Grenchens. Die Grenchäologie handelt von geheimnisvollen Schalensteinen und Bronzefunden aus der Urgeschichte. Sie zeigt auf, wie es sich vor zweitausend Jahren in der römischen Villa im Eichholz lebte und wie alt die Menschen im Frühmittelalter wurden. Die Grenchäologie macht ausserdem Halt auf der Burg Grenchen und lässt Kinder in einer Spielburg in die Welt der Ritter und Hofdamen eintauchen. Die Ausstellung eignet sich auch für Schulklassen. Mit der Realisation der neuen Dauerausstellung im ersten Obergeschoss folgte die Kantonsarchäologie Solothurn einer Einladung des Museums Grenchen. Ausgehend von der Sammlung des Museums und der Kantonalen Archäologischen Sammlung wurden altbekannte Inhalte auf den neuesten Stand gebracht und mit Lebensbildern, Rekonstruktionen sowie Stationen für Jungforscherinnen und -forscher erweitert.

Vernissage: Freitag, 30. Januar, 18 Uhr, Museum Grenchen, Absyte 3, Grenchen