Holzofenduft mit Tradition
Der Backwarenverkauf des Landfrauenvereins Rüti bei Büren hat Tradition und ist aus dem Dorfleben kaum mehr wegzudenken. Was früher als «Kaffeetrinken» in der Mehrzweckhalle stattfand, wird heute im Ofenhaus beim Pfarrhof neben der Kirche durchgeführt. Geblieben ist das Herzstück des Anlasses: Brot und Züpfen aus dem Holzofen, mit viel Liebe und Handarbeit gemacht. Übermorgen Samstag ist es wieder so weit.
Früher wurde am Samstagnachmittag in der Mehrzweckhalle Kaffee ausgeschenkt, es gab selbst gebackene Torten, belegte Brötchen und eine Tombola. Nach der Coronapandemie und auch aufgrund der Überalterung des Vereins wurde das Konzept angepasst. Seit drei Jahren findet der Verkauf ausschliesslich im Ofenhaus beim Pfarrhof statt. Ab 11 Uhr können die Backwaren direkt vor Ort bezogen werden, nach dem Motto «es het solang s het». Wenn schönes Wetter herrscht, bieten die Landfrauen Kaffee und Kuchen für ein gemütliches Beisammensein an, damit man sich noch etwas austauschen kann.
Ein aussergewöhnlicher Backtag
Der Backtag am Samstag beginnt jeweils früh. Bereits um 4.30 Uhr wird eingeheizt, damit die fünf Frauen des Backteams ab halb sieben mit dem Kneten beginnen können. Rund 50 Kilogramm Teig werden von Hand verarbeitet. Jede Frau knetet selbst etwa zehn bis zwölf Kilogramm Teig. Gebacken werden weisses Brot, Bauernbrot, Ruchbrot, Züpfen sowie das besonders gefragte Früchtebrot. Das Anfeuern der drei Holzöfen ist eine aufwendige Angelegenheit. Zwischen 16 und 20 sogenannten Wedelen werden an einem Backtag benötigt. Diese rund 50 Zentimeter langen Reisigbündel werden im Wald mit der Unterstützung von vier Männern aus dem Dorf und Traktoren gesammelt. «Ohne unsere Helfer wäre der Anlass kaum durchführbar», betont Rosmarie Siegenthaler und drückt ihren herzlichen Dank für deren Mitarbeit aus. Als Dank erhalten die vier Männer jeweils zu Weihnachten selbst gemachte Guetzli.
Bevor das Brot jeweils in den 300 bis 400 Grad heissen Ofen «reingeschossen» wird, wird die Glut sorgfältig verteilt und später herausgenommen. Danach wird der Ofen mit selbst gemachten Besen aus Tannenästen und feuchten Lappen gereinigt. Ist die Ofentür geschlossen, bleibt nur noch das Hoffen. «Bis jetzt ist es immer gut herausgekommen», sagt Tätschmeisterin Brigitta Signorini mit einem Lächeln.
Belegte Brötli auf Vorbestellung
Neben den Broten sind auch die beliebten belegten Brötli im Angebot. Diese können jeweils bis spätestens Montag vor dem Anlass vorbestellt werden (in diesem Jahr war es der 2. März). Angeboten werden Sorten mit Thon, Sellerie, Schinken und Ei. Das Brötliteam berechnet die benötigten Mengen genau, kauft die Zutaten ein und bereitet am Freitag und Samstag alles frisch zu. Rund zehn engagierte Frauen sind allein für die belegten Brötli im Einsatz.
Ein kleines Dessert darf beim Backwarenverkauf natürlich auch nicht fehlen: Die Landfrauen bieten auch noch selbst gemachte Bretzeli und Schlüferli in liebevoll verpackten Säckli an.
Insgesamt zählt der Verein heute noch 32 Mitglieder. Fast alle helfen am Verkaufstag mit, sei es im Backteam, beim Belegen, im Verkauf oder beim Aufräumen. Eine Präsidentin gibt es seit drei Jahren nicht mehr. Die sechs Vorstandsmitglieder teilen sich die Aufgaben gleichmässig untereinander auf. «Wir sind ein gut eingespieltes Team und jede weiss, was zu tun ist», so Vorstandsmitglied Rosmarie Siegenthaler.
Innert einer Stunde ausverkauft
Der Verkauf dauert in der Regel von 11 bis 13 Uhr. Oft bildet sich bereits früh eine Warteschlange. «Das Brot ist meist innert einer Stunde weg», sagt Siegenthaler. Gebacken wird bewusst nur einmal. Was verkauft ist, ist verkauft und bezahlt wird bar. Geschätzt wird insbesondere der Geschmack des Holzofenbrots. «Eine Bäckerzüpfe und eine Holzofenzüpfe kann man fast nicht vergleichen», so die Landfrauen. Jede Frau bringe ihre eigene Handschrift in den Teig ein, und das zeige sich auch in den unterschiedlichen Züpfenformen, seien sie ganz gleichmässig geformt oder mit betonter Spitze.
Engagement für die Region
Der Erlös des Verkaufs kommt gemeinnützigen Institutionen zugute. An der Aprilversammlung entscheidet der Verein jeweils, welche Organisationen unterstützt werden, wie etwa das Skilager Rüti, die Rodania Stiftung, das Blumenhaus, das Worbenheim oder der Mittagstisch. Auch am Suppentag im Herbst beteiligen sich die Landfrauen und backen das Brot zur von der Kirchgemeinde angebotenen Suppe.
Der Nachwuchs bleibt allerdings ein Thema. Die jüngsten Mitglieder sind rund 60 Jahre alt. «Es wäre schön, wenn sich auch jüngere Frauen engagieren würden», sagen die beiden Landfrauen. Was Brigitta Signorini besonders fasziniert, ist das Backen in den grossen Holzöfen und eine alte Tradition weiterzuführen. Der Duft des frischen Brots, das positive Feedback der Kundschaft und das gute Gefühl, gemeinsam etwas für das Dorf zu leisten, ist für die Landfrauen Siegenthaler und Signorini das Schönste am Anlass.
Wer noch nie am Backwarenverkauf war, dem geben die Landfrauen eine klare Empfehlung mit auf den Weg: «So gutes Holzofenbrot gibt es sonst nirgends und so schön belegte Brötli auch nicht.» Es lohnt sich am kommenden Samstag, 7. März, vorbeizuschauen.



