In Lengnau gehen zum dritten Mal die Lichter aus

Morgen Freitag wird es in Lengnau wieder dunkel. Bei der dritten «Nacht der Sterne» lädt die Gemeinde die Bevölkerung dazu ein, auf unnötige Beleuchtung zu verzichten und gemeinsam den Abend unter dem Sternenhimmel zu verbringen. Auf dem Brunnenplatz wartet zudem ein Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Steve Schranz ist Sekretär der Kommission für Gemeindeentwicklung, Wirtschaft, Sport und Kultur Lengnau (GEWIKO) und Mitglied des übergemeindlichen Organisationskomitees der «Nacht der Sterne».Bild: Lisa Bertelle

Steve Schranz ist Sekretär der Kommission für Gemeindeentwicklung, Wirtschaft, Sport und Kultur Lengnau (GEWIKO) und Mitglied des übergemeindlichen Organisationskomitees der «Nacht der Sterne».Bild: Lisa Bertelle

Wenn am Freitag, 11. September, die Dämmerung einsetzt, sollen in Lengnau möglichst viele unnötige Lichter ausgeschaltet bleiben. Die Gemeinde beteiligt sich bereits zum dritten Mal an der kantonsweiten «Nacht der Sterne», die auf die zunehmende Lichtverschmutzung aufmerksam machen will. Denn künstliches Licht erhellt den Nachthimmel, beeinträchtigt die Natur und erschwert den Blick auf die Sterne.

Fast, aber nicht ganz dunkel

Ganz dunkel wird es in Lengnau allerdings nicht werden. Weil auf kantonaler Ebene die notwendige Rechtsgrundlage fehlt, darf die Strassenbeleuchtung auf den Kantonsstrassen in diesem Jahr nicht ausgeschaltet werden, wie es in den vorherigen zwei Jahren möglich war. In einzelnen Quartieren, die nicht an einer Kantonsstrasse liegen, bleibt die Beleuchtung hingegen aus. Die Einwohnerinnen und Einwohner werden zudem dazu aufgerufen, private und gewerbliche Beleuchtungen wie Schaufenster, Gartenbeleuchtungen oder Leuchtreklamen für eine Nacht abzuschalten.

«Es ist ein kleiner Beitrag gegen die Lichtemissionen», sagt Steve Schranz, Sekretär der Kommission für Gemeindeentwicklung, Wirtschaft, Sport und Kultur (GEWIKO) und Mitglied des übergemeindlichen Organisationskomitees. Gleichzeitig gehe es darum, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Gerade für Tiere und die Biodiversität könne die zunehmende künstliche Beleuchtung problematisch sein.

Strom abschalten und zusammen sein

Dass die «Nacht der Sterne» trotz der veränderten Rahmenbedingungen weiterhin in Lengnau stattfindet, ist für Schranz wichtig. Im ersten Jahr sei der Effekt besonders eindrücklich gewesen: «Keine Strassenlaternen und nur noch einzelne Lichter an Häusern, das war schon eindrücklich.» Auch in diesem Jahr soll deshalb möglichst viel unnötige Beleuchtung verschwinden.

Treffpunkt im Dorf

Der Aufwand für die Gemeinden ist allerdings grösser geworden. Aufgrund verschiedener Auflagen, insbesondere für das Ausschalten der Beleuchtung auf Kantonsstrassen, beteiligen sich inzwischen deutlich weniger Gemeinden im Kanton Bern. Viele hätten sich deshalb gegen eine weitere Durchführung entschieden, erzählt Schranz. Lengnau wolle dennoch weitermachen. Auch wenn sich nicht jede Lichtquelle abschalten lasse, sei es ihm wichtig, den Anlass als Treffpunkt im Dorf zu erhalten.

Für die Sicherheit in den dunklen Quartieren wird zusätzlich eine Sicherheitspatrouille unterwegs sein. In den vergangenen Jahren habe es trotz der Dunkelheit keine negativen Vorfälle gegeben, sagt Schranz. Auch Firmen beteiligten sich an der Aktion: So wird beispielsweise die Beleuchtung bei einem der Unterstützer des Anlasses, Thermo Fisher Scientific, so weit gedimmt, wie es sicherheitstechnisch möglich ist.

Sterne und ein Blick durchs Teleskop

Doch der Anlass ist längst mehr als ein gemeinsames Ausschalten von Lichtern. Auf dem Brunnenplatz und rund um die Mühle soll die «Nacht der Sterne» zu einem ungezwungenen Treffpunkt für die Bevölkerung werden. Bereits ab 18 Uhr können im Mühlesaal am Mühleweg 12 Sternlaternen gebastelt werden. Im Mühlegarten wird um 19 und 20 Uhr im Beduinen-Sternenzelt die Geschichte «Nele und die Nacht der Sterne» erzählt. Zudem können auf dem Weg von der Mühle zum Brunnenplatz an fünf Standorten Sterne mit Friedensbotschaften entdeckt und mitgenommen werden.

Neu dabei ist dieses Jahr der Astrofotograf Marcel Bissegger aus Safnern. Unter dem Titel «Sternenfreund» erzählt er um 21 Uhr auf dem Brunnenplatz in einem Vortrag über Sternbilder, den Mond und die Sonne. Nach Einbruch der Dunkelheit können die Besucherinnen und Besucher zudem durch sein Teleskop den Sternenhimmel über Lengnau beobachten. Auch der Jugendtreff OJKA ist mit einem eigenen Angebot auf dem Brunnenplatz vertreten. Geplant sind verschiedene Spiele, eine Grillstelle und ein Sternen-Memory. Daneben bleibt auch Zeit zum Entspannen, Austauschen und Zusammensein.

Für die Verpflegung ist ebenfalls gesorgt. Angeboten werden Wurst und Brot sowie Kaffee und Kuchen. Während für die Verpflegung ein kleiner Kostenbeitrag erhoben wird, sind das Sternegucken, Basteln und die übrigen Angebote kostenlos. Von 18 bis etwa 23 Uhr soll die «Nacht der Sterne» so Menschen unterschiedlichen Alters zusammenbringen.

Ein Treffpunkt für Jung und Alt

Die Organisatoren rechnen mit rund 200 bis 300 Besucherinnen und Besuchern. Besonders schön findet Schranz, dass der Anlass Menschen unterschiedlichen Alters zusammenbringt. «Es ist ein Anlass, bei dem sich Jung und Alt im Dorf treffen können», sagt er. Gerade weil die «Nacht der Sterne» im Kanton Bern aufgrund des grossen organisatorischen Aufwands mittlerweile von deutlich weniger Gemeinden durchgeführt werde, sei es Lengnau wichtig, daran festzuhalten.

Für Schranz soll der Anlass deshalb auch in Zukunft bestehen bleiben. Ob die Aktion die Lichtverschmutzung nachhaltig reduzieren könne, sei zwar schwer abzuschätzen. Dennoch lohne sich die Durchführung: «Es ist ein kleiner Beitrag für die Lichtemissionen, aber auch ein Anlass, bei dem sich die Leute im Dorf treffen können.»