Kleinarbeit, die nicht umsonst ist
Wenn im Frühling Frösche und Kröten zu ihren Laichgewässern wandern, beginnt für viele von ihnen ein gefährlicher Weg. Strassen, Schächte und andere Hindernisse werden ihnen oft zum Verhängnis. Doch dank engagierter Freiwilliger erhalten jedes Jahr Hunderte Amphibien eine zweite Chance. Zu diesen Retterinnen und Rettern gehören auch Mitglieder des Vogel- und Naturschutzes Grenchen: Allein im vergangenen Jahr bewahrte der Verein rund 400 Frösche und Kröten vor dem sicheren Tod.
Eine der freiwilligen Helferinnen ist die Grenchnerin Catherine Fischer. Zweimal pro Woche besucht sie oder andere Freiwillige die ARA Grenchen, befreit dort Frösche und Kröten aus einem Plastikbehältnis. Die Amphibien werden mit dem Flutwasser aus Schächten in die ARA angeschwemmt und dort auf natürliche Weise zu einer Ausstiegshilfe angeschwemmt. Nicht alle schaffen das. Aber die Erfolgsquote zeigt, dass diese wertvolle Kleinarbeit nicht umsonst ist.
Der Vogel- und Naturschutz koordiniert die Aktion «Amphibienrettung» seit 2016. Catherine Fischer ist seit 2023 dafür zuständig. In ihrem ersten Jahr waren es 282 Frösche und Kröten, die ausgesetzt werden konnten; 2024 399 und letztes Jahr 288, davon fast 90 von den stark gefährdeten Kreuzkröten. Das Team um Catherine Fischer macht diese freiwillige Arbeit zwei Mal in der Woche von März bis Oktober und einmal pro Woche in den Wintermonaten. Wir haben die Helferin an einen dieser Einsätze begleitet. Im Moment sei die Kreuzkröte trotz der Hitzewelle aktiv, sagt Catherine Fischer und zeigt auf ihren heutigen Fund: Zwei Kreuzkröten hat sie aus dem Plastikbehältnis gefischt. «Es kam auch vor, dass ganze 100 Tiere angeschwemmt wurden, aber meist sind es nur eines oder zehn.» Sie «siedelt» sie um in eine Kühlbox und wird sie anschliessend im Egelsee aussetzen. Der Egelsee Süd ist Teil eines hufeisenförmigen, ehemaligen Aarelaufs nordwestlich von Staad. Er ist ins Gelände eingetieft und bildete vormals ein sehr wertvolles Feuchtbiotop in der Grenchner Witi. Im Hupperweiher in Lengnau werden vor allem die Erdkröte, der Grasfrosch sowie der Berg- und Fadenmolch ausgesetzt. In der Nähe vom Familiengarten-Areal in Grenchen findet die Geburtshelferkröte – oder: Glögglifrösch, wie sie volkstümlich liebevoll genannt wird – eine neue Heimat.
Jedes Lebewesen hat seine Zweckbestimmung auf diesem Planeten. Die Antwort bei Amphibien: Sie sind, wie etwa Frösche, unverzichtbare Bestandteile des Ökosystems und dienen der natürlichen Schädlingsbekämpfung. Sie fressen Insekten und Schnecken und sind, ihrerseits, eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Fische und Reptilien, dem natürlichen Kreislauf geschuldigt. In der Witi-Schutzzone zwischen Solothurn und Grenchen heisst das konkret: die Erhaltung der offenen Ackerlandschaft sowie eine naturnahe Bewirtschaftung, die auch Lebensraum bietet für Tiere und Pflanzen, insbesondere verschiedene Amphibienarten, wie aus dem Erfolgskontrolle-Bericht zum «Aktionsprogramm Riedförderung Grenchner Witi 2011 – 2015» aus dem Jahr 20231 hervorgeht.
Teil des Programms ist auch die Wiederansiedlung des Laubfroschs. Der Laubfrosch verschwand in den 70er- Jahren aus der Witi. In Zusammenarbeit mit dem Natur- und Tierpark Goldau SZ läuft seit 2014 ein Versuch der Wiederansiedlung. Die bisherigen Erfolgskontrollen würden einen positiven Verlauf zeigen, steht weiter im Bericht.
Und das heisst? In einer Zusammenfassung im Bericht steht: «Die Erfolgskontrolle 2023 zeigt auf, dass sich die Laubfrosch-Population in der Grenchner und Selzacher Witi zahlenmässig vergrössert und weiter ausgebreitet hat.» Im Berichtsjahr sei aber durch die langen Trockenphasen der Fortpflanzungserfolg zum Teil empfindlich beeinträchtigt worden. Auch die Kreuzkröte hat sich dank des Aktionsprogramms in der Witi tendenziell wieder ausgebreitet. Dennoch ist die Reproduktionsrate deutlich gesunken. Auch diese Art leidet unter den Folgen der wiederkehrenden Hitzewellen. Umso wichtiger ist es, so viele Individuen wie möglich aus der ARA zu retten.
Für Helferinnen und Helfer wie Catherine Fischer vom Vogel- und Naturschutz Grenchen gehen die Bemühungen weiter. Sie und andere werden weiterhin zwei Mal in der Woche die Plastikbehältnisse bei der ARA Grenchen prüfen, Kröten und Frösche, die vom Ausstieg in diese Behältnisse gelangt sind, in die geeigneten Lebensräumen aussetzen. Catherine Fischer freut sich über die Erfolge, dass auch immer mehr Abwasserschächte mit Ausstiegshilfen versehen sind. Ganz zufrieden ist sie noch nicht. «Wir hoffen immer noch, dass bei der ARA unser Anliegen Gehör findet, eine Ausstiegshilfe vor den Schrauben am Eingang zur ARA bereitzustellen. Damit würden noch etliche Kröten und Frösche mehr vor dem sicheren Tod gerettet.»
¹ Bericht «Aktionsprogramm Riedförderung Grenchner Witi 2011 – 2015: Erfolgskontrolle der Zielarten Laubfrosch und Kreuzkröte» aus dem Jahr 2023 von Esther Schweizer, Umweltingenieurin FH, Regionalvertretung karch Kanton Solothurn Nordost.
Gerettete Tiere 2021 bis 2025
Tierart 2021 2022 2023 2024 2025
Erdkröte 99 103 60 97 79
Grasfrosch 91 82 91 125 62
Bergmolch 63 61 61 54 45
Kreuzkröte 438 206 59 90 87
Geburtshelferkröte 7 5 5 11 4
Gelbbauchunke 16 3 10 9 4
² Total 723 467 282 399 288
² Es sind nicht alle Frosch- und Krötenarten aufgeführt.







