Offener Brief an den Gemeinderat der Stadt Grenchen

War es das wirklich?

Gölä trat letzten Samstag vor einem begeisterten Publikum im Rahmen des «Heimatobe» im Festival-Gelände in Grenchen auf. Auch dieses Nachkonzert würde es künftig nicht mehr geben. Bild: Carole Lauener

Zum vierten Mal stand die Region Grenchen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zahlreicher Openair-Fans. Zum vierten Mal ist es den Veranstaltern gelungen, weltbekannte Künstlerinnen und Künstler nach Grenchen zu holen und wieder 25’000 Besucherinnen und Besucher zu begeistern. Das Summerside Festival und der Heimatobe haben sich in den vergangenen Jahren zu Anlässen mit überregionaler Ausstrahlung entwickelt und unsere Region weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt gemacht. Dafür haben die Veranstalter viel Geld investiert!

Umso mehr hat die Nachricht überrascht, dass der Gemeinderat entschieden hat, die bisherige Unterstützung beziehungsweise die Rahmenbedingungen für die weitere Durchführung des Festivals nicht fortzuführen. Dieser Entscheid wurde zudem ohne Einbezug wichtiger direkt betroffener Gremien gefällt. Dies wirft Fragen hinsichtlich der politischen Mitwirkung und der Einbindung relevanter Anspruchsgruppen auf.

Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, weshalb dieser Schritt notwendig war und ob dabei die Bedürfnisse und Erwartungen der Bevölkerung ausreichend berücksichtigt wurden. Die Reaktionen der vergangenen Tage zeigen jedenfalls, dass Anlässe wie das Summerside Festival und der Heimatobe für viele Menschen einen wichtigen gesellschaftlichen und kulturellen Wert haben. Aus diesem Grund haben am Festival 4’000 Besucherinnen und Besucher eine Petition des Veranstalters unterzeichnet. Die Petition wird online unter petitio.ch fortgeführt, bevor sie eingereicht wird mit dem Wunsch an den Gemeinderat, dass das Summerside-Festival und der Heimatobe in Grenchen bleiben sollen.

Einige Tausend Menschen bitten den Gemeinderat deshalb also höflich, den Entscheid nochmals zeitnah zu überdenken und die Gründe, die dazu geführt haben, sorgfältig zu analysieren. Wo Herausforderungen oder Belastungen bestehen, sollten nach Möglichkeit gezielt Lösungen gesucht werden. Es wäre bedauerlich, wenn aufgrund einzelner Schwierigkeiten der gesamten Bevölkerung kulturelle Veranstaltungen mit nationaler Ausstrahlung und grosser Bedeutung für die Region verloren gingen. Solche Veranstaltungen bringen nicht nur Gäste in unsere Region und stärken deren Bekanntheit, sondern fördern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Heimat. Gerade in einer Zeit, in der gemeinsame positive Erlebnisse immer wichtiger werden, leisten kulturelle Grossanlässe einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben.

Grenchen hat in den letzten Jahren gezeigt, dass es solche Anlässe erfolgreich durchführen kann. Es wäre erfreulich, wenn gemeinsam Wege gefunden würden, damit auch künftig kulturelle Highlights stattfinden können, die Menschen verbinden, unsere Region stärken und Grenchen als lebendigen Standort positionieren.

Bei einer Gesamtabwägung ergeben sich für Grenchen grosse Chancen bei vergleichsweise überschaubaren Risiken. Deshalb sollte das Ziel nicht die Verhinderung solcher Anlässe sein, sondern die konstruktive Gestaltung der Rahmenbedingungen, damit deren Nutzen für die Region langfristig erhalten bleibt.

Freundliche Grüsse

Mike Brotschi, ehemaliger Verantwortlicher für Kultur, Sport und Freizeit / Standortförderung.

Weitere Informationen unter www.grenchenevents.ch/summerside