Ostern bringt Hoffnung und neue Zuversicht
Ostern ist das höchste und wichtigste christliche Fest, an dem die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gefeiert wird. Es ist der Höhepunkt des Kirchenjahres, der den Glauben an ein Leben nach dem Tod begründet. Pastoralleiterin Gudula Metzel (Pastoralraum Wandflue) und Pfarrer Stephan Hagenow von der reformierten Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach haben ihre ganz persönlichen Gedanken zum Osterfest niedergeschrieben.
Die Karwoche beginnt bereits am Sonntag, 29. März 2026, mit dem Palmsonntag. Der Name erinnert an den Brauch, an diesem Tag Palmzweige zum Gottesdienst mitzunehmen. In der römisch-katholischen Liturgie steht die Segnung der Zweige im Mittelpunkt.
Der Gründonnerstag erinnert an das letzte Abendmahl, das Jesus mit den Jüngern gefeiert hat. Das Wort «Grün» hat unter anderem die Deutung für das Erwachen der Natur im Frühling und das Grünwerden der Pflanzen.
Der Karfreitag ist der Überlieferung nach der Todestag Jesu. Karfreitag ist vor allem auch ein hoher Feiertag der evangelisch-reformierten Kirche.
Am Ostersamstag wird am Abend das Osterfeuer entzündet.
Die Auferstehung von Jesus wird am Ostersonntag gefeiert – als Höhepunkt der Karwoche. Dabei spielt die Osterkerze eine besondere Rolle. In ihr vereinen sich griechische, jüdische, römische und christliche Lichttradition. Der abschliessende Ostermontag steht im Zeichen der Familie mit gemeinsamen Feierlichkeiten.
Pfarreileiterin Gudula Metzel (Pastoralraum Wandflue Grenchen/Bettlach):
Die vielen Krisen sind angesichts eines befreiten österlichen Lebens unerträglich
«Wenn die Christenheit in den kommenden Tagen und Wochen Ostern feiert, dann hält sie nicht ein bei der Schmerzgrenze des Todes und der Traurigkeit. Wenn die Christenheit Ostern feiert, dann hören die Menschen mitten in einer kirchendistanzierten und säkular gewordenen Gesellschaft ein Wort weiter, einen Atemzug mehr, etwas, was über die Traurigkeit hinausgeht. Ostern feiernde Menschen greifen im Leeren nach der Osterblume.
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, fragt man sich auch: Wo ist die/der Verstorbene jetzt? Und was geschieht eigentlich in der Stunde des Todes? Die einen sagen, sie hätten ein Licht gesehen. Andere erzählen, es waren da Menschen, der Sohn, der Ehemann oder die Eltern, die ihnen begegnet sind.
Mit dem Osterfest sagt die Kirche: Wir werden nicht alleine sein. Gott kennt die Seinen beim Namen, Gott führt sie auch durch den Tod und macht weit ihr Leben. Die Osterbotschaft erfahren Menschen durch die Apostolin Maria von Magdala. Da war diese Begegnung an jenem Ostermorgen: Er ist ihr begegnet! Während die Blicke noch voller Verzweiflung bei den Gräbern des Todes suchten, sprach er sie an: «Maria.» Die Blicke sollten sich von den Gräbern lösen und in ein unbedrohtes, vertrauensvolles, weit gewordenes Leben schauen dürfen. Der Tod hatte seine Macht verloren. Das Leben hat den Tod besiegt.
Die Begegnung der Maria von Magdala will helfen, dass Menschen heute und morgen aufstehen gegen die vielen Schmerze und Tode, welche sich Menschen einander zufügen. Die vielen Kriege, welche die eine Menschheitsfamilie in Gut und Schlecht, in Freund und Feind einteilen, sind angesichts eines befreienden österlichen Lebens ganz und gar unerträglich. Auferstehung kommt von «aufstehen»: Rice up gegen die vielen Widerstände des Lebens und der Welt!
Die Kirche tut deshalb viel Gutes. Sie ist in unserer Gesellschaft da für die Menschen, die traurig sind, für Kinder und Jugendliche, für diejenigen ohne Heimat, für die Gefangenen und jene, die alt geworden sind oder im Spital Hilfe benötigen. Sie ist ökumenisch unterwegs – auch im Kanton Solothurn –, zusammen mit den anderen Landeskirchen tut die Kirche gut! Weltweit wird die Kirche nie mehr einen Krieg gutheissen können. Wenn das keine Relevanz für die Gesellschaft besitzt!
Die Osterbotschaft ist bedeutsam – nicht nur für das persönliche Leben, sondern auch für unsere Gesellschaft in dieser krisengeschüttelten Zeit.
Stehen wir deshalb auf und entzünden wir in der Osternachtsfeier das Osterlicht an der Osterkerze. Sie brennt für den Auferstandenen. Suchen wir mit unseren Kindern in österlicher Freude die bunten Ostereier – sie stehen für das Leben. Und geniessen wir nach der Fastenzeit den Schokoladeosterhasen. Hasen, sie hoppeln nämlich mit ihren langen Hinterbeinen besser den Berg hinauf gen Himmel als den Berg hinab.
Pfarrer Stephan Hagenow (reformierte Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach):
Österliche Kräfte waren im Verborgenen am Werk
«Vor vier Jahren erlebte ich an Ostern eine ganz persönliche ‹Auferweckung›. Nach einer zunächst mild verlaufenen Covid-Infektion trat plötzlich eine einseitige Gesichtslähmung auf. Innerhalb weniger Stunden konnte ich mein rechtes Auge nicht mehr schliessen, Sprechen und Essen war stark eingeschränkt, der Geschmackssinn verschwunden, Geräusche auf dem rechten Ohr waren kaum erträglich. Die Diagnose im Inselspital war klar: eine bekannte Folge der Infektion. Die Therapie ebenso ernüchternd – abwarten. Zehn Tage lang geschah nichts. Es war eine Zeit grosser Unsicherheit. Würde ich je wieder normal aussehen? Meinen Beruf weiter ausüben können, wo Sprache das wichtigste Handwerkszeug ist? Nachts musste das Auge verklebt und ständig geträufelt werden, damit es nicht austrocknete. Bis zur letzten Minute wartete und betete ich, dass ich den Gottesdienst in der Osternacht halten könnte. Die Vertretung war schon parat.
Doch dann, am Dienstag vor der Osternacht, plötzlich ein heisses Gefühl in der betroffenen Wange, der erste Nerv meldete sich zurück. Bis Samstagabend war ich so weit einsatzbereit, dass ich mit viel Unterstützung der Gemeinde den Gottesdienst in wesentlichen Teilen halten konnte. Ein besonderes Auferweckungserlebnis an Ostern für mich. Die Sinne kehrten zurück, auch wenn es noch Monate dauerte, bis alles wieder normal war. Die österlichen Kräfte waren im Verborgenen am Werk, während alles rundum gelähmt und tot schien mit ungewissem Ausgang.
Was wie Stillstand gewirkt hatte, war in Wahrheit ein verborgener Prozess. Ostern ist der Sieg über den Tod und setzt seitdem immer wieder Hoffnung frei, gerade in einer Zeit, die von irrsinnigen Kriegen und Konflikten geprägt ist. Die Vorstellung der Auferweckung kann als Hoffnung verstanden werden, dass dort, wo Menschen keine Kraft mehr sehen, neues Leben und neue Perspektiven von aussen geschenkt werden. Ostern erinnert daran, dass Gewalt und Zerstörung nicht das letzte Wort haben müssen. Ostern widerspricht der Logik von Gewalt und Zerstörung. Es setzt darauf, dass das Leben stärker ist. Die Auferstehung wiederum steht sinnbildlich für die Fähigkeit, selbst in dunkelsten Momenten Widerstandskraft und Erneuerung zu finden. Ostern führt zum Frieden, unaufhaltsam, teils im Verborgenen – bis es den Nerv des Lebens zum Glühen bringt.
Ich wünsche Ihnen ein fröhliches und zuversichtliches Osterfest!»
> Wachen und Beten in Bettlach
In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag verdichtet sich das Geschehen der Passion: Gemeinschaft und Abschied, Vertrauen und Verrat, Angst und Hingabe.
Die Jünger schlafen – Jesus aber wacht und ringt mit dem, was auf ihn zukommt.
In der Klemenzkirche in Bettlach bietet der Pastoralraum Wandflue ein Wachen und Beten von Donnerstag, 2. April 2026, 21 Uhr, bis am Freitagmorgen um 7 Uhr. Musik, meditative Impulse, gemeinsames Singen und Gebete helfen, seinen Weg in dieser Nacht mitzugehen. «Ob für eine Stunde oder die ganze Nacht – alle sind eingeladen, Jesus auf seinem Weg zu begleiten», steht im Kirchenblatt der katholischen Kirchen im Kanton Solothurn.
Die verschiedenen Feierlichkeiten in den Kirchen von Grenchen und Bettlach sind in den Pfarrblättern und auch in dieser Zeitung zum gegebenen Zeitpunkt aufgelistet.





