Schafschau in Selzach: Wolle, Noten und Geselligkeit

Sie sind längst Tradition: die Schafschauen in der Schweiz, die jeweils im Herbst und im Frühling stattfinden. Züchter präsentieren ihre Tiere und lassen sie von Experten beurteilen – so auch kürzlich in Selzach. Wir haben den Schafen dabei etwas genauer auf die Wolle geschaut.

Der Aufzug von 140 Schafen beim Werkhof in Selzach. Sie alle werden von Richtern mit drei Noten bewertet: für Typ, Bein und Wolle. Eine Schafschau im Frühling und im Herbst zieht jeweils neben den Züchtern auch viele Zaungäste an.

Der Aufzug von 140 Schafen beim Werkhof in Selzach. Sie alle werden von Richtern mit drei Noten bewertet: für Typ, Bein und Wolle. Eine Schafschau im Frühling und im Herbst zieht jeweils neben den Züchtern auch viele Zaungäste an.

Lachende Gesichter noch vor dem grossen Ansturm in der Festwirtschaft im Selzacher Werkhof (von links): Beat Geissbühler und Rolf Marti von der Männerriege Selzach sowie Tina Zuber vom Schafzuchtverein Grenchen-Selzach-Solothurn und Umgebung.

Lachende Gesichter noch vor dem grossen Ansturm in der Festwirtschaft im Selzacher Werkhof (von links): Beat Geissbühler und Rolf Marti von der Männerriege Selzach sowie Tina Zuber vom Schafzuchtverein Grenchen-Selzach-Solothurn und Umgebung.

Jedes Tier erhält drei Bewertungen. Bilder: Joseph Weibel

Jedes Tier erhält drei Bewertungen. Bilder: Joseph Weibel

Richter Marcel Oesch (links) bewertet das von Stephan Meister vorgeführte Schaf.

Richter Marcel Oesch (links) bewertet das von Stephan Meister vorgeführte Schaf.

Andi Wampfler bringt ein Schwarznasenschaf zur Bewertung.

Andi Wampfler bringt ein Schwarznasenschaf zur Bewertung.

Da stehen sie in Reih und Glied auf der Freifläche des Werkhofs in Selzach: Rund 140 Schafe wurden zur Schau angemeldet. Die Züchter mit ihren Vierbeinern gehören zu noch drei bestehenden Schafzuchtvereinen in der Region. Jedes Tier trägt eine Nummer und steht zusammen mit seinen Artgenossen in Reih und Glied.

Auf dem Gelände treffen wir unter anderem auf Lorenz Tassera. Der Tierarzt züchtet selbst Schafe und amtet zudem als Kassier des kantonalen Schafzuchtverbandes. Traditionell gebe es für diesen Anlass drei Schauplätze im Kanton. In Selzach sind verschiedene Rassen vertreten: das Weisse Alpenschaf, das Braunköpfige Fleischschaf – zugleich die Hauptrasse –, das Schwarzbraune Bergschaf, Suffolk, eine englische Rasse, das Walliser Schwarznasenschaf sowie das Charollais-Schaf. Die Unterschiede zwischen den Rassen sind für Laien auf den ersten Blick nicht immer offensichtlich. Mit den entsprechenden Erklärungen werden sie jedoch schnell erkennbar.

Nach einer Weile kommt Bewegung in den Werkhof. Die Richter lassen sich die Tiere vorführen und nehmen jedes einzelne genau unter die Lupe. Bewertet werden drei Kriterien: Typ, Beine und Wolle. Schafe, die jünger als zwei Jahre sind, können maximal die Note fünf erreichen, bei älteren Tieren liegt die Höchstnote bei sechs.

Hat jedes Schaf seine Bewertung erhalten und trägt diese gut sichtbar am entsprechenden Zettel, werden die Züchter aufgerufen. Wer mit einer Benotung nicht einverstanden ist, kann bei den Richtern Einsprache erheben. In Selzach macht davon allerdings niemand Gebrauch.

Damit geht es nahtlos vom offiziellen Teil zum gemütlichen Beisammensein über. Die Organisatoren haben den Innenbereich des Werkhofs kurzerhand in eine Festwirtschaft verwandelt. Serviert werden Grilliertes und – passend zur Jahreszeit – Schafpfeffer mit Kartoffelstock und Rotkraut. Zum Kaffee, mit oder ohne «Güggs», gibt es selbst gebackenen Kuchen.

Der kulinarische zweite Teil findet bei den Züchtern ebenso grossen Anklang wie bei den zahlreichen Zaungästen. Und so zeigt sich einmal mehr: Bei einer Schafschau geht es längst nicht nur um Noten, Wolle und Rassen – sondern auch um Begegnung und geselliges Beisammensein. Noch mehr Zaungäste ziehen die Demonstrationen einer Schafschur an.

Eine kleine «Schafkunde»

Weisses Alpenschaf: Die Tiere haben eine gute Milchleistung, wodurch die Lämmer rasch wachsen. Das Weisse Alpenschaf wird vor allem für die Fleischproduktion gehalten.

Braunköpfiges Fleischschaf: Die robusten Tiere eignen sich gut für die Haltung auf der Alp. Sie sind ruhig und zutraulich und gehören zu den schwersten Schafrassen der Schweiz.

Schwarzbraunes Bergschaf: Die Rasse ist bereits seit dem 14. Jahrhundert in der Schweiz bekannt. Ursprünglich für ihre dunkle, feine Wolle von hoher Qualität gezüchtet, haben diese Schafe heute eine gute Milch- und Fleischleistung.

Walliser Schwarznasenschaf: Eine der bekanntesten Schafrassen der Schweiz. Mit ihrem weissen Wollkleid und den schwarzen Partien an Nase, Augen, Ohren, Vorderknien und Füssen sind sie sehr auffällig.

Charollais-Schaf: Die hornlose Fleischrasse stammt aus Charollais in Frankreich. Die Lämmer kommen mit sehr kurzer Wolle auf die Welt und brauchen entsprechend Witterungsschutz.

Suffolk-Schaf: Kommt ursprünglich aus England. Es ist hornlos, und man hält diese Rasse vor allem für die Fleischproduktion.

(Quelle: www.schweizerbauern.ch)