«Seid sorgsam mit dem Wald!»

Der Frühling zeigt sich im Grenchner Wald von seiner schönsten Seite – frisches Grün, milde Temperaturen, der Duft von Erde und Holz. Doch zwischen all dem Erwachen liegen auch Bilder, die nachdenklich stimmen: Mitten im Wald steht plötzlich ein halbes Wohnzimmer. Bett, Matratzen, einfach entsorgt.

Kein schönes Bild – «Entsorgungshof» Wald.Bilder: zvg/Joseph Weibel

Kein schönes Bild – «Entsorgungshof» Wald.Bilder: zvg/Joseph Weibel

Revierförster Patrik Mosimann zeigt das Plakat mit dem Aufruf, Drohnen nicht während der Brutphase der Felsenbrüter fliegen zu lassen.

Revierförster Patrik Mosimann zeigt das Plakat mit dem Aufruf, Drohnen nicht während der Brutphase der Felsenbrüter fliegen zu lassen.

Die Holzerhütte der Bürgergemeinde wurde zum Selbstbedienungsladen von Holzspalten.

Die Holzerhütte der Bürgergemeinde wurde zum Selbstbedienungsladen von Holzspalten.

Bild der verbrannten Eichenbank.

Bild der verbrannten Eichenbank.

Was als Ort der Erholung gedacht ist, wird zur Abladefläche bzw. wilden Deponie. Rund um die Feuerstellen häufen sich Büchsen, Verpackungen, Flaschen und Zigarettenstummel. Besonders dreist: Bei der Holzerhütte der Bürgergemeinde verschwinden grosse Mengen Brennholz. Ganze drei Ster wurden entwendet und offenbar in öffentlichen Feuerstellen verheizt. Selbst vor Inventar wird nicht Halt gemacht – kürzlich wurde eine massive alte und drei Meter lange Eichenbank bei der Feuerstelle Holzerhütte kurzerhand verbrannt.

«Der Frühling bringt viel Schönes. Doch er zeigt auch, wie sorglos manchmal mit unserer Natur umgegangen wird», sagt der Grenchner Revierförster Patrik Mosimann. Er hat sowohl von der kürzlich entdeckten wilden Deponie als auch von der alten, massiven Eichenbank Bilder gemacht, die nach einer abendlichen Privatfeier an der Feuerstelle bei der Holzerhütte beschädigt wurde.

Eher die Ausnahme ...

Zum Glück sei das Vorkommnis mit dem Hausrat, der kürzlich im Wald entsorgt wurde, nicht die Regel, sondern die Ausnahme. «Ein ähnlicher Fall ereignete sich bereits im Sommer 2025. Dank Adressetiketten auf ebenfalls entsorgten Kartons konnten die vermeintlichen Verursacher ermittelt werden. Die Personen aus dem unteren Kantonsteil waren jedoch nicht direkt verantwortlich. Sie hatten den zu entsorgenden Hausrat in gutem Glauben jemandem zur Entsorgung übergeben. Dieser sparte sich die Kosten und wählte stattdessen den abgelegenen Grenchner Wald als ‹Gratis-Entsorgungshof›.»

Acht öffentliche Feuerstellen

Patrik Mosimann will jedoch nicht lamentieren. «Ich stelle fest, dass sich die Waldbesucherinnen und -besucher sowie die Nutzer öffentlicher Feuerstellen in der Regel achtsam verhalten.» Kleinabfälle – vor allem Dosen, Zigarettenstummel oder Plastik – finde man zwar immer wieder. Das sei ärgerlich, aber kein Grund zur Aufregung. «Es ist leider eine Zeiterscheinung, dass man den einfacheren Weg wählt, anstatt Abfälle mitzunehmen und zu Hause zu entsorgen.» Mosimann spricht dabei insbesondere von Aufenthaltsorten ohne Abfallcontainer. Bei der Feuerstelle Holzerhütte sowie an verschiedenen anderen Orten stehen jedoch grosse Kunststoffcontainer zur Verfügung, in denen Abfälle problemlos entsorgt werden können. Im Grenchner Wald und auf dem Grenchenberg gibt es insgesamt acht Feuerstellen.

Achtung vor einem grossen Waldbrand

Als besonders problematisch erachtet Mosimann Littering während längerer Trockenperioden. «Wenn aus dem Auto oder auch auf einer Wanderung noch brennende Zigaretten achtlos am Strassenrand in den Wald geworfen werden, kann das am steilen Jurasüdhang schnell zu einem Grossbrand führen.» Beim Gedanken an den kürzlichen Grossbrand im Puschlav schaudere es ihn. «Dabei wäre es doch so einfach: Man verlässt die Natur so, wie man sie angetroffen hat – vor allem mit dem nötigen Respekt.» Dabei denkt er auch an Wildtiere, die auf Futtersuche unbedarft mit weggeworfenem Abfall in Kontakt kommen könnten.

Felsenbrüter nicht stressen

Er holt ein Plakat aus dem Büro, das in diesen Tagen vielerorts ausgehängt wird. Es richtet sich an Private, die auf den Berghängen Drohnen fliegen lassen. Für Felsenbrüter wie Uhu, Wanderfalke, Kolkrabe und Alpensegler bedeuten diese fliegenden Kameras unnötigen Stress.

Kein geografisches Unikum

Das besorgte Gesicht des Revierförsters glättet sich wieder und weicht einem entspannten Lächeln. «Auch wenn in den sozialen Medien häufig über wilde Deponien – insbesondere in der Stadt Grenchen – geklagt wird, sehe ich das nicht als gravierendes Problem. Solche Bilder sind nicht nur bei uns zu sehen, sondern ebenfalls Ausdruck einer allgemeinen Zeiterscheinung und kein geografisches Unikum.» Der Grenchner Bevölkerung spricht er sogar ein Lob aus, insbesondere im Umgang mit dem Wald. «Ich kann mich nur wiederholen: Gröbere Verstösse, wie die Entsorgung eines halben Hausrats im Wald, sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme.» Dennoch richtet er einen Appell an alle Nutzerinnen und Nutzer des Waldes: «Seid sorgsam mit ihm – er bietet uns viel Freude!»