Singen für die Gemeinschaft und das eigene Wohl

Der MarkusCHOR Bettlach verfügt zwar über keine eigene Website und betreibt auch keine offensive Werbung. Dennoch ist er im Internet erstaunlich präsent:In der elektronischen Agenda auf der Website der Gemeinde Bettlach erscheint der Name MarkusCHOR Woche für Woche mehrfach. In diesem Jahr feiert der reformierte Kirchenchor sein 100‑jähriges Bestehen.

Der Chor mit seinen Mitgliedern und der Chorleiterin (ganz links) im Jubiläumsjahr und im modernen Auftrittslook.Bild: zvg

Der Chor mit seinen Mitgliedern und der Chorleiterin (ganz links) im Jubiläumsjahr und im modernen Auftrittslook.Bild: zvg

Stefanie Scheuner, seit 2024 Chorleiterin im MarkusCHOR, umrahmt von Verena Bonino (links) und Ruth Rüefli, den beiden «Dienstältesten» im Chor. Bild: Joseph Weibel

Stefanie Scheuner, seit 2024 Chorleiterin im MarkusCHOR, umrahmt von Verena Bonino (links) und Ruth Rüefli, den beiden «Dienstältesten» im Chor. Bild: Joseph Weibel

Die drei Gesprächspartnerinnen – Ruth Rüefli, Verena Bonino und die Chorleiterin Stefanie Scheuner – nehmen diese Wahrnehmung mit einem strahlenden Lächeln auf. Das möchten sie der «guten Seele» mitteilen, die die Proben- und Auftrittstermine auf der Website der Gemeinde Bettlach einpflegt. «Er glaubt nämlich», sagt Verena Bonino, «das sehe wohl niemand.» Weit gefehlt.

Der MarkusCHOR, der dieses Jahr sein 100‑jähriges Bestehen feiert, hat nicht nur gute, sondern auch treue Seelen. Unter den heute 22 Aktiven finden sich fast ausschliesslich langjährige Mitglieder. Ruth Rüefli singt seit 50 Jahren im Chor, Verena Bonino seit 49 Jahren. Sie kennen den Verein aus dem Effeff. Die beiden Frauen, die zusammen mit Chorleiterin Stefanie Scheuner über den Chor berichten, waren zudem in verschiedenen Funktionen tätig. Verena Bonino ist Ehrenpräsidentin und hat zum 100‑Jahr-Jubiläum eine Chronik zusammengestellt.

Sangesfreudige Idealisten

Darin wird rasch deutlich, dass vor allem in den Anfangsjahren nicht immer alles reibungslos verlief. Der reformierte Gemischte Chor, in dem heute die Frauenstimmen klar in der Überzahl sind, wurde am 17. Januar 1926 im Restaurant Traube mit 29 Teilnehmenden gegründet. «Die Gründer müssen sangesfreudige Idealisten gewesen sein, denn sie konnten von der Kirchgemeinde keine finanzielle Hilfe erwarten», heisst es in der Chronik. Der Mitgliederbeitrag betrug 50 Rappen pro Monat. Wer unentschuldigt einer Probe fernblieb oder zu spät erschien, musste eine Busse bezahlen. Der Dirigent erhielt eine Jahresentschädigung von 200 Franken. Kein Wunder also, dass sowohl die Dirigenten als auch die Präsidenten häufig wechselten. «Sechs Wechsel in fünf Jahren», ist in der Chronik nachzulesen.

Doch genug der Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht nun der Jubiläumsgottesdienst vom kommenden Sonntag. Der Verein hat sich längst gefestigt und steht mit seinen 22 Aktiven gut da. Einzig bei den Männern herrscht Mangel. Sie seien eine Art «specie rara», sagt Ruth Rüefli, die dienstälteste Sängerin des Chors, schmunzelnd.

Verstärkung geholt

Einer der wenigen Männer, die regelmässig mitsingen oder mithelfen, war nie offizielles Mitglied. Verena Bonino erzählt dazu eine kleine Anekdote:

Bei der Einweihung der Markuskirche 1959 stand dem Chor nur eine Bassstimme zur Verfügung. Der damalige Leiter der Sonntagsschule, ein 16‑jähriger junger Mann, habe sich zum Mitsingen überzeugen lassen. Nach Jahren der Abwesenheit habe er den Weg als Aushilfe in den Chor wieder gefunden und helfe erfreulicherweise bei speziellen Anlässen aus.

Für das Konzert hat sich der Verein zusätzliche Verstärkung geholt, unter anderem vom katholischen Kirchenchor. Die Zusammenarbeit zwischen Reformierten und Katholiken beschränkt sich dabei nicht nur auf die Musik. Ökumene wird in Bettlach grossgeschrieben. Beim jährlichen ökumenischen Gottesdienst treten der MarkusCHOR und der katholische Cäcilienchor gemeinsam auf. «Wir singen zusammen, und wir feiern zusammen», bringen es die drei Frauen auf den Punkt. An der 800‑Jahr-Feier betrieben die beiden Chöre gemeinsam das Raclette-Stübli und verarbeiteten dabei rund 700 Kilogramm Käse.

Fürs Singen spricht ganz viel

Trotzdem kämpft auch der MarkusCHOR mit Nachwuchssorgen – wie viele andere Vereine. Beim jährlichen offenen Singen gebe es zwar einige «Wiederholungstäter», doch die wenigsten wollten sich dauerhaft binden. Das bedeutet vor allem, regelmässig die Proben zu besuchen. Diese finden jeweils dienstags von 19.45 bis 21.30 Uhr statt – ausser während der Schulferien.

Was spricht fürs Singen? «Ganz viel», sagen Ruth Rüefli und Verena Bonino. Die Gemeinschaft sei von grosser Bedeutung, und das Singen helfe auch in schwierigen Lebensphasen. Ruth Rüefli hat dies selbst erlebt, als zunächst ihre Eltern und später ihr Ehemann starben. Die positive Gesinnung scheint sich auch auf ihre Tochter übertragen zu haben, die in Zürich wohnt und in Baden arbeitet. Diese komme wann immer möglich an die Proben und sei zudem als Bibliothekarin im Verein tätig, erzählt sie nicht ohne Stolz.

Klassisches und modernes Repertoire

Auch das musikalische Repertoire hat sich im Laufe der Jahre stetig erweitert. «Wir singen sowohl klassische als auch moderne Stücke», sagt Chorleiterin Stefanie Scheuner. Die beiden langjährigen Mitglieder bestätigen, dass sie neuen Schwung in den Chor gebracht habe. Die Pianistin und Organistin aus Grenchen spielt in beiden Bettlacher Kirchen die Orgel. Wenn sie als Chorleiterin im Einsatz steht, übernimmt ihre Mutter das Orgelspiel. «Beides gleichzeitig geht nicht», sagt die junge Frau schmunzelnd. Daneben wirkt sie auch im aktuellen Freilichtspiel im Grenchner Park als Pianistin mit.

Wie viele Dirigenten der Chor in seinen 100 Jahren hatte, lässt sich nicht mehr genau beziffern. «Zehn bis dreizehn waren es sicher», schätzen die beiden Sängerinnen. Die Auftritte halten sich übers Jahr gesehen in Grenzen und konzentrieren sich vor allem auf grössere kirchliche Anlässe. Im Sommer gehört jeweils ein Singgottesdienst zum Programm, bei dem Chor und Gottesdienstbesucher gemeinsam singen.

Gemeinschaft und Geselligkeit kommen nicht zu kurz

Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. Der Sommerhöck gehört ebenso zum Jahresprogramm wie ein gelegentliches «Nachsitzen» nach den Proben. Einfacher geworden ist dies angesichts der schwindenden Zahl von Restaurants allerdings nicht. Wiederbeleben möchte der Verein zudem die früher alle zwei Jahre durchgeführten Singwochenenden. «Dabei proben wir zwar auf einen grösseren Auftritt hin. Mindestens ebenso wichtig ist aber die Gemeinschaft, die wir während dieser drei Tage intensiv pflegen», sagt Verena Bonino.

Lockere und lebendige Atmosphäre

Stefanie Scheuner stiess erst vor zwei Jahren zum Chor. Ermüdungserscheinungen kennt sie keine. Ihr gefalle die lockere und lebendige Atmosphäre. Mit grosser Motivation freut sie sich darauf, den Chor weiterzubringen, die musikalische Qualität zu fördern und gemeinsam Freude am Singen zu erleben. «Wir freuen uns immer über neue Mitglieder», sagt auch sie.

Wer den Chor kennenlernen möchte, besucht am besten das offene Singen Anfang Dezember. Die Mitglieder und ihre Chorleiterin würden sich freuen, wenn sich der eine oder andere «Wiederholungstäter» danach auch an einem Dienstagabend in den regulären Proben blicken liesse.

Mit einem positiven Ausblick endet auch die von Verena Bonino verfasste Chronik: «Heute, im Jubiläumsjahr mit 22 aktiven Mitgliedern, darf der MarkusCHOR mit Stolz und Dankbarkeit zurückblicken und mit Freude und Zuversicht der Zukunft entgegensehen. Ein Dankeschön allen, die ein Stück dieses 100‑jährigen Weges mitgegangen sind – aktiv, zuhörend, helfend oder mit guten Gedanken begleitend.»

> Die Jubiläumsanlässe

Unter dem Motto «100 Jahre MarkusCHOR – ein Grund zum Feiern» findet kommenden Sonntag, 21. Juni 2026, um 10 Uhr ein Festgottesdienst in der Markuskirche Bettlach statt. Der Chor freut sich natürlich, wenn er bei seinem Auftritt eine grosse Zahl Zuhörerinnen und Zuhörer vor sich weiss.

Im Rahmen des Jubiläums gestaltet der Chor am Sonntag, 13. September 2026, um 17 Uhr die Abendmusik. Gemeinsam mit Klavier, Orgel und strahlenden Trompetenklängen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein stimmungsvolles musikalisches Erlebnis.