Von Grenchen ans Weltfinale nach San Sebastián

Vor wenigen Wochen stand Vibuja Manichelvan auf der Bühne des Parktheaters Grenchen und durfte über den grössten Erfolg ihrer bisherigen Tanzkarriere jubeln. Die 25‑Jährige gewann den Global Dance Open Qualifier in der Kategorie Solo Folklore und qualifizierte sich damit für die Global Dance Open Finals in San Sebastián, an denen sie im Juli die Schweiz vertreten wird.

Vibuja Manichelvan.Bild: Lisa Bertelle

Vibuja Manichelvan.Bild: Lisa Bertelle

Vibuja Manichelvan beim ausdrucksstarken Tanz Bharatanatyam. Bilder: zvg

Vibuja Manichelvan beim ausdrucksstarken Tanz Bharatanatyam. Bilder: zvg

Zum Tanz kam Manichelvan bereits als Kind. Ihre Mutter meldete sie im Alter von fünf Jahren an der Tanzschule TKN Bern für den Bharatanatyam-Unterricht an. Was zunächst als Freizeitbeschäftigung begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer Leidenschaft, die sie bis heute begleitet. Inzwischen hat sie verschiedene Ausbildungsstufen in diesem Tanzstil durchlaufen, entwickelt eigene Choreografien und tritt regelmässig an Wettbewerben und Veranstaltungen auf.

Bharatanatyam, eine klassische südindische Tanzform, verbindet Technik, Rhythmus, Mimik und das Erzählen von Geschichten. Die sogenannten Mudras besitzen jeweils eine eigene Bedeutung und ermöglichen es den Tänzerinnen und Tänzern, Geschichten beinahe wie in einer Gebärdensprache zu erzählen. «Ursprünglich entstand die Tanzform in südindischen Tempeln und erzählt häufig Geschichten aus der Mythologie», erklärt Vibuja Manichelvan.

Für sie ist das Tanzen längst zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Auch während ihres Studiums blieb sie ihrer Leidenschaft treu. Die Grenchnerin hat ihren Masterabschluss in Maschinenbau an der ETH Zürich inzwischen abgeschlossen und ist heute berufstätig. Nach der Arbeit trifft sie sich mit Freunden oder widmet sich dem Tanz. «Ich schätze besonders die Vielseitigkeit der Tanzform, in der unterschiedliche Fähigkeiten zusammenkommen», erzählt sie. Bharatanatyam ist für sie ein Ort geworden, zu dem sie immer wieder zurückkehren kann. Der Tanz hilft ihr, nach stressigen Tagen abzuschalten und neue Energie zu tanken.

Aufgewachsen ist Vibuja Manichelvan in Grenchen. Obwohl sie während ihres Studiums viel Zeit in Zürich verbrachte, ist die Verbindung zu ihrer Heimatstadt geblieben. «Grenchen ist für mich nach wie vor ein Ort, an den ich gerne zurückkehre und an dem ich mich zu Hause fühle», erläutert sie.

Erfolg auf heimischer Bühne

Der Global Dance Open Qualifier im Parktheater Grenchen kam für Vibuja Manichelvan genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach einer längeren Pause suchte sie nach einem neuen Ziel und entschied sich eher zufällig, am Wettbewerb teilzunehmen. Dass dieser ausgerechnet in ihrer Heimatstadt stattfand, gab ihr zusätzliche Sicherheit. Sie kannte das Parktheater bereits und konnte sich in der vertrauten Umgebung auf ihren Auftritt konzentrieren.

Für ihren Auftritt wählte sie eine sogenannte Thillana, ein besonders dynamisches Werk des Bharatanatyam, bei dem Technik, Tempo und Rhythmus im Vordergrund stehen. Da die Wettbewerbsregeln eine Zeitlimite von etwas mehr als zwei Minuten vorsahen, musste sie das ursprünglich längere Stück kürzen und neu zusammensetzen. In den Wochen vor dem Wettbewerb trainierte sie täglich für die Choreografie, meist in ihrem Wohnzimmer. Vor dem Auftritt verlief jedoch nicht alles nach Plan. Aufgrund eines Missverständnisses musste sie kurz vor dem Start noch die Bühnenseite wechseln, während die Musik bereits eingesetzt hatte. Trotz der ungeplanten Hektik gelang es ihr, rechtzeitig in die Choreografie einzusteigen. Sie war überrascht, als sie später als Siegerin der Kategorie Solo Folklore ausgerufen wurde. «Mit dem ersten Platz hatte ich nicht gerechnet», so Manichelvan.

Unterstützt wurde sie auf ihrem Weg stets von ihrer Familie. Besonders ihre Eltern und ihre jüngere Schwester standen ihr während der Vorbereitungen zur Seite. Auch ihre Mutter, die selbst in ihrer Jugend tanzte, begleitet ihre Leidenschaft seit vielen Jahren.

Nächster Halt: San Sebastián

Mit dem ersten Platz qualifizierte sich Vibuja Manichelvan für die Global Dance Open Finals in San Sebastián. Dort wird sie von 14. bis 19. Juli die Schweiz vertreten. Für das Finale wird sie nochmals dieselbe Choreografie tanzen. Die intensive Vorbereitung der vergangenen Monate kommt ihr dabei zugute, wodurch sie sich nun auf die Feinabstimmung konzentrieren kann. Begleitet wird sie in Spanien von ihrer Mutter. Für San Sebastián hat sich Manichelvan keine konkrete Platzierung vorgenommen. Sie möchte vor allem ihr Bestes geben und die Gelegenheit nutzen, ihr Können auf einer internationalen Bühne zu zeigen. Dass sie dabei die Schweiz vertreten darf, empfindet sie als besonderes Privileg. «Ganz realisiert habe ich es aber noch nicht», meint sie schmunzelnd. Der Erfolg in Grenchen hat ihr zudem eine neue Welt eröffnet. Bisher nahm sie vor allem an Wettbewerben innerhalb ihres Tanzstils teil. Umso mehr reizt sie der Austausch mit Tänzerinnen und Tänzern anderer Stilrichtungen und Kulturen. Deshalb ist für sie bereits klar, dass der Auftritt in Spanien nicht ihr letzter internationaler Wettbewerb bleiben soll.