Von Grenchen in die Mongolei und zurück
Eric von Schulthess, der im Corona-Jahr 2020 das Fotografieren und seine neue Leidenschaft entdeckte, zeigt ab 28. Januar 2026 in seiner eigenen Galerie an der Centralstrasse in Grenchen die kunstvolle Aktfotografie in all ihren Facetten. Eric von Schulthess ist durch die Fotografie auch zum Weltenbummler geworden. Ein «Zwischenhalt» in Grenchen.
Ein Gespräch mit Eric von Schulthess ist nicht einfach ein Dialog, sondern immer auch ein Erlebnis voller Überraschungen. Wir treffen ihn im ehemaligen Ebosa-Gebäude im Zentrum von Grenchen. Dort ist er mit seinen beiden Firmen eingemietet. Eine davon, den Uhrenhandel, hat er verkauft. Die Firma Capra, ein Onlineshop für Jagdbedarf, führt er noch. Mit Betonung auf «noch». Er will sich ganz aufs Fotografieren und aufs Reisen konzentrieren – vor allem in die Mongolei.
Beim Namen «Capra» frage ich nach. Er zeigt wortlos auf den ausgestopften Tierkopf an der Wand. Nein, es ist keine Ziege, keine Capra, wie sie auf Italienisch heisst. Es ist der Kopf des Königs der Alpen, eines Steinbocks. Nein, er hat ihn nicht erlegt. «Der Steinbock geriet am Sustenpass in eine Lawine», erzählt er. Eric von Schulthess hat die Jagd lange vor der Fotografie für sich entdeckt. Dafür bereiste die Welt. Jetzt macht er Jagd auf impressionistische Landschaftsbilder. So fotografierte er die Morgenstimmung auf dem Gornergrat mit Blick aufs Matterhorn. Um die Morgenstimmung rechtzeitig einzufangen, übernachtete er im Freien in einem dicken Schlafsack. Für seine Reisen hat er einen Tourer gekauft, der genügend Platz für seine Fotoausrüstung bietet und in dem er bei Bedarf eine Matratze zum Schlafen auslegen kann.
Wie er in die Mongolei kam
Themawechsel. Er sucht auf seinem Handy nach Bildern. Er zeigt mir eine Mongolin, die er kennengelernt hat. Sie heisst Tool. «Tool wie Werkzeug auf Englisch?» Er nickt. Tool hat ein Reisebüro, an dem er beteiligt ist. «Echt jetzt?» Eric von Schulthess schaut mich an und denkt wohl: «Glaubst du mir nicht?» Egal. Er schwärmt von dieser Frau. Sie sei taff, business- und erfolgsorientiert. So wie er. Wie kommt er in die Mongolei? Er musste für einen Kunden eine Fotosafari organisieren – in die Mongolei. So habe er dieses Land kennen – und lieben gelernt. Den 12-stündigen Flug nimmt er jeweils ohne zu zögern in Kauf.
Fotografieren: what else?
Die Mongolei kennen wir allenfalls von der Kette «Han Mongolian Barbecue». Eric von Schulthess bringt mir das Land in weniger als einer Minute, ohne Punkt und Komma, viel näher. Es liegt zwischen Russland und China, ist das östlichste zentralasiatische Land, hat eine Fläche von 1,58 Millionen Quadratkilometern und 3,8 Millionen Einwohnern. Diese leben zusammen mit 75 Millionen Huf- und Trampeltieren: Ziegen, Schafe, Pferde, Yaks (Kühe) und Kamele. Die Mongolen sind das älteste Nomadenvolk der Welt und leben vom Bergbau und Tourismus. «Sie haben nichts, aber immer ein Lächeln auf dem Gesicht», ergänzt Eric von Schulthess. Er hat eine grenzenlose Gastfreundschaft erlebt. Meistens wohnt er bei Einheimischen, schläft und isst bei ihnen. Die Menschen leben in den typischen Zelten (Jurten), aber auch in festen Bauten. Und was macht er in der Mongolei? Eric von Schulthess schaut mich an, als hätte ich etwas gefragt, das ich längst wissen müsste. «Fotografieren natürlich.» What else?
Aber nicht mehr allein. Sein Fotopartner Bayar, der bekannteste mongolische Landschaftsfotograf, arbeitet mit Eric zusammen. Sie haben eine Firma gegründet und bieten Fototouren für Touristen aus Europa, Amerika und Südostasien an. Vor zwei Tagen ist seine Website online gegangen. Anfang Februar reist er wieder in die Mongolei. Er ist längst zum Pendler geworden. Und das geht so: Wenn er Anfang Februar in die Mongolei reist, wird er einen Monat dort sein, dann kommt er für dreieinhalb Monate zurück und geht Mitte Juni wieder in die Mongolei. Er ist jetzt auch ein Nomade, ein Schweizer Nomade in der Mongolei.
Wiedereröffnung der Galerie
Da war noch was. Ah ja. Seine Galerie an der Centralstrasse 4. Die war längere Zeit geschlossen, wurde teilrenoviert und vor allem musste das Schaufensterglas ersetzt werden, das durch ein Unwetter zerbrochen war. Ein Gast mit Hund sass in der benachbarten Pizzeria. Als er kurz austreten musste, wurde der Hund nervös, rannte mitsamt Tisch davon und sorgte so für den Glasbruch. Auch das ist eine Geschichte für sich.
Jedenfalls wird die Wiedereröffnung mit Vernissage am Mittwoch, dem 28. Januar 2026 (ab 18 Uhr), eine spannende Sache. Zunächst demonstriert ein Body Painter an einem Model Airbrushing, anschliessend zeigt Eric von Schulthess, wie man ein Modell ins rechte Licht rückt. Das Thema der Fotoausstellung hatte ich bereits erwähnt: kunstvolle Aktfotografie in all ihren Facetten.
Und sonst? Eric von Schulthess lädt an seinen Computer und präsentiert eine Serie von Aktbildern. Zeitgleich mit der Vernissage wird er die Nullnummer seines neuen Fotomagazins «OnlyNude.art» vorstellen. Ein Print-Magazin, dessen Erscheinung er bis 2028 auf sechs Ausgaben erweitern will. Ausserdem sollen Drittfotografen die Gelegenheit erhalten, darin ihre Bilder zu präsentieren. Zudem plant er ein Fotoband mit Bildern aus der Mongolei. Logo!
Galerie Eric von Schulthess. Vernissage Mittwoch, 28. Januar 2026, 18 Uhr, Centralstrasse 4 in Grenchen.



