Wenn der Coiffeursalon zum Gruselkabinett wird

MYCO‑13? Der Name klingt harmlos. Ist er aber nicht. Dahinter verbirgt sich ein hochinfektiöser Pilz. Alarmstufe Rot! Die Quarantänezone ist abgeriegelt. Die Wahrheit liegt irgendwo im Innern. Wer mutig genug ist, kann sie finden. Der wahre Horror? Nein – Halloween in der Quarantänezone von Coiffure Saray’s & Michele an der Kirchstrasse in Grenchen.

Michele Chiovè und Tochter Estelle geben einen kleinen Einblick in die Requisiten, die sie in den letzten sechs Monaten gebastelt haben und die im umfunktionierten Coiffeursalon an Halloween Teil einer umfangreichen Deko sein werden. Bild: Joseph Weibel

Michele Chiovè und Tochter Estelle geben einen kleinen Einblick in die Requisiten, die sie in den letzten sechs Monaten gebastelt haben und die im umfunktionierten Coiffeursalon an Halloween Teil einer umfangreichen Deko sein werden. Bild: Joseph Weibel

Ein Bild vom letzten Jahr: Ein schaurig schöner (Ein-)Blick in einen der gruselig umgestalteten Schauplätzen im Salon.

Ein Bild vom letzten Jahr: Ein schaurig schöner (Ein-)Blick in einen der gruselig umgestalteten Schauplätzen im Salon.

Michele Chiovè wählte letztes Jahr für seinen Auftritt den Habitus des Priesters. Bilder: zvg

Michele Chiovè wählte letztes Jahr für seinen Auftritt den Habitus des Priesters. Bilder: zvg

Klingt irgendwie verrückt – die «Rocky Horror Picture Show » geht noch weiter. Hier wird es gruselig, geheimnisvoll und garantiert nichts für schwache Nerven. Das Programm jedenfalls verspricht einiges: Horror, Labyrinth, Apéro – und noch so manche Überraschung. Wer sich hineinwagt, sollte sich besser warm anziehen. Oder zumindest die Nerven behalten.

Estelle Chiovè lacht: «Letztes Jahr sagte ich zu meinem Vater: ‹Du, wir könnten uns doch an Halloween während der Arbeit verkleiden.› » Was als Scherz gedacht war, reifte in drei Monaten zu einer verrückten Idee. «Wir verwandeln unseren Coiffeursalon für eine Nacht in ein Gruselkabinett», erzählt Michele Chiovè und entschlüsselt damit das Ergebnis dieses Gesprächs zwischen Vater und Tochter.

Halloween kam eher schleichend in die Schweiz – Anfang der Neunzigerjahre, mit ordentlich amerikanischem Rückenwind. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, so die Vorstellung, wird die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und jener der Toten durchlässig. Feuer, Verkleidungen und allerlei Bräuche sollen die unheimlichen Gestalten fernhalten. Später vermischten sich diese Traditionen mit christlichen Gedenktagen: Auf Allerheiligen am 1. November folgte Allerseelen. Aus dem englischen «All Hallows’ Eve» – dem Abend vor Allerheiligen – entstand schliesslich der Name Halloween. So erzählt es die Geschichte.

Michele und Estelle Chiovè sind beide Horrorfans und schauen sich gerne entsprechende Filme an. Das brachte sie auf die Idee. Michele zeigt auf seinem Handy eine Aufnahme vom vergangenen Jahr. Wer sich noch nicht ganz vorstellen kann, was im umfunktionierten Gruselhaus passiert, erinnert sich vielleicht an die Jugendtage, als man an der Kilbi mit klopfendem Herzen durch die Geisterbahn fuhr – auf kleinen, elektronisch gesteuerten Wagen, ständig aufgeschreckt von plötzlich auftauchenden Gestalten und schauerlichen Stimmen.

So verwandelte sich Estelle letztes Jahr am Halloween-Abend in eine geisterhafte Figur: weiss getünchtes Gesicht, schwarz umrandete Augen, dazu eine lange, pechschwarze Perücke. Die Gestalt beugte sich über den von Kerzen beleuchteten Tisch und schaute auf ein geheimnisvolles Buch. Michele schlüpfte in den Habitus eines Priesters. Insgesamt vier Akteure traten in Aktion. Tatkräftig unterstützt bei diesem Vorhaben wurden sie von Freunden und der Familie.

Dieses Jahr wird es nicht anders sein, wenn sich am Samstag, 31. Oktober, um 17 Uhr die Türen zum Gruselkabinett öffnen. Der Salon wird dafür komplett ausgeräumt. Nichts steht mehr dort, wo sonst die Kundschaft sitzt. Seit sechs Monaten basteln die beiden Hauptakteure an der Dekoration. Estelle hat zusätzlich Überstunden eingelegt, damit die Gesichts- und Körperprothesen rechtzeitig fertig werden. So verwandelt sich der Coiffeursalon innert weniger Stunden in ein Haus des Horrors und die Akteure verwandeln sich von Kopf bis Fuss.

Allerdings kann man nicht einfach hinein- und wieder hinausspazieren. Maximal drei Personen dürfen gleichzeitig die Räume betreten und das Gruseln lernen. Besucherinnen und Besucher können ab 17 Uhr ohne Voranmeldung vorbeischauen. Die Wartezeit lässt sich an der Outdoorbar überbrücken, wo Glühwein, Softgetränke und Kaffee ausgeschenkt werden. Um 22 Uhr ist Schluss. «Wir informieren die umliegenden Bewohner zwar, wollen mit unserer Halloween-Nacht aber nicht zu sehr stören», sagt Michele Chiovè. Kinder unter zwölf Jahren dürfen die Tour nur in Begleitung eines Erwachsenen antreten.

Für Michele Chiovè gibt es heuer gleich doppelten Grund zur Freude: Direkt nach dem Gruselabend feiert er privat im kleinen Rahmen am 1. November sein 20‑Jahr-Jubiläum als Inhaber des Coiffeurgeschäfts an der Kirchstrasse. Vor mehr als 30 Jahren hatte er hier seine Lehre absolviert, danach vier Jahre lang einen Betrieb in St. Gallen geführt. Zurück in seiner Heimat erhielt er von der damaligen Besitzerin das Angebot, den Salon zu übernehmen.

Einmal im Monat werden Michele und seine Tochter von einem 78‑jährigen Coiffeur unterstützt. Er war während 55 Jahren in diesem Geschäft tätig.

Eine schöne Geschichte – ebenso wie die aussergewöhnliche Idee, aus Halloween eine ganz besondere Nacht zu machen.

MYCO‑13. Das Gruselhaus an der Kirchstrasse 90 im Grenchen. Samstag, 31. Oktober 2026, 17 bis 22 Uhr. Horror, Labyrinth und Apéro-Time. Der Eintritt ist für alle frei.