Wenn Kinder trauern, schenkt Pippilotta Hoffnung

Wenn ein Kind stirbt, bleibt die Welt für einen Moment stehen. Zurück bleiben Eltern, Geschwister und Angehörige – mit unendlicher Trauer, quälenden Fragen und einer Leere, die kaum in Worte zu fassen ist. Doch was geschieht, wenn ein Kind seine Mutter oder seinen Vater verliert? Wie begreift ein junges Leben, dass ein geliebter Mensch für immer fehlt? Und wie findet eine Familie nach einem solchen Schicksalsschlag wieder Halt? Genau hier setzt Pippilotta an.

Für das Kids-Gruppentreffen wurde ein spezieller Dekor vorbereitet, der den mexikanischen Feiertag «Día de los Muertos» symbolisiert, welcher Thema des Gruppentreffens ist.Bild: Joseph Weibel

Für das Kids-Gruppentreffen wurde ein spezieller Dekor vorbereitet, der den mexikanischen Feiertag «Día de los Muertos» symbolisiert, welcher Thema des Gruppentreffens ist.Bild: Joseph Weibel

Ein Kind mit einem «Bleib-bei-mir-Tier» im Raum des «Trauerhafens» im Attisholz-Areal in Riedholz. Bild: zvg

Ein Kind mit einem «Bleib-bei-mir-Tier» im Raum des «Trauerhafens» im Attisholz-Areal in Riedholz. Bild: zvg

Seit 2021 begleitet der Verein Pippilotta Kinder, Jugendliche und Eltern auf ihrem schweren Weg durch die Trauer – mit Einzelbegleitungen, Workshops, Gruppentreffen und persönlichen Abschiedsritualen. Das Bedürfnis nach Unterstützung ist gross. Pippilotta ist hauptsächlich in der Region Solothurn tätig, aber auch in den Kantonen Bern und Aargau.
Larissa Buser steht mit ihrer acht Monate alten Tochter im Raum des «Trauerhafens» auf dem Attisholz-Areal in Riedholz. Ihr Blick schweift über die liebevoll gestaltete Dekoration für das nächste Kids-Gruppentreffen. Diesmal dreht sich alles um den mexikanischen Feiertag «Día de los Muertos» – den Tag der Toten. In Mexiko wird an diesem bunten Tag mit Bildern der Verstorbenen gedacht und ihnen symbolisch ein Platz unter den Lebenden gegeben.

Trauer darf Platz für Freude lassen

Auch die Kinder dürfen sich auf etwas Besonderes freuen. Im Vorfeld konnten sie das Lieblingsessen der Verstorbenen mitteilen. An diesem Nachmittag werden ihre Wünsche erfüllt. Kleine Gesten, die Wärme und Geborgenheit vermitteln und zeigen: Auch in der Trauer darf Freude ihren Platz haben.
So unterschiedlich die Treffen gestaltet sind, eines haben sie gemeinsam: Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sollen sich behutsam mit dem Tod auseinandersetzen, ihren Gefühlen Raum geben und erfahren, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind.

Wenn der Tod zum Berufsalltag gehört

Larissa Buser arbeitet als Intensivpflegefachfrau in der Kinderabteilung des Inselspitals Bern. Sie weiss, was es bedeutet, wenn ein Kind stirbt oder Kinder den Verlust eines Elternteils verkraften müssen. Schicksale, die niemanden unberührt lassen.
Durch eine Arbeitskollegin wurde sie auf Pippilotta aufmerksam. «Ich habe mich spontan entschlossen, eine entsprechende Zusatzausbildung zu machen.» Seit 2025 gehört sie zum Team, das Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg durch die Trauer begleitet.

Ein Zeichen der Solidarität aus Grenchen

Auch in Grenchen hat die Arbeit des Vereins Unterstützung gefunden. Larissas Vater, der Grenchner Gewerbetreibende Stephan Buser, ist Mitglied des Lions Clubs Grenchen. Dieser sammelte am «Rock am Märetplatz» Geld für den guten Zweck und spendete den gesamten Erlös an Pippilotta.
Solche Gesten sind für den Verein wichtig. Er finanziert sich hauptsächlich durch Spenden und durch kleine Beiträge der betroffenen Familien. Die Vereinsmitglieder engagieren sich grösstenteils freiwillig und erhalten lediglich eine kleine Entschädigung oder Spesenvergütung.
«Das Bedürfnis nach Trauerbegleitung ist gross, sehr gross», betont Larissa Buser, die auch dem Vorstand angehört. An einem Kids-Gruppentreffen können maximal zwölf Kinder teilnehmen. «So können wir auf jedes einzelne Kind und seine persönliche Situation eingehen.»
Wie finden betroffene Familien zu Pippilotta? «Oft werden sie von Bestattungsdiensten, Haus- oder Kinderärzten auf uns aufmerksam gemacht», erklärt Buser. Auch Mundpropaganda spielt eine wichtige Rolle.
Nach einem kostenlosen Erstgespräch können Einzelbegleitungen vereinbart werden. Daneben gibt es regelmässige Gruppentreffen und gemeinsame Anlässe. Im Vordergrund stehen unbeschwerte Stunden und schöne Erlebnisse, die dennoch einen Bezug zu Tod und Trauer haben. Das Angebot soll 2027 weiter ausgebaut werden. Auch die Eltern werden nicht allein gelassen: Für sie organisiert Pippilotta vierteljährlich sogenannte Leuchtturmtreffen.

Auf Spenden angewiesen

Ganz kostenlos kann der Verein seine Arbeit nicht anbieten. Eine Einzelbegleitung kostet 140 Franken. Hat eine Familie ihren Hauptverdiener verloren, sind die ersten drei Begleitungen durch den Verein finanziert. Für Kids-Gruppentreffen wird lediglich ein Unkostenbeitrag von fünf bis zehn Franken erhoben.
Pippilotta erhielt sogar einen Personenwagen geschenkt. Doch neben der Raummiete und Kosten für Gruppen und Anlässe fallen auch Betriebs- und Unterhaltskosten für das Fahrzeug an. Umso wichtiger sind Spenden, damit Kinder und Familien in einer der schwierigsten Lebensphasen nicht allein bleiben.

Namensgeberin ist eine starke Roman- und Filmfigur

Der Name Pippilotta ist kein Zufall. Er erinnert an Pippi Langstrumpf, die ohne Eltern aufwächst und ihr Leben mit Mut, Stärke und Eigensinn meistert. Sie verkörpert Eigenschaften, die der Verein den Kindern vermitteln möchte: Selbstvertrauen, Entschlossenheit und die Kraft, schwierige Situationen zu bewältigen.
Pippilotta ist deshalb eine ständige Begleiterin – bei Gruppentreffen, im «Trauerhafen» und auf Ausflügen. Mit den Kindern war sie bereits bei Alpakas auf dem Weissenstein, besuchte eine Wildtierstation und eine Pferdefarm mit therapeutischem Reiten. Im November steht ein Lichterfest für die Familien auf dem Programm.

Ein kleiner Drache, der Mut macht

Larissa Buser holt einen selbst gebastelten Kartonkoffer aus dem Schrank. Es ist der Themenkoffer eines Jungen, der seinen Vater verloren hat. «Wir erarbeiten gemeinsam Themen, die das Kind stärken und ihm helfen, mit seiner Trauer umzugehen.»
Auf dem Boden liegt ein kleiner Stoffdrache. Genäht aus Kleidungsstücken der verstorbenen Person, ist er weit mehr als ein Kuscheltier. «Bleib-bei-mir-Tiere» sollen Trost spenden, beschützen und Kraft geben. Hergestellt werden sie in der Stiftung Solodaris.

Mut und Hoffnung vermitteln

So traurig die Schicksale sind, mit denen sich Pippilotta beschäftigt, so erfüllend kann die Begleitung der Kinder und Familien sein. Genau das hat Larissa Buser einst bewogen, sich im Verein zu engagieren.
Gründerin Franziska Rüeggsegger begleitet die Aktivitäten weiterhin und bildet gemeinsam mit Connie von Arb aus Bettlach und Larissa Buser den Vorstand. Regula Rätz ist für Nähkünste und «Bleib-bei-mir-Tiere» zuständig, Sandra Borra bringt sich als Kunsttherapeutin ein.
«Manchmal gehört es einfach zu unserer Aufgabe, die Trauer mitzutragen», sagt Larissa Buser. Und fügt hinzu: «Wir wollen mit unserer Arbeit vor allem Mut, Hoffnung und Stärke vermitteln.»

Der Verein Pippilotta begleitet Kinder und Jugendliche, die ein Geschwister oder einen Elternteil verloren haben, sowie deren Familien. Zum Angebot gehört auch ein Beratungstelefon, erreichbar von Montag bis Donnerstag jeweils vormittags. Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Spenden.

Spenden via Twint (www.pippilotta-kindertrauerbegleitung.ch) oder Banküberweisung:IBAN: CH86 8080 8002 4060 4659 9